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24. Oktober 2013 18:19 Uhr

Vortragsreihe des Seniorennetzwerks Kaiserstuhl-Tuniberg

Leben und Wohnen im Alter

Welche Fragen verbinden sich mit Wohnen in einer zunehmend älter werdenden Bevölkerung? Welche Wohnformen kommen in Betracht? Diese Fragen behandelt eine Vortragsreihe des Seniorennetzwerks Kaiserstuhl-Tuniberg.

  1. In einem Alterssimulationsanzug testete die junge Frau, wie sich Bewegungsfähigkeit und Wahrnehmung reduzieren. Foto: Kai Kricheldorff

BREISACH. Beim Auftakt in Breisach waren rund 30 Interessierte in den Gemeindesaal St. Hildegard gekommen, um sich zu informieren.

Die Gerontologin Professor Cornelia Kricheldorff von der Katholischen Hochschule in Freiburg zeigte eingangs die prognostizierten demographischen Entwicklungslinien für die kommenden Jahrzehnte auf. "Die mittlere Generation, also Menschen, die im Erwerbsleben stehen, wird zahlenmäßig weniger, ihre Bedeutung innerhalb der Gesellschaft wird beträchtlich zunehmen, denn sie muss den Aufwand für die immer stärker belasteten sozialen Sicherungssysteme erwirtschaften", sagte Kricheldorff.

Auch für die Stadt Breisach wartete die Gerontologin mit demographischen Prognosen auf, die auf einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung und des Statistischen Landesamtes basieren. Danach gilt Breisach in Bezug auf die Einwohnerentwicklung als "stabile Kommune" mit einer vergleichsweise jungen Bevölkerung, die über eine überdurchschnittliche Kaufkraft verfügt. Sie weist ein hohes Pendlerverhalten auf. Hinzu kommt eine günstige Haushaltssituation. Für die nächsten Jahre muss aber mit einem erheblichen Anwachsen des hochbetagten Bevölkerungsteils (80 plus) in Breisach gerechnet werden, die Zahl der älteren Mitbürger wächst. "Diese Entwicklung muss Konsequenzen für künftige Pflege alter Menschen und das Leben und Wohnen im Alter haben", betonte die Gerontologin. Heute leben 2,5 Millionen pflegebedürftige Menschen in Deutschland, für 2030 aber wird mit 3,4 Millionen Pflegebedürftigen gerechnet und bis 2050 erhöht sich diese Zahl auf bis zu 4,4 Millionen, schätzen die Fachleute. Bei einem gleichzeitigen Rückgang der Gesamtbevölkerung. "In Zukunft wird es mehr Alleinstehende, mehr Erwerbstätige und mehr Patchwork-Familien geben und die räumliche Entfernung, die Menschen von ihren Angehörigen trennt, wird zunehmen", so Professor Kricheldorff.

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"Barrierefreies Wohnen

muss das Ziel sein"

Gernot Wolfgang
Um auf diesen Wandel zu reagieren, bedürfe es einer Vielzahl von abgestimmten Angeboten und Strukturen, die auf Selbsthilfe und gegenseitige Unterstützung gründen. Umfragen bei alten Menschen belegen, dass diese möglichst lange in ihrer angestammten Wohnung bleiben möchten und, dass sie, wenn nötig, ihre Wohnsituation selbständig verändern wollen.

Um diese Ansprüche zu erfüllen, müssen Zukunftsmodelle für Lebens- und Wohnformen alter Menschen überlegt werden. Zur Bewältigung dieser Herausforderung seien neue Formen des Zusammenlebens sowie nachbarschaftliche Unterstützungsstrukturen notwendig.

Im zweiten Teil des Vortragsabends stellte Gernot Wolfgang aus Freiburg Möglichkeiten der Wohnraumanpassung vor. So können älter werdende Menschen mehr Komfort erhalten und länger in ihrer Wohnung bleiben. "Generationenfreundliches, barrierefreies und nachhaltiges Wohnen müssen Ziele beim Wohnungsneubau und bei der Altbausanierung sein", sagte Wolfgang. Sein Verein berät Mieter und Wohnungsbesitzer zur baulichen Anpassung, veranstaltet aber auch Workshops für Unternehmen und Firmen des Bauhandwerks, damit diese gezielter auf die Bedürfnisse älterer Menschen eingehen können. Geringe Bewegungsflächen, ungünstige Möblierung, schlechte Beleuchtung, zu schmale Türen sowie im Sanitärbereich fehlende Handgriffe, zu hohe Duschtassen und unpassende WC-Höhen erschweren das Wohnen und müssen oftmals nachträglich angepasst werden.

Am Rande seines Vortrags bat Gernot Wolfgang eine Zuhörerin, den von ihm mitgebrachten Alterssimulationsanzug anzulegen. Die junge Frau streifte eine 30 Kilo schwere Bleiweste über, legte eine Halskrause und mit Gewichten beschwerte Verbände an Arm-, Hand- und Fußgelenken an, setzte Kopfhörer und Brille auf, um ihr Seh- und Hörvermögen zu vermindern und demonstrierte, wie sich Bewegungsfähigkeit und Wahrnehmung im Alter verändern und reduzieren.

"Produktentwickler, Architekten und Planer sind oft junge Leute. Um sich in die Lebenswelt alter Menschen einzufühlen und deren Bedürfnisse besser einschätzen zu lernen, dabei kann dieser Anzug helfen", sagte Gernot Wolfgang.

Information und Kontakt: Beratungsstelle für ältere Menschen und deren Angehörige; Telefon 07667/90 48 99 ; E-Mail beratung-senioren@gmx.de

Weitere Vorträge des Seniorennetzwerks Kaiserstuhl-Tuniberg zum Thema "Leben und Wohnen im Alter" mit den beiden Referenten finden am Dienstag, 5. November, im Saal der WG Oberrotweil, am Dienstag, am 11. November, im Katharina-Mathis-Stift, Rittgasse 5 a in Merdingen sowie am Dienstag, 3. Dezember, in Aula der Neunlindenschule in Ihringen statt. Beginn ist jeweils um 19 Uhr.

Autor: Kai Kricheldorff