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26. Januar 2015

Landwirte wollen mitreden dürfen

Bauernverband lädt den Gemeinderat Buggingen zum Austausch ein / BLHV moniert den Ausschluss beim Gespräch mit der Bahn.

  1. Sekt und Informationen darüber, was die Landwirte bewegt, bekamen die Bugginger Gemeinderäte im Hofladen Schopferer. Foto: Sigrid Umiger

BUGGINGEN. Seit der Kommunalwahl sind fünf der 14 Gemeinderatsmitglieder am Bugginger Ratstisch neu im Gremium. Für Hermann Ritter, den Ehrenvorsitzenden des BLHV-Kreisverbandes, war dies der Anlass, Bürgermeister Johannes Ackermann und das Gremium zu einem informativen Blick hinter die Kulissen landwirtschaftlicher Betriebe einzuladen.

Hermann Ritter hat 40 Jahre lang den Kreisverband des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV) geführt und leitet den Ortsverein Buggingen. Ebenfalls vertreten waren der Ortsverein Seefelden unter dem Vorsitz von Rolf Mattlin und Michael Fröhlin für den Kreisverband. Erster Treffpunkt war Schopferers Hofladen, der schon seit 20 Jahren besteht und sich aus einer kleinen Nische zu einem Standbein des Betriebes entwickelt hat. Das Hofgut decke mehrere Bereiche der Landwirtschaft ab, so Wein-, Obst- und Ackerbau und die Haltung von acht Schweinen, betonte Ritter. Gerald Schopferer ist gelernter Küfer und Winzer. Haupterwerb ist der Weinbau. Die Trauben liefert er an zwei Genossenschaften. Das Obst und die Beeren werden zu Bränden oder zu naturreinen Säften verarbeitet.

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Die Kennzeichnungspflicht verlange, dass ein Glas, egal ob Marmelade, Mus oder Gelee drin ist, nur als "Fruchtaufstrich" etikettiert werde. "Was drin ist, erklärten wir unseren Kunden mündlich", so Schopferer. Selbst schlachten ist verboten und die kleine Backstube muss alle Auflagen einer Großbäckerei erfüllen. Dass derjenige, der backt, an den wöchentlich drei Ladenöffnungstagen zwischen 2.30 Uhr und 4.30 Uhr aufstehen muss, gehört dazu.

Von der Verpflichtung zum Mindestlohn ist die Familie auch betroffen. In der Saison arbeitet seit 16 Jahren ein Ehepaar aus Polen auf dem Hof, für das die Familie jetzt eine eigene Wohnung gebaut hat. Er könne nicht nachvollziehen, warum Zeitungsausträger, die in Deutschland wohnen und hier den teueren Lebensaufwand finanzieren müssen, vom Mindestlohn ausgenommen würden, während einem Rumänen, der nach 50 Tagen Saisonarbeit in Deutschland von seinem Lohn in seiner Heimat ein Jahr lang leben könne, der Mindestlohn zustehe, sagte Ritter.

Bauern loben sparsamen Flächenverbrauch

Die Gemeinde Buggingen hat auf dem früheren Kickplatz ein neues Wohngebiet ausgewiesen. Das sei optimal, weil keine zusätzlichen Flächen verbraucht werden, lobte Ritter, während in Heitersheim ein Vorkaufsrecht für eine Fläche von 70 Hektar diskutiert werde. Lokales Thema war auch die jüngste Rebflurbereinigung. Die Rebwege sind mit nur drei Metern Breite zu schmal für große Schlepper. Problem sei, so der Seefelder Ortsvorsteher Robert Merle, dass nur Drei-Meter-Wege subventioniert werden. Um Platz für eine Überfahrung zu schaffen, müssten die Winzer bei der Pflanzung junger Rebanlagen einen Meter neben der Fahrbahn frei lassen, so Merle. Er sei sicher, dass es hierbei eine Einigung mit den Winzern gebe, so Hermann Ritter.

BLHV fühlt sich beim Bahngespräch übergangen

Er habe aus der Badischen Zeitung erfahren, dass das Landratsamt die Bürgermeister und Bürgerinitiativen zum technischen Gespräch mit Vertretern der Bahn eingeladen und danach Stillschweigen vereinbart habe. Er vermisse die Transparenz und frage sich, warum der Bauernverband beim Gespräch ausgeschlossen wurde, monierte Ritter. Anscheinend werde der Berufsstand nicht ernst genommen. Die Bahn fahre "volle Kanne" mitten durch Produktionsstätten der Landwirte und über deren Äcker mit den Beregnungsanlagen. Anscheinend sei man nur willkommen als Großteilnehmer bei Demonstrationen, aber nicht als Gesprächsteilnehmer. "Das empfinde ich als eine schallende Ohrfeige für den ländlichen Raum", so Hermann Ritter.

Das sehe er auch so, bekräftigte der BLHV-Kreisvorsitzende Michael Fröhlin. Da es für die Gütergleis-Tieflage bis Auggen wenig Rückhalt von der Landesregierung gebe, habe der BLHV im Schulterschluss mit Müllheim und Auggen dafür gekämpft, dass die Bürgertrasse nicht in Buggingen ende, sondern bis nördlich von Auggen fortgesetzt werde. Da hätte man auch ein Mitspracherecht verdient gehabt, monierte Michael Fröhlin.

Er sei bei dem Bahn-Gespräch dabei gewesen, sagte Bürgermeister Ackermann, wisse aber auch nicht, warum man den Bauernverband nicht eingeladen habe, schließlich habe der BLHV die Planung der Bürgertrasse aktiv mitgeprägt. Einen runden Abschluss fand die Exkursion beim Ratskollegen Manfred Weber, der zur Weinprobe im Weinhof Weber einlud.



Autor: Sigrid Umiger