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08. Dezember 2017

Werben für Schlutenlösung

Die Landtagsabgeordnete Gabi Rolland besuchte die Bürgerinitiative für eine verträgliche Retention.

  1. Gut gelaunt trotz gegensätzlicher Ansichten beim Thema Retention: (von links) Birte Könnecke und die Landtagsabgeordnete Gabi Rolland sowie Lothar Neumann, Karl-Anton Hanagarth, Frank Siebenbürger und Breisachs Bürgermeisterstellvertreter Lothar Menges. Foto: Julius Steckmeister

BREISACH. Für den Polder "Kulturwehr Breisach" sind die Bauarbeiten in vollem Gange. Für den Hochwasserrückhalteraum Breisach/Burkheim läuft noch das Planfeststellungsverfahren. Unter anderem müssen rund 4500 Einwendungen von Bürgern abgearbeitet werden. Wie bürgernaher Hochwasserschutz in ihren Augen aussehen könnte, erläuterten die Verantwortlichen der Bürgerinitiative für eine verträgliche Retention (BI) und Vogtsburgs Bürgermeister Benjamin Bohn den SPD-Politikerinnen Gabi Rolland (MdL) und Birte Könnecke (Kreisrätin).

Ja zum Hochwasserschutz
Es gehe keinesfalls darum, das "wichtige Thema Hochwasserschutz" ignorieren zu wollen, Ziel sei jedoch, "das Geplante für die Bürger so verträglich wie möglich" umzusetzen, betonte Bürgermeister Bohn. Für die Rückhalteräume gebe es zwei Betriebszustände – die Hochwasser-Flutung und die ökologische Flutung. "Mit Letzterer können wir uns nicht anfreunden", so Bohn. Regelmäßige, künstliche Einstauungen hätten zum einen zur Folge, dass der Rheinwald als Naherholungsgebiet für Einheimische wie Gäste wegfalle. Zum anderen wirke sich der damit verbundene Anstieg des Grundwassers negativ auf Ortsrandlage und Landwirtschaft aus. Während sich für die Verlegung der im Polderraum befindlichen Sportanlagen des SV Burkheim eine Alternative abzeichne, sei für Angel- wie Motoryachtsportverein keine Lösung in Sicht. "Die ökologische Schlutenlösung plus ist ein Vorschlag, für den man sich auf politischer Ebene starkmachen sollte", schloss Bohn.

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Fließendes statt stehendes Wasser
BI-Vorsitzender Lothar Neumann informierte über den Polderraum "Kulturwehr". Große Veränderungen hätten die Bauarbeiten an insgesamt vier Durchlassbauwerken, sieben Brücken und die Ausbaggerung von vorhandenen Rheinseitenarmen mit sich gebracht. Hinzu kämen drei Dutzend Grundwasserhaltungsbrunnen in Breisach und Hochstetten sowie etliche Umbauten an den Breisacher Sportanlagen samt der Verlegung des Reit- und Fahrvereinsgeländes. Immerhin habe man erreicht, dass die geplanten Flutungen statt an durchschnittlich 65 nur noch an 20 Tagen im Jahr stattfinden sollen, freute sich Neumann. Faktisch würden die Sperrungen des Rheinwalds jedoch deutlich länger dauern, ergänzte Karl-Anton Hanagarth von der BI.

Anstelle flächiger Überflutungsbecken könnten, so der Alternativvorschlag für den Polder Breisach-Burkheim, die alten Rheinseitenarme, die Schluten, wieder geöffnet werden und das Hochwasser über diese Fließpolder abfließen, erläuterte Neumann. Auf künstliche Flutungen solle gänzlich verzichtet werden.

Skepsis und Zustimmung
Ziel der ökologischen Flutungen sei "der Umbau der Fauna und Flora in Richtung wasserliebend", führte Gabi Rolland aus. Diese Aufwertung der Landschaft sei auch als ökologische Ausgleichsfläche für die mit dem Hochwasserschutz verbundenen Eingriffe vorgesehen, erläuterte die Abgeordnete. Diesen Ausgleich vermisse sie bei der Schlutenlösung.

Skepsis am Gelingen des Naturumbaus hat hingegen BI-Vorstandsmitglied Frank Siebenbürger. So sei im bereits seit 20 Jahren in Betrieb befindlichen Polder Altenheim noch immer kein Auenwald entstanden. Zugleich unterstrich er den ökologischen Wert von Fließgewässern. Ob diese nicht sogar der bessere ökologische Ausgleich wären, werde derzeit im Auftrag der BI wissenschaftlich untersucht, so der Forstwissenschaftler. Siebenbürger bekundete sein Erstaunen darüber, dass der Naturumbau, für den im Polder "Kulturwehr" zunächst 65 Flutungstage veranschlagt worden waren, nun auch mit 20 funktionieren soll. "Das stärkt nicht gerade das Vertrauen in die Berechnungen des Regierungspräsidiums."

Tiere könnten "absaufen"
Wenig Vertrauen hat Birte Könnecke in die geplanten Wildschutzmaßnahmen wie Fluthügel und -dämme. Viele Tiere würden schlicht "absaufen", befürchtet die Tierärztin. "Für mich sind Ihre Argumente nachvollziehbar", bekannte sie sich zu den Zielen der BI. Bohn und die BI bedauerten zudem, dass Umweltminister Franz Untersteller bisher keiner der Einladungen zum Vorort-Termin gefolgt sei. Rolland versprach, sich über den Vergleich Schlutenlösung zu ökologische Flutungen zu informieren. Bisher habe sie die ökologischen Flutungen "für eine sehr sinnvolle Einrichtung" gehalten.

Autor: Julius Steckmeister