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17. Februar 2015 16:17 Uhr

Für eine Zukunft ohne Atomkraft

200. Mahnwache in Breisach gegen das AKW Fessenheim

Am 11. März 2011 ereignete sich die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima. Knapp fünf Wochen später, am Montag, 18. April 2011, fand auf dem Breisacher Neutorplatz die erste Mahnwache von Kernkraftgegnern statt.

  1. Rund 80 Atomkraftgegner versammelten sich am Montagabend auf dem Neutorplatz in Breisach zur 200. Mahnwache für die Abschaltung des Kernkraftwerks Fessenheim. Foto: Kai Kricheldorff

BREISACH. 200-mal haben sich seither die friedlichen Protestierer aus Südbaden dem Elsass und der Schweiz jeden Montag in der Europastadt getroffen und die Abschaltung des Kernkraftwerks Fessenheim gefordert. Am Rosenmontag feierten sie ihre Jubiläums-Mahnwache – auf dem Neutorplatz und anschließend in der Spitalkirche.

Über 80 Atomkraftgegner aus Deutschland und Frankreich waren dabei. Darunter die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD), die SPD-Landtagsabgeordneten Gabi Rolland und Christoph Bayer, Bürgermeister Henri Stoll aus Kaysersberg (Elsass) und Axel Mayer vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). "200. Mahnwache – wie viele noch?", wurde auf Transparenten gefragt und auch mit Fahnen und Liedern forderten die Menschen die Abschaltung der Atomkraftwerke (AKW), namentlich des Kernkraftwerks Fessenheim auf der anderen Rheinseite.

In alemannischer Mundart erklangen die alten Lieder, mit denen sich die Anti-AKW-Bewegung in den 1970er Jahren Mut bei ihrem legendären Kampf gegen das Kernkraftwerk Wyhl ("Nai hämmer gsait") gemacht hatte.

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Länderübergreifende Freundschaften sind entstanden

Gustav Rosa, Hauptinitiator der Breisacher Mahnwachen, rief dazu auf, ein ernstes Signal für den Ausstieg aus der Atomkraft und den Umstieg auf die Energiewende zu setzen. Rosa dankte den Mitstreitern für ihren Einsatz und betonte, dass bei den Mahnwachen während der vergangenen vier Jahre viele Freundschaften über Landesgrenzen hinweg entstanden seien. Heute, so Rosa, stelle sich nicht mehr die Frage, ob Fessenheim abgeschaltet, sondern wann es vom Netz genommen werde.

Anschließend trafen sich die Kernkraftgegner in der Spitalkirche. Dort wurde, unter anderem vom Breisacher Bürgermeisterstellvertreter Lothar Menges die Leistung von Gustav Rosa als "unermüdlicher Motor der Breisacher Mahnwachen" gewürdigt.

Ein Grußwort sprach Bürgermeister Henri Stoll aus Kaysersberg, der auch Mitglied des Generalrats der Region Oberelsass ist. "Ein Atomkraftwerk, das kaputtgeht, macht uns kaputt", warnte der seit 40 Jahren im Anti-Atom-Protest aktive Grünen-Politiker.

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium und SPD-Bundestagsabgeordnete aus Waldshut-Tiengen, erinnerte daran, dass radioaktive Abfälle aus den Kernkraftwerken für die Dauer von einer Million Jahren sicher unter Verschluss gehalten werden müssen.

"Das sind 33 000 Generationen. Das ist nicht zu verantworten", sagte die Politikerin. Für sie stellten AKW kein theoretisches Risiko, sondern eine reale Bedrohung dar, sagte die Staatssekretärin und forderte einen generellen Verzicht auf die zivile und militärische Nutzung der Atomenergie.

Termin: Am Montag, 23. Februar, 18 Uhr treffen sich die die AKW-Gegner auf dem Neutorplatz zu ihrer nächsten Mahnwache.

Autor: Kai Kricheldorff