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18. September 2009

Marke "Echt Schwarzwald" soll Schwarzwälder Bauern helfen

Eine neue Marke wirbt bei Landwirten im Hochschwarzwald: Qualität ist Trumpf

  1. Milchbauernprotestes bei St. Märgen: Könnte die Marke „echt Schwarzwald“ eine Alternative darstellen? Foto: eva korinth

HOCHSCHWARZWALD. Eine neue Marke mit dem Namen "Echt Schwarzwald – Qualität und Genuss" soll heimischen Landwirten mehr Geld für ihre Erzeugnisse bieten. Klaus Binder, Geschäftsführer der Vermarktungs-GmbH, und der Berater für landwirtschaftliche Vermarktung, Fridolin Koch, stellten Konzept und Logo in Breitnau vor. Als Chance sehen sie, dass teilnehmende Erzeuge nur aus den Schwarzwald kommen dürfen und die Landwirte ihre Produkte nicht mehr aufwändig selbst vermarkten müssen.

Fridolin Koch erläuterte 20 Anwesenden das Konzept anhand des Beispiels Rindfleisch. Hervorstechen sollen die Produkte vor allem durch ihre hohe Qualität, für die auch ein entsprechend höherer Preis verlangt wird. Ob sie biologisch oder konventionell hergestellt werden, spielt keine Rolle, allerdings müssen alle Betriebe auf Gentechnik verzichten und dies auch nachweisen können. Regelmäßige Kontrollen sollen die Qualität sichern. Vermarktet werden soll das Fleisch vor allem über Metzger und Gastronomen, zu denen die Vermarktungs-GmbH die Verbindung herstellt. Auch die Vernetzung unter den Erzeugern soll verbessert werden, etwa über eine Lebendviehbörse, so dass Mutterkuh- und Weidemastbetriebe Hand in Hand arbeiten können. Kommen in einem Gebiet genügend interessierte Landwirte zusammen, kümmert sich Geschäftsführer Binder um regionale Schlachtmöglichkeiten, denn das Ziel sind möglichst kurze Wege.

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Damit die Produkte garantiert nur aus dem Schwarzwald kommen, gelten strenge Kriterien. So müssen etwa Kälber hier geboren sein, damit nicht Tiere aus anderen Gebieten erst kurz vor dem Schlachten eingeführt werden. Derzeit sind mehrere Rassen erlaubt, längerfristig will man sich auf Vorder- und Hinterwälder beschränken, um den regionalen Charakter des Fleischs noch zu stärken. Denn laut Koch haben Verbraucherbefragungen gezeigt, dass sie auf Ursprünglichkeit großen Wert legen, ebenso wie auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit. Deutlich geworden sei auch, dass derselbe Konsument oft sowohl in Billig- als auch auf Bauernmärkten einkauft. "Discount und Hochqualität sind kein Widerspruch mehr, das findet in einer Person statt."

Ein ganz gemischtes Meinungsbild
Als Vorteil für die beteiligten Landwirte sieht Berater Koch, dass sie ihre Produkte nicht mehr aufwändig selbst vermarkten müssen, auch wenn sie es weiterhin zusätzlich dürfen. Und, dass die GmbH dafür sorgt, dass nicht nur Filetsteaks, sondern das ganze Tier zu einem guten Preis verkauft werden kann. Derzeit erhalten die Mitglieder 15 Prozent mehr als für normales Schlachtvieh, auf Dauer soll noch mehr erlöst werden.

Vor einem Jahr wurde "Echt Schwarzwald" in der Ortenau gegründet; nach dem Nordschwarzwald soll nun der Südschwarzwald mit einbezogen werden. Derzeit sind Rind-, Lamm- und Ziegenfleisch, Honig und Edelbrände im Sortiment, weitere Produkte sollen folgen. Sie sollen regional und auch überregional vermarktet werden. Dem Zusammenschluss gehören derzeit 78 Erzeuger, acht Metzger, einige Gastronomen und 27 Gemeinden an. Ziel ist es, rund 300 Landwirte zusammen zu bekommen, um die nötige Schlagkraft zu erhalten und Metzger wie Gastronomen ganzjährig verlässlich beliefern zu können. Unterstützt wird die Marke von den Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord und Südschwarzwald etwa mit Naturpark-Bauernmärkten. Der Landkreis fördert die Infoveranstaltungen und die Planung, nicht aber die Vermarktungsarbeit der GmbH.

Breitnaus Bürgermeister Josef Haberstroh, Günther Heckmann vom Landwirtschaftsamt und Roland Schöttle vom Naturpark warben fürs Mitmachen, denn nur der Schwarzwald als Ganzes könne sich am Markt eine starke Position verschaffen. Schöttle: "Wir brauchen jetzt entschlossene Leute, die nicht warten bis irgendwann in fünf Jahren. Ich sehe mehr Chancen als Risiken."

Unterschiedliche Reaktionen


Viele Zuhörer teilten diese Meinung, einige waren aber auch skeptisch. Christian Riesterer, Landwirt und Gemeinderat, meinte: "Wir haben schon so viel gemacht", gebracht habe es meist nichts. Als Beispiel nannte er die neue, hochwertige "Weidemilch", die derzeit für 69 Cent verschleudert werde. Auf den Flaschen ist neuerdings auch das Logo "echt Schwarzwald" abgedruckt, wovon viele Zuhörer angesichts des Preises nicht begeistert waren; dies sei kontraproduktiv.

Ihm und anderen Skeptikern versicherten Koch und Binder, die Nachfrage sei da, könne aber noch gar nicht befriedigt werden. Landwirt Nikolaus König meinte, es sei viel Arbeit und koste Geld, die neue Marke bekannt zu machen, aber sie sei auch eine Chance. Sein Kollege Hans-Jörg Löffler fand, auf Qualität und Ehrlichkeit zu setzen, sei das einzig Richtige. Auf Anregung der Zuhörer will Binder für Interessierte Betriebsführungen bei Mitgliedern organisieren.

Autor: Alexandra Wehrle