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27. Februar 2010
Eine spannende Reise in die Kindheit
1938 musste Heinz Levi aus Deutschland fliehen /Jetzt besuchte er mit seiner Familie Breisach.
BREISACH (vic). Eine Reise in die Vergangenheit wurde für Heinz Levi sein Besuch in Breisach. 1938 musste der Deutsche jüdischer Abstammung mit seiner Familie aus Nazi-Deutschland fliehen. Jetzt besuchte er Breisach wieder.
Heinz Levi lebt seit den 50er Jahren in London. Dieser Tage kam er auf Anregung seines Sohnes Russell mit einem Großteil seiner Familie in die Münsterstadt.
"Der Kontakt zur Familie Levi war vor 9 Jahren im Rahmen eines vom Blauen Haus initiierten Projektes zur Erinnerung an die Deportation entstanden", erzählt Christiane Walesch-Schneller, Vorsitzende des Fördervereins ehemaliges jüdischen Gemeindehaus (Blaues Haus). Beim jetzigen Besuch wollte Levi seinen drei Kindern und den sieben Enkeln die Wurzeln der Familie zeigen. "Henry Levi erzählte aus seinen Erinnerungen mehr als es sonst in seiner Familie üblich ist", freute sich Walesch-Schneller.
Der 1931 in Deutschland geborene Heinz Levi hatte in seiner Kindheit oft seine Großeltern besucht, die in Breisach am Kupfertorplatz wohnten. Er könne sich immer noch gut an die damalige Zeit erinnern, erzählt er. Glücklicherweise gelang es der Familie durch das Geschick des Vaters, während der Nazidiktatur nach Rhodesien, dem heutigen Simbabwe, zu fliehen.
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Der Besuch in Breisach war für die gesamte Familie Levi sehr bewegend. "Besonders wichtig war ihnen die Begegnung mit Breisacher Schülern und Schülerinnen, die häufig bei Projekten des Blauen Hauses mitwirken", erzählt die Vorsitzende des Fördervereins.
Nach ihrer Ankunft traf sich die ganze Familie im Blauen Haus, um sich von Walesch-Schneller den Heimatort der jüdischen Großeltern Levi zeigen zu lassen. Der Spaziergang führte zum Synagogenplatz und zum alten jüdischen Friedhof, auf dem eine Vorfahrin der Familie begraben liegt. Wegen der Sabbatruhe konnte das Grab allerdings nur vom Tor aus betrachtet werden.
"Einige Details der Familiengeschichte waren allen, einschließlich Heinz Levi, neu. In seiner Kindheit ging es nämlich vor allem darum, wie sich die Familie aus Nazideutschland retten konnte", erklärte Walesch-Schneller.
Besonders berührte die Familie, dass trotz des strengen Verbots weiter Gottesdienste im jüdischen Gemeindehaus abgehalten wurden. Da die örtliche Synagoge bereits zerstört war, fanden die Treffen der Gemeinde im eigens eingerichteten Betraum im heutigen Blauen Haus statt. Als schließlich die jüdischen Männer aus Breisach nach Dachau deportiert worden waren, übernahmen die Jugendlichen die Leitung der Gottesdienste.
Vor der Abreise ging Heinz Levi mit seinen Kindern auf den neuen jüdischen Friedhof, auf dem viele seiner Vorfahren begraben sind. Raphael Levi, sein Onkel, der aus der Emigration 1948 nach Breisach zurückkam, ist einer davon.
Alle Familienmitglieder äußerten sich sehr zufrieden über ihren Besuch. "Sie empfanden ihn als große und unerwartete Bereicherung ihres Lebens", sagte Walesch-Schneller.
Autor: vic
