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20. März 2010

Bürgerschaftliches Engagement: Freiburg als Vorbild

Die Gesellschaft der Zukunft wird bürgerschaftliches Engagement mehr denn je brauchen.

800 000 Euro. Das ist die Summe, die Bürgerinnen und Bürger für die Sanierung des Freiburger Augustinermuseums gespendet haben. Ein stolzes Ergebnis. Und ein gutes Zeichen für funktionierenden Gemeinsinn. Die Gesellschaft wird davon in Zukunft noch mehr brauchen. Bürgerschaftliches Engagement wird in Zeiten staatlicher Schuldenberge zu einer wichtigen Säule des Gemeinwesens werden müssen.

Freiburg war schon immer ein gutes Beispiel, aber eben auch nicht die Norm. In der schon früh jenseits feudaler Strukturen gewachsenen Stadt entwickelte das Bürgertum nicht nur Selbstbewusstsein, sondern auch Sinn für die mit den gewonnenen Freiheiten verbundenen Pflichten. Beispiel Münsterbau, Beispiel Bürgerstiftungen, Beispiel frühe Theatergründung: bürgerschaftliches Engagement nicht als Kür, sondern als gemeinsame Aufgabe. Gut möglich, dass ein solcher Ansatz durch die Herausbildung des modernen Staatswesens, bei dem die von allen bezahlten Steuern alle öffentlichen Aufgaben abzudecken scheinen, in den Hintergrund gedrängt worden ist. An die Stelle des Bürgersinns trat die öffentliche Hand, an die der bürgerlichen Eigenständigkeit die staatliche.

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Es kann nicht daran gezweifelt werden, dass dieses System nationaler Steuern in Zeiten, wo auch mehr Macht nach Brüssel verlagert wird, notwendig ist. Auch Steuern abzuschaffen und durch freiwillige Bürgerabgaben adäquat zu ersetzen, bleibt Utopie, weil es so etwas wie ein Gemeinwohl-Gen unterstellt. Andererseits darf die Demokratie als einzige Staatsform, die es immer wieder zu erlernen gilt, den Bürgern ein erhöhtes Maß an Entwicklungsfähigkeit abverlangen. Der desolate Zustand der öffentlichen Haushalte wiederum ist eine solche Lernherausforderung. Wie kann sich ein sozial und kulturell hoch entwickeltes Gemeinwesen über strukturelle Krisen hinweg auf einem Niveau organisieren, das zumindest keine drastischen Einschnitte bis hin zum allzu oft in der öffentlichen Debatte strapazierten "Kahlschlag" fordert?

Eine Antwort hierauf wird im verstärkten bürgerschaftlichen Engagement zu finden sein. Besonders bei jenen Aufgaben, die die öffentliche Hand als freiwillig definiert. Schon heute stünde manches Stadttheater ohne Unterstützung der Bürger vor der Schließung. Auch hier ist Freiburg mit Theaterfreunden und -stiftung Vorbild. Freilich, der Wettbewerb der Vereine und Stiftungen um Gunst und Geld der Bürger vollzieht sich im Spannungsfeld von Gemein- und Eigensinn.

Es bedarf also nach wie vor der staatlichen Begleitung. Eine Enquete-Kommission des Bundestags hat dazu schon 2002 in einem mehrere hundert Seiten umfassenden Papier Handlungsempfehlungen gegeben. Eine zentrale Empfehlung besteht sicher in der Erweiterung der Handlungsrechte der Bürger: Wer sich engagiert, sollte auch Mitverantwortung tragen dürfen.

Autor: Alexander Dick