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25. Januar 2013

Stets für den richtigen Ton gesorgt

Trachtenkapelle Bollschweil wird 150 Jahre alt und feiert das mit verschiedenen Veranstaltungen / Auftakt am kommenden Samstag.

  1. Die Trachtenkapelle Bollschweil im Jahr 1930 Foto: privat

BOLLSCHWEIL. Seit mindestens 150 Jahren gibt es die Trachtenkapelle Bollschweil – gesichert ist durch mündliche Überlieferung das Jahr 1863, weshalb nun der 150. Geburtstag begangen wird. Die Feierlichkeiten ziehen sich durch das ganze Jahr; den Auftakt bildet das Festbankett am Samstag, an dem alle örtlichen Vereine mitwirken.

Im 19. Jahrhundert gab es Musik nur live, denn die Elektrizität war noch lange nicht erfunden. Gleichzeitig war diese Epoche eine musikalisch überaus fruchtbare: Komponisten wie Verdi, Rossini, Donizetti oder Wagner schufen ihre heute als "klassisch" eingestuften und immer wieder gern gespielten Werke in jener Zeit. In vielen Städten und Dörfern entstanden Musikkapellen, die das Bedürfnis nach Unterhaltung befriedigten, aber auch bei feierlichen Anlässen wie Hochzeiten, Beerdigungen und Gedenktagen aufspielten. Die erste schriftliche Erwähnung der Bollschweiler Kapelle datiert aus dem Jahr 1888. Es handelt sich um ein Kassenbuch, das von Joseph Gutgsell, der von 1889 bis 1899 Dirigent und Vorstand war, gestiftet wurde. Dieses Buch enthält eine ausführliche Dokumentation samt den Statuten des Vereins bis zum Ersten Weltkrieg und wurde vom jeweiligen Vorstand bis zum heutigen Tag weitergeführt. Insgesamt umfasst das Werk neun Seiten und 28 Paragraphen.

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Für das Jahr 1888 werden Einnahmen in Höhe von 39,74 Mark und Ausgaben von 39,35 Mark ausgewiesen mit einem Überschuss von 39 Pfennigen, also dem Betrag, den ein Musiker nach Paragraph 7 der Satzung für zwei versäumte Proben (nämlich 20 Pfennige pro Probe) zu berappen hatte. Der Musikverein lebte offensichtlich damals wie heute stets von der Hand in den Mund und war dauernd knapp bei Kasse. Aber ebenso wie heute hatte auch er bereits Freunde und Gönner, was die dokumentierten Schenkungsverträge belegen. Vermerkt sind 1890 etwa die Stiftung einer kleinen Trommel im Wert von 24 Mark, die Ausgaben in Höhe von fünf Mark für eine Probe mit dem Kapellmeister Georg Hornung und ein Konzert im "Schwanen" zu Bollschweil. Im Juli fand ein Konzert im "Rössle" in St. Ulrich statt. Für die Jahre 1899 bis 1914 ist festgehalten, dass Heribert Gutgsell als Vorstand fungierte, bevor der Erste Weltkrieg begann, was auch für die Bollschweiler Kapelle eine lange Pause mit sich brachte.

Was zwischen den Jahren 1915 und 1958 geschah, lässt sich nur ahnen, denn aus dieser Zeit liegt keine geschlossene Dokumentation vor – die entsprechenden Blätter wurden aus der Chronik entfernt, die eigentlich nicht mehr als ein harmloses Kassen- und Schriftführerbuch war. Aus mündlichen Überlieferungen und einigen Bilddokumentationen ist aber bekannt, dass es auch in diesen Zeiten einen Musikverein gegeben hat, bis 1956 mit Leopold Schmutz als Vorsitzenden.

Ein Neuanfang wurde am 24. Juli 1958 mit der Gründungsversammlung im Bollschweiler "Löwen" gemacht mit Otto Schweizer als Vorsitzenden und Helmut Jehle als Dirigent. Seitdem sind 65 Jahre vergangen, in deren Verlauf die Bollschweiler Trachtenkapelle an Qualität gewann. Die Chronik zählt ausführlich all die Anlässe auf, bei denen sie glänzte, ebenso wie die Dirigenten und Vorsitzenden, die ihr dazu verhalfen. Die Mitgliederzahl wuchs stetig, die Ausstattung und das Instrumentarium wurden ausgefeilter und vielfältiger, das Repertoire größer und abwechslungsreicher. Ausflüge wurden unternommen, so eine Konzertreise nach Prag und Brünn im Jahr 1991. Da war Meinrad Grammelspacher, der heutige Vereinsvorsitzende, noch Schriftführer und Konrad Vonarb Dirigent.

Prägend für den heutigen Stil wurde Hermann Haege, der zwischen 1999 und 2005 die Qualität des Ensembles steigerte. Seine Nachfolger Susanne Klee, Bernhard Maier, Jürgen Gutgsell und Andreas Daiger setzten seine Arbeit adäquat fort. Seit 2011 ist Carl-Philipp Rombach der musikalische Leiter der Trachtenkapelle.

Autor: Anne Freyer