Vorteile für Jung und Alt

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Fr, 27. Juli 2018

Bollschweil

Bei internationalem Projekt sucht Bollschweil Anregungen für das Bauen für mehrere Generationen.

BOLLSCHWEIL. Wenn man neue Wege geht – wie die Gemeinde es bei der Entwicklung des Baugebiets Südlich General-von-Holzing-Straße macht – ist es immer gut zu schauen, wie es andere machen und sich auszutauschen. Die Gemeinde Bollschweil beteiligt sich deshalb am grenzüberschreitenden Interreg-Projekt, das sich dem generationsübergreifenden Leben und Wohnen bei Hilfebedarf widmet.

Seit Oktober 2017 gibt es das Projekt, bei dem die Gemeinden Bollschweil und Eichstetten sowie das Mehr-Generationen-Wohnprojekt Offenburg (MWO) und in Freiburg das Mehr-Generationen-Quartier Zähringen des Bauvereins Breisgau zusammenarbeiten.

Auf französischer Seite sind die Gemeinden Sauer-Pechelbronn und Wörth, das Quartier Rotterdam in Strasbourg sowie die Fondation Jean-Paul und andere Praxispartner in Straßburg beteiligt. Neben Bollschweils Bürgermeister Josef Schweizer waren auch Vertreterinnen der Agenda Bollschweil 21 an den Treffen beteiligt.

"Es geht im Projekt darum, voneinander zu lernen, wie wir mit der alternden Gesellschaft am besten umgehen. Unser Blickwinkel liegt dabei auf allen Generationen. Es geht darum, geeignete Strukturen und Vorgehen zu entwickeln", sagt Cornelia Kricheldorff, Professorin an der Katholischen Hochschule Freiburg, die das Projekt wissenschaftlich begleitet. Reihum fanden jeweils bei allen Projektteilnehmern Treffen statt, damit man sich vor Ort die Situation anschauen und Lösungsansätze diskutieren konnte.

Ende Juni gab es ein solches ganztägiges Projekttreffen dann auch in Bollschweil. Immer mit dabei eine Dolmetscherin, die das Miteinander unterstützte. Bei den Besuchen wurde deutlich, dass jede der beteiligten Gemeinden ein ganz unterschiedliches Profil und ganz unterschiedliche Bedarfe habe. Die gemeinsame Klammer sei, dass alle die Generationen zusammen bringen wollen, sagt Cornelia Kricheldorff.

Freiburger Hochschule unterstützt die Gemeinde

"Mir wurde deutlich, dass wir mit unserem Vorgehen beim neuen Baugebiet, das Wohnen für Alt und Jung bieten wird, auf dem richtigen Weg sind", sagt Bürgermeister Josef Schweizer beim Gespräch mit der BZ, "bei der Planung früherer Baugebiete hatten wir die Senioren nicht im Blick, damals ging es immer nur um die Bedürfnisse von Familien."

Auch die Vertreter der Agenda Bollschweil 21, die sich intensiv in die Planungen für das neue Baugebiet eingebracht und die Haushaltsbefragung "Wohnen und Leben im Alter in Bollschweil – Bedarfe und Erwartungen" angeregt hatten, fühlten sich in ihrem Vorgehen bestätigt, so der Bürgermeister.

Bollschweil hat für die Teilnahme am Projekt, das zu zwei Dritteln mit 40 000 Euro von der Europäischen Union gefördert wurde, keinen extra Eigenanteil zu erbringen. Der Eigenanteil wurde bereits durch die Beauftragung der Katholischen Hochschule Freiburg mit der Durchführung der Haushaltsbefragung eingebracht.

Der in diesem Rahmen erarbeitete Fragebogen wurde bereits von den anderen beteiligten Kommunen als Muster für ähnliche Befragungen genutzt, so Kricheldorff.

Wie die Professorin erläuterte, hat die Hochschule in den letzten Jahren etwa 30 Gemeinden bei der Entwicklung generationenübergreifender Konzepte begleitet. Im September wird das letzte Treffen der Projektpartner In Straßburg stattfinden. Die Katholische Hochschule wird anschließend die Ergebnisse der Arbeit auswerten und einen Abschlussbericht erstellen.

Spannend wird es in Bollschweil am 29. November, wenn die Jury die beim städtebaulichen Wettbewerb für das Wohngebiet Südlich General-von-Holzing-Straße eingegangenen Vorschläge bewertet. Auch die Professorin für Soziale Gerontologie und Soziale Arbeit im Gesundheitswesen gehört dazu.