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25. Juni 2014 18:35 Uhr

Engel-Lichtspiele

Das Breisacher Kino ist gerettet – Stadt gewährt Zuschuss

Die Zukunft der Engel-Lichtspiele ist geklärt. Die Stadt finanziert das 70.000 Euro teure digitale Vorführgerät – ab September werden voraussichtlich wieder die ersten Filme gezeigt.

  1. Ein digitaler Projektor, wie es ihn bereits im Kino in Schopfheim gibt, kann jetzt auch für die Breisacher Engel-Lichtspiele bestellt werden. Foto: André Hönig

Der Breisacher Gemeinderat beschloss am Dienstagabend in seiner jüngsten Sitzung in Niederrimsingen, dem Kommunalen Kinoverein Breisach (Koki) für den Kauf eines digitalen Kinoprojektors einen Zuschuss in Höhe von 21.000 Euro zu gewähren. Außerdem finanziert die Stadt die gesamte Investition in Höhe von rund 70.000 Euro vor.

Nach Angaben von Bürgermeister Oliver Rein gibt es die Engel-Lichtspiele in Breisach bereits seit 1920. Im Mai 2014 hatten die Kinobetreiber, die Familie Mattheis, die letzten Filme gezeigt, weil sie die Technik nicht mehr von analog auf digital umstellen wollten. Allerdings habe die Familie Mattheis schnell signalisiert, dass sie eine Weiterführung des Kinos auf jeden Fall unterstützen würden.

"Schon bald nach der Schließung war in Breisach eine Pro-Kino-Stimmung zu spüren", betonte der Bürgermeister. Mit Hilfe der Volkshochschule sei es gelungen, einen Verein zu gründen, der die Engel-Lichtspiele als Kommunales Kino weiterbetreiben wolle. "Jetzt gilt es, die nächste Hürde zu nehmen, die Digitalisierung, ohne sie geht es nicht. Man kann nicht immer nur alte Filme zeigen", fügte Rein hinzu.

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Der Kommunale Kinoverein hat schon 265 Mitglieder

Das neue, digitale Spielgerät koste rund 70.000 Euro. Falls der neue Projektor nicht bis Ende August eingebaut sei, verliere man einen Zuschuss des Bundes in Höhe von rund 8500 Euro, sagte der Rathauschef. Erfreulich sei, dass bereits Spenden in Höhe von 13.000 Euro bei dem Verein eingegangen seien. Außerdem werde wohl auch der Lions Club das Projekt finanziell fördern. Einem alten Grundsatz zufolge schlug Rein eine Drittelung der Kosten vor: ein Drittel die Stadt, ein Drittel über Spenden und ein Drittel der Verein Koki.

Felix Häring leitet nicht nur die Breisacher Volkshochschule, er ist auch Vorsitzender von Koki. Den Gemeinderäten konnte er die gute Nachricht überbringen, dass es in den vergangenen drei Monaten gelungen sei, bereits 265 Mitglieder zu gewinnen. "Es gibt in Breisach eine breite Öffentlichkeit, die die Weiterführung des Kinos will", betonte er. Mittlerweile gebe es keine Kopien mehr von aktuellen Filmen, die man mit der alten Technik zeigen könne. Ein digitaler Projektor sei daher zwingend notwendig für das Überleben des Kinos.

Applaus für einstimmiges Votum des Gemeinderats

Laut Häring heißt der Verein zwar Kommunales Kino, es würden jedoch nicht in erster Linie alternative Streifen gezeigt, sondern auch unterhaltsame und kulturell anspruchsvolle. Hinzu sollen Dokumentationen und Filmbesprechungen kommen. Ein Schwerpunkt werde auf europäischen Filmen liegen. Geplant sei, sich auch an den Schulkinowochen des Landes zu beteiligen und eventuell mit dem Casino Jugendclub in Breisach zusammenzuarbeiten.

Der laufende Betrieb muss finanziert werden

"Die Digitalisierung und der Pachtvertrag müssen nun umgesetzt werden, sonst bekommen wir den Zuschuss von der Filmförderungsanstalt des Bundes nicht", betonte Häring. Auf Nachfrage der Badischen Zeitung erläuterte er, dass die Filmförderungsanstalt bis zu 15 Prozent der Investitionskosten für den Projektor, den Server und die Installation übernehme. Er rechne mit einem Zuschuss zwischen 6000 und 8500 Euro. Die Wiedereröffnung der Engel-Lichtspiele sei für den September geplant, eventuell werde man aber schon in den Schulferien Kinder- und Jugendfilme zeigen, auch um Erfahrungen im Umgang mit der neuen Technik zu sammeln.

Wie auch Rein erklärte Häring, dass die laufenden Kosten des Kinos nicht von der Stadt, sondern von dem Verein getragen werden müssen. "Nur wenn sich das Vorhaben finanziell rechnet, wird es einen dauerhaften Kinobetrieb in Breisach geben", stellte er klar. Erste Überlegungen zu einem Haushaltsplan würden jedoch Anlass zu Optimismus geben. Es sei durchaus möglich, über Eintrittsgelder, Spenden, eventuelle Zuschüsse und die Mitgliedsbeiträge des Vereins die laufenden Aufwendungen zu decken.

Alle Fraktionen des Breisacher Gemeinderates sprachen sich für den Weiterbetrieb der Engel-Lichtspiele und den Zuschuss der Stadt aus. Das Kino stelle ein wichtiges Kulturgut dar. Angeregt wurde, dass auch die Jugend einbezogen wird. Das einstimmige Votum des Gremiums quittierten die zahlreichen Besucher der Gemeinderatssitzung mit Applaus.

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Autor: Gerold Zink