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14. November 2017 16:15 Uhr

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10. Herbstakademie der European-Charity-University

Zu ihrer 10. Herbstakademie lud die European-Charity-University (ECU) in das Christophorus Jugendwerk nach Oberrimsingen ein. ECU hat sich mit dem Motto "… die Zukunft ist ethisch" das nicht ganz einfache Ziel gesetzt, den philosophischen Begriff der Ethik ganz handfest in alle lebens- und bildungsrelevanten Bereiche zu übertragen. Neben einem beeindruckenden Referat über die Situation von Frauen und Mädchen in Indien wurde wieder der ECU-Förderpreis vergeben – diesmal an zwei großzügige Spender.

  1. ECU-Förderpreisträger Joachim Glörfeld von der Stiftung Wellenbrecher (links) ) und Peer Saalström-Leyh von der Stiftung Leuchtfeuer spendeten insgesamt 60000 Euro für das Frauenkollege. Foto: Julius Wilhelm Steckmeister

  2. Sister Tessy Charanadu kämpft für die Gleichstellung der Frauen in Indien. Foto: Julius Steckmeister

BREISACH-OBERRIMSINGEN. "Die ECU feiert Jubiläum. Aus einer Idee wurde gute Tradition", begrüßte der Vorsitzende des Vereins, Norbert Scheiwe, die Gäste im Casino des Jugendwerkes, jenem Ort, wo die ECU im Jahre 2004 ins Leben gerufen worden war. Idee der Herbstakademie sei es, ethische Fragen der Gegenwart und Zukunft zu thematisieren, so Scheiwe. In diesem Jahr habe man sich des Themas "Ethik und die Bildungsfrage von Mädchen und Frauen" angenommen. "Das Thema Gleichheit von Frau und Mann dürfte eigentlich kein Thema mehr sein – aber die Wirklichkeit sieht anders aus", stellte Scheiwe fest. Eines der Länder, in dem diese Diskrepanz besonders groß ist, sei nach wie vor Indien, fuhr er fort.



Eine Hochschule für Frauen
Die ECU-Herbstakademie sei seit 2008 das "Kernstück der ECU-Jahresstruktur", ging ECU-Geschäftsführer Eckhart Knab nochmals auf den Verein, seine Gründung und seine Ziele ein. Aus der Aufgabe, "Grundlagen- und Bereichsethik in Lehre und Forschung zu etablieren", hätten sich drei Arbeitsschwerpunkte ergeben: die ECU-Akademien, die Netzwerkarbeit und als jüngstes Projekt das "ECU-College", die Frauenuniversität im indischen Hazaribagh. In Kooperation mit dem Lucy-Hilfswerk, den Holy Cross Sisters India und der Ignou, der weltgrößten Fernuniversität mit Sitz in Delhi, soll eine Hochschule entstehen. Sie sei ausschließlich für Frauen gedacht und soll den Studentinnen ermöglichen, im Rahmen eines viersemestrigen Masterstudienganges ein duales Studium der sozialen Arbeit zu absolvieren, umriss Knab die Idee aus dem Jahre 2014. Mitte dieses Jahres habe man die Zulassung für den Masterabschluss erhalten, freute sich der Redner. "Dies ist eine inhaltliche und soziale Krönung für die Gleichberechtigung in Indien", gab sich Eckhart Knab überzeugt.

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Situation der Frauen in Indien
Von der Realität für Mädchen in ihrem Land berichtete Holy Cross Sister Tessy Churanadu. Obwohl sich spätestens mit Mahatma Gandhi, der sich auch für die Frauenemanzipation starkgemacht hatte, zumindest auf theoretischem und juristischem Sektor vieles in Richtung Gleichberechtigung bewegt habe, sei der Alltag indischer Frauen weiterhin beklagenswert, so die Ordensfrau. Das gelte insbesondere für die sozialschwachen Schichten.

"Discrimination from womb to tomb" sei nach wie vor die Regel, bedauerte Schwester Tessy. Dies werde auf dramatische Weise in der Gewalt gegen Mädchen und Frauen deutlich. Allein im vergangenen Jahr seien zwei Millionen Frauen in Indien ermordet worden. Hinzu kämen Verbrechen wie Vergewaltigung und Verbrennungen. Aber auch im gesellschaftlichen Alltag – von Bildungsmöglichkeiten über ungleiche Bezahlung bis Kinderehe – würden Frauen benachteiligt und unterdrückt. Ausweg aus diesem Dilemma, da ist sich Sister Tessy sicher, ist die Bildung. Nur so würden Frauen in die Lage versetzt, sich selbst aus der Unterdrückung zu befreien. "Frauen-Empowerment beinhaltet eine Stärkung der gesellschaftlichen, politischen und bildungsmäßigen Macht von Frauen", die letztlich auch der indischen Gesamtgesellschaft zugute käme, gab sich die Ordensfrau überzeugt.

Diskussionsforum und Förderpreis
Moderiert von ECU-Vorstand und Quotenmann Emil Hartmann diskutierte anschließend eine reine Frauenrunde, darunter Sister Tessy und Breisachs evangelische Pfarrerin Christiane Drape-Müller, mit dem Publikum über Bildungschancen für Mädchen und Frauen hüben und drüben.

Danach überreichte Norbert Scheiwe den ECU-Förderpreis 2017 an Joachim Glörfeld und Peer Saalström-Leyh. Der Geschäftsführer der Dortmunder Stiftung "Wellenbrecher" und der Stiftungsgründer des Kölner "Leuchtfeuers" hatten insgesamt 60 000 Euro für die Anschubfinanzierung der Frauenuniversität in Indien zur Verfügung gestellt. "Es gibt weltweit viele Möglichkeiten, Fördermittel einzubringen. Die Methode der Hilfe zur Selbsthilfe ist es aber, die uns überzeugte, hier Geld zu implementieren", waren sich die beiden Preisträger in Sachen ECU-College einig.

Autor: Julius Steckmeister