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24. Juli 2010
Flaschenaufzucht im neuen Katzenhaus in Buggingen
Stubentiger brauchen Liebe: Der Tierschutzverein Markgräflerland hat ein neues Katzenhaus eingerichtet.
MARKGRÄFLERLAND. Der Tierschutzverein Markgräflerland hat in Buggingen ein Katzenhaus eingerichtet. Das Einweihungsfest fällt aber aus, um die Bewohner zu schonen. Asyl gefunden hat hier auch "Grace". Sie ist rabenschwarz, intelligent, elegant und total verschmust. "Ich verstehe nicht, dass niemand so ein Kätzchen vermisst", sagt Anja Roth, Vorsitzende des Tierschutzvereins Markgräflerland.
Die aktiven Vereinsmitglieder hätten zwar ein Fest verdient. Schließlich haben sie das marode, zugemüllte Häuschen, das der Verein günstig erworben hat, ehrenamtlich gereinigt, desinfiziert und mit Hilfe "großzügiger Handwerksfirmen" umgebaut. Aber die Bewohner, die sich hier erholen von Aussetzung, Krankheit und dem Verlust ihrer Familien, brauchen Zeit, um wieder Vertrauen zu finden. Fremde Menschen im Haus bedeuten Stress für die Katzen. Sie sei aber gerne bereit, interessierte Tierfreunde in Kleingruppen nach Voranmeldung durchs Haus zu führen, sagt Roth.Die Vorsitzende hat beim Veterinäramt alle Prüfungen für den sogenannten "Sachkundenachweis zum Führen einer tierheimähnlichen Einrichtung" erfolgreich abgelegt. Inzwischen sind im Erdgeschoss das Freigehege und im Obergeschoss der Balkon ausbruchsicher eingezäunt. Aber es gibt noch viel zu tun im Bugginger Katzenhaus. Die elektrischen Öfen kosten viel Strom und der Wunsch, Sonnenenergie zu nutzen, muss derzeit wegen der Finanzen noch warten.
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Die Kätzchen gehen vor. Zur Zeit zieht Anja Roth vier Katzenbabys, deren Mutter wegen einer Operation keine Milch hat, mit der Flasche auf – Tag und Nacht alle zwei bis vier Stunden. Es sei bereits die dritte Flaschenaufzucht in Folge, sagt die berufstätige Ersatzmutter. An Schlaf sei kaum zu denken. Doch sie habe einen tollen Chef, der ihr erlaube, die Kätzchen zur Arbeit mitzubringen. Die Aufzuchtmilch, die fünf Wochen lang notwendig ist, kostet je Kätzchen 150 Euro. Hinzu kommen Tierarztkosten, denn jedes Kätzchen wird entwurmt, entlaust, geimpft und dann gegen einen Schutzvertrag abgegeben, der den Besitzer zur Kastration verpflichtet. Erwachsene Tiere werden nur kastriert und tätowiert abgegeben.
Das Katzenhaus hat zwei Etagen mit mehreren Zimmern, um die ängstlichen von den wilden und den kranken Tieren zu trennen. Zur Zeit leben im Domizil neun erwachsene Samtpfötchen im Erdgeschoss. 14 Kätzchen, die drei bis neun Wochen alt sind, dürfen sich im Obergeschoss austoben. Eine Katzenmutter mit fünf Jungen stammt aus Kenzingen. Dort hatte eine psychisch kranke Frau in einer Wohnung mit zwei Zimmern 84 Katzen und 30 Junge gehalten. Solidarisch haben mehrere Tierschutzvereine Südbadens die gestressten Tiere aufgenommen.
Angst und bange wird Anja Roth immer vor den Sommerferien, weil dann viele Kleintiere ausgesetzt werden. Dieses Jahr habe das schon vor den Ferien begonnen. In Neuenburg wurde der Dackelmix "Schröder", ein achtjähriger Hund, aufgelesen. Und im Katzenhaus haben neben etlichen Fundkätzchen auch zwei kleine Hasen und acht Meerschweinchen vorübergehend Asyl gefunden. Das Katzenhaus ist kein Tierheim, sondern eine Fund- und Notfallstation für die kurzzeitige Unterbringung von Kleintieren. Ohne ihre sechs "Streichelfrauen", die im täglichen Wechsel mit den Stubentigern schmusen, wäre die Arbeit nicht machbar, sagt Anja Roth. Süße Kätzchen finden eher ein neues Zuhause. Es warten aber auch ältere Miezen auf Menschen, denen sie schnurrend um die Beine streichen können. Die Schutzgebühr für die Abgabe deckt bei weitem nicht die Kosten. Der Tierschutzverein ist auf Spenden angewiesen. Weil man vom Ehrenamt nicht leben kann, ist Anja Roth berufstätig und daher nicht immer direkt – jedoch über den Anrufbeantworter – erreichbar unter Tel. 07631/13505.
Autor: Sigrid Umiger
