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01. September 2016 16:33 Uhr

"Miss Moneypenny" und MVZIR

Zufall führt die Musiker zusammen

Sie sind keine Band, sondern ein Freundeskreis: Die elf bunt zusammengewürfelten Musiker, die jüngst in Kirchzarten und in Gündelwangen für Begeisterung sorgten.

  1. Forever Young - die Schlusshymne verklingt nach dem letzten Akkord beim Konzert von Miss Moneypenny und Musikern vom Zaun in Ruditown. Foto: Wolfgang Scheu

  2. Fana aus dem Münsterland - seit 45 Jahren ist sie das Aushängeschild der Blues Rocker von "Fana & Co". Foto: Wolfgang Scheu

  3. Forever Young - Musiker vom Zaun in Ruditown. Foto: Wolfgang Scheu

  4. Daniela Botos mit der Lizenz zum Groove. Foto: Wolfgang Scheu

  5. Miss Moneypenny und die Musiker vom Zaun in Ruditown Foto: Wolfgang Scheu

  6. Die Frauen von Miss Moneypenny haben viel Spaß beim Wochenende mit den „Musikern vom Zaun in Ruditown“. Foto: Wolfgang Scheu

  7. Olaf Erber von den „Musikern vom Zaun“ kommt am 15. Oktober mit seinem Soloprogramm "Broken English" ins Lamm nach Gündelwangen. Foto: Wolfgang Scheu

  8. Ein Musiker vom Zaun in Ruditown Foto: Wolfgang Scheu

  9. Andreas Cramer - das Bindeglied zwischen Miss Moneypenny und den Musikern vom Zaun: Am 17. September steht er mit dem Duo "Crowson & Cramer" wieder im Lamm auf der Bühne. Foto: Wolfgang Scheu

  10. Ein Musiker vom Zaun in Ruditown. Foto: Wolfgang Scheu

BONNDORF. Wenn sich Musiker aus verschiedenen Bands aus der Oberliga der Profis zusammentun, dann nennt man das heutzutage Supergroup. Die Musiker von MVZIR (Musiker vom Zaun in Ruditown) sind da bescheidener – sie betonen, dass sie keine Band sind, sondern ein Freundeskreis. Und deshalb führt die obligatorische Internetrecherche auch ins Leere.

Statt "MVZIR" wechselt der ach so gescheite Browser auf das türkische Wort "MUZIR" mit gleich sieben Übersetzungen mit Bedeutungen von "schädlich" über "verderblich" bis "skurril". Doch über das Projekt "Musiker vom Zaun in Ruditown" ist auch nach zweimaligem Hören an einem Wochenende nichts Schädliches zu vermelden. Und auch beim Folkrock "mit der Lizenz zum Groove" von den Frauen von "Miss Moneypenny" und ihrer Musik ist nichts festzustellen, was auf befremdende Weise als eigenwillig zu bezeichnen wäre.

Stattdessen gab es zweimal mehr als drei Stunden Musik von Musikern mit unterschiedlichen Backgrounds. Gitarren, Mandoline, Kontrabass, Drums, Mundharmonika, allerlei Schlagwerk und sogar eine Geige waren zu hören, fast alle auch als Sänger am Mikrofon, mal solo, mal gemeinsam mehrstimmig. Gespielt haben sie "nur die guten Songs", wie sie mit einem Augenzwinkern betonen. Die Bandbreite spannte sich über Jahrzehnte mit bekannten und auch weniger bekannten Songs der Stones, Clapton, Neil Young, Lindenberg, The Cure und anderen.

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Bei so vielen großartigen Musikern ist es schon fast unfair, wenn man Einzelne herausstellt. In Erinnerung bleibt trotzdem sicher die markante Blues-Stimme von Fana von "Fana&Co", oder die grandiose Interpretation von John Lennons "Imagine" mit Solo an Gitarre und Gesang von Andreas "Gisi" Cramer.

Kennengelernt haben sich die "Musiker vom Zaun in Ruditown" auf dem Campingplatz beim Welt-Musik-Festival in Rudolstadt, wo sich immer "am ersten vollständigen Wochenende im Juli" um die Tausend Musiker treffen, um Spaß zu haben und Musik zu machen. Nachdem sie "jahrelang die nächtliche Ruhe mit ihrer Musik gestört haben" – mit vielen positiven Reaktionen der Nachbarn, aber auch einer Wasserdusche in die Gitarre von Olaf Erber durch eine erboste Mutter, deren Kinder nicht einschlafen konnten – haben sie an jenem Zaun ihre Heimat gefunden.

Freundschaften ergeben sich oft zufällig. Beim Paddeln in Südfrankreich trafen Andreas Cramer und seine Frau Ute jenen Olaf, beide hatten ihre Gitarren dabei. Nach einem gegenseitigen "Was machst’n Du da?" und einer spontanen gemeinsamen Session öffnete sich der Kreis zu "Miss Moneypenny".

Eigentlich wollten sie am letzten Wochenende das Straßenmusikfestival in Bräunlingen mit ihrer Musik bereichern. Das hat sich irgendwie zerschlagen. Stattdessen hatten sie nun spontan Spaß in Kirchzarten und im Gasthaus Lamm bei den Schmelzles in Gündelwangen, wo einige von ihnen mit ihren eigenen Bands und Projekten schon aufgetreten waren und beste Erinnerungen haben. Auch hier wurde ein Plan spontan umgeworfen. Geplant war ein Lamm-Open-Air im alten Biergarten hinterm Haus. Doch die Kuh von Tierfreundin Jana war hochträchtig und sollte keinem zusätzlichen Stress ausgesetzt werden. Also platzierten sich die Musiker auf der Terrasse vorm Haus, für die Besucher wurde mit Bierbänken auf dem Parkplatz zusätzlicher Platz geschaffen. Glück für die Wanderer und Radfahrer, die so spontan auf das Konzert gestoßen sind.

Mittendrin im Publikum saß dann unter anderem gut gelaunt und voller Begeisterung über das musikalische Ereignis die (fast) komplette Besetzung der Formation "Blosmaschii", die vor einigen Wochen gemeinsame Auftritte mit "Miss Moneypenny" hatten. Musikerfreundschaften verbinden eben und haben Bestand. Am Ende stand wie immer, wenn sie auseinander gehen, die Hymne "Forever Young" von Bob Dylan. Das Publikum war begeistert von dieser speziellen Supergroup und Kuh und Kalb von Lammwirtin Jana haben auch alles unbeschadet überstanden.

Autor: Wolfgang Scheu