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25. November 2011 19:32 Uhr

67. Jahrestag

Bombenangriff auf Freiburg: Feuerwehr im Feuersturm

Der Bombenangriff auf Freiburg am 27. November 1944 hat die Feuerwehr vor eine unlösbare Aufgabe gestellt. Ohne Telefon und Löschleitungen versuchten die Feuerwehrleute die Stadt zu retten – und standen dennoch in der Kritik.

  1. Ein brennendes Haus in der Hildastraße im Stadtteil Wiehre Foto: Grete Kilchling/Stadtarchiv

  2. Das Erzbischöfliche Palais brannte ab. Foto: Stadtarchiv

  3. Viele Gebäude an der Kaiser-Joseph-Straße wurden wie das Haus Dorn Opfer des Bombenangriffs. Foto: Stadtarchiv

  4. Der Einsatz der Feuerwehr ist minutiös dokumentiert. Foto: Stadtarchiv

Am Sonntag jährt sich der Bombenangriff auf Freiburg zum 67. Mal. Das Inferno stellte die Feuerwehr vor eine unlösbare Aufgabe. Nur Bächle und Dreisam lieferten Wasser zum Löschen. Mit dem Fahrrad waren Melder unterwegs. Die knapp 370 Mann starke Truppe kämpfte bis zur Erschöpfung gegen die Flammen. Tagelang wüteten die Brände. 2800 Menschen kamen ums Leben.

Am 27. November 1944 wurden durch einen britischen Großangriff auf Freiburg fast 2 800 Menschen (zur Liste der geborgenen Opfer, Excel-Datei) getötet. Viele nicht unmittelbar getroffene Gebäude wurden vom Feuersturm erfasst und nachträglich zerstört. Die zahlreichen Löschteiche sowie die dezentrale Unterbringung von Feuerwehrwagen und Gerätschaften schienen zu gewährleisten, dass im Falle eines Angriffs immer noch genügend Mannschaften einsatzfähig wären. Doch mit der Wucht der Attacke hatte bei der Feuerwehr niemand gerechnet.

Schon kurz nach Beginn des Bombardements fielen durch den Volltreffer auf das Telegrafenamt wichtige Verbindungen weg. Als nach Mitternacht die letzten Leitungen tot waren, musste sich die Feuerwehr komplett auf Melder verlassen, die inmitten von Bränden und Schuttbergen ein Durchkommen versuchten. Oberwachtmeister Schweizer hatte Glück im Unglück: Es war nur Luftdruck, der ihn vom Fahrrad geschleudert hatte. An den Ausfallstraßen waren Lotsen positioniert, welche die auswärtigen Feuerwehren an die Einsatzorte dirigieren mussten. Die Hilfe von außerhalb war teils durch Motorradmelder angefordert worden, teils aber aus eigenem Antrieb erfolgt. Denn der Feuerschein über Freiburg war weithin sichtbar – sogar bis Herbolzheim. Weil der Gewerbekanal blockiert und Rohrleitungen unterbrochen waren, war man weitgehend auf Bächle und Dreisam angewiesen – fast wie im Mittelalter. Anwohner behalfen sich mit Eimerketten. Andere standen fassungslos vor den lodernden Resten ihrer Existenz und versuchten vergeblich, vorbeieilende Feuerwehrleute anzuhalten. Doch diese hatten strikt die Einsatzbefehle zu befolgen, die mangels Telefonkontakt schriftlich erfolgen mussten.

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Die Hilflosigkeit angesichts des Feuersturms bricht sich Bahn in spitzen Bemerkungen der Zeitzeugen: "…und dort sah man endlich Feuerwehr in Aktion." (aus: Joseph Sauer, "Zum Untergang Alt-Freiburgs"). "Und was jetzt? Wo bleibt überhaupt die Feuerwehr?" (aus: Bert Jäger, "Der Angriff."). Die eilig notierten Anweisungen lassen die Anstrengung ahnen, die Stadt irgendwie zu retten – ein übermenschlicher Einsatz in heilloser Lage. Zugführer S., der in jener Nacht Frau und Kind verlor, tat dennoch seinen Dienst bis zur völligen Erschöpfung und überschrieb verzweifelt seinen Einsatzbericht: "Gott strafe England".

Tagelang wüteten die Brände. Das Erzbischöfliche Palais fiel erst am 29. November den Flammen zum Opfer, wie so viele andere stolze Bauten. Im Tagebuch von Oskar Knauer heißt es "Da krachen sie nieder: Das Haus, das der Kapferer vor 400 Jahren ausrichtete und schmückte, das der Hans Burger seinen Enkeln und Urenkeln hinsetzte, da bäumen sich ihre lodernden Sparren, das Haus zum Goldenen Ort, zum Spanferkel, zum kleinen Träubel, und in den Kellern der Rebleute zur Sonne und zum Mond verkohlen die Nachfahren."



Chronik: Einsatz der Feuerwehr

Zitate aus dem Einsatzplan der Feuerwehr, der sich im Stadtarchiv befindet:

27.11., 20.55 Uhr:
"Tal- und Glümerstraße; Großbrand, bitte sofortigen Helfer."

27.11., 23.40 Uhr:
"Tal- und Glümerstraße; Brand dehnt sich weiter aus, sofort Einsatz"

27. 11., 23.45 Uhr:
"Dreikönig/Fuchs/Talstraße, Ausgedehnter Brand, Selbstschutzkräfte reichen nicht aus."

28.11., 0.04 Uhr:
Eschholzstr. 76, "Ganz (sic) Stühlinger brennt, einschließlich der Betriebe."

28.11., 0.30 Uhr:
"Telegraphenamt meldet Volltreffer, 70 Pers. verschüttet, 5 Tote geborgen. Erwartet (sic) dringend Hilfe zur Bergung."

30.11., 3.00 Uhr:
"Brände Universität flackern von neuem auf. Bitte um Ablösung. Feuerwehrmänner erschöpft, da keine Verpflegung vorhanden."

01.12., 12.20 Uhr:

"Friedrichstr. 49; im Keller mit Sauerstoffgeräten umgesehen. Hier sollen drei Kinder liegen."

01.12., 12.30 Uhr:
"Im Hause Zasiusstr. 52 Kellerbrand ausgebrochen. Die Anwohner werden nicht Herr über das Feuer. Sofortige Hilfe, da Nachbarschaft gefährdet, dringend erforderlich."

Hintergrund: Die Feuerwehr als Luftschutz-Polizei

Das Reichsinnenministerium hatte mit dem Reichsfeuerlöschgesetz 1938 verfügt, dass die Feuerwehren als "Feuerschutz-Polizei" in den Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD) eingliedert werden.

Von 1942 an wurde die Bezeichnung "Luftschutz-Polizei" eingeführt. Die Freiburger Luftschutz-Polizei bestand 1944 aus 24 Offizieren und 368 Mann (zwei Bereitschaften mit je drei Löschzügen). Jedem Löschzug standen zwei Fahrzeuge zur Verfügung. Die Hitler-Jugendfeuerwehr verfügte über einen Offizier und 67 Mitglieder. Daneben gab es Werksfeuerwehren und weitere Löschgruppen, zum Beispiel bei der Reichsbahn.
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Autor: Carola Schark