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11. Juli 2014 09:14 Uhr

Gemeinderat

Tödliche Unfälle in Buggingen – Bahn schafft keine Abhilfe

Der Bahnhof von Buggingen ist so angelegt, dass viele Fahrgäste nur durch einen langen Fußmarsch zum Zug kommen – und manchmal gefährliche Abkürzungen nehmen. Doch die Bahn will nichts ändern.

  1. Einer der beiden Bahnsteige am Bahnhof Buggingen ist nur über einen langen Fußweg erreichbar. Foto: Umiger

Nach zwei tödlichen Unfällen am Bahnübergang in Buggingen hat der Gemeinderat im Mai 2014 beschlossen, die Bahn in die Pflicht zu nehmen und entsprechende Maßnahmen zu fordern. Bürgermeister Johannes Ackermann hat dies in einem Gespräch mit der Bahn versucht. Leider vergebens. Der Bürgermeister informierte den Gemeinderat: "Die Bahn zeigt kein Einlenken."

"Die Bahn zeigt kein Einlenken." Johannes Ackermann
Problem am Bahnhof Buggingen ist, dass die Züge in Richtung Süden nicht vom Parkplatz aus bestiegen werden können, sondern nur von der Kalisiedlung aus. Auf dieser, der westlichen Seite, steht aber kein Parkraum zur Verfügung. Daher müssen Bahnfahrer, die ihr Auto auf dem Parkplatz auf der Ostseite abstellen, zurück zur Kreisstraße laufen und dann über Treppen zum Bahnsteig. Das ist seit Jahrzehnten eine Zumutung für Gehbehinderte, Pendler und für alle Bahnfahrer mit Gepäck. Immer wieder laufen Fahrgäste, die den langen Umweg scheuen, über die Gleise. Das hat allein in diesem Jahr zu zwei tödlichen Unfällen geführt.

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Bahn verweist auf Kontrollen der Bundespolizei

Schon mehrfach hat die Gemeinde Buggingen dieses Thema bei der Bundesbahn moniert. Jedes Mal wurde das jedoch seitens der Bahn abgeschmettert, so auch beim jüngsten Gespräch, wie der Bürgermeister monierte. Der Vertreter der Bahn habe erklärt, dass die Problematik des Überquerens der Bahngleise am Haltepunkt Buggingen bekannt sei. Es gebe deshalb immer wieder Kontrollen der Bundespolizei, die auch Bußgelder verhänge. Die Bahn habe innerhalb Deutschlands genaue Vorgaben, welche Vorrichtungen an Bahnsteigen sein müssen. Ausnahmen davon gebe es nicht, auch nicht für Buggingen, wo laut Aussage der Bahn alles rechtens sei, weil sämtliche Vorgaben anhand einer Gefahrenanalyse erstellt würden. Als Ergebnis der Gefahrenanalyse stellt die Bahn für Buggingen fest: Der Bahnsteig ist gekennzeichnet, Gefahrenschilder sind angebracht und die vorbeifahrenden Züge werden angesagt. Damit erfülle die Bahn alle Auflagen, so das Fazit des Sprechers.

Seine Frage, ob ein Zaun zwischen den Gleisen das Gefahrenpotenzial verringern könnte, habe der Bahnvertreter verneint, erklärte Ackermann. Man habe damit argumentiert, dass die Gleisanlage für einen Zaun zu schmal sei und, dass die Bahn befürchte, dass "das Profil einiger Güterzüge" am Zaun schleifen könnte. Außerdem berge ein Zaun eine weitere Gefahr, laut Bahn, nämlich die des Überkletterns. Er habe schon oft leichtsinnige Menschen beim Überqueren der Gleise beobachtet und könne daher die Sicht der Bahn nachvollziehen, sagte Gemeinderat Andreas Waldmann. "Ich nicht", konterte Bürgermeisterstellvertreter Reinhold Waldmann und forderte Einblicke in die Gefahrenanalyse der Bahn.

Auch bei anderen Punkten bleibt die Bahn stur

Mit der Deutschen Bahn hat die Gemeinde noch weitere Probleme. So zum Beispiel mit dem tiefliegenden Bahnsteig an der Westseite des Bahnhofs. Den können aussteigende Gäste nur durch einen Sprung erreichen. Wer gehbehindert ist, kann ohne Hilfe weder ein- noch aussteigen. Auch dass Problem kennt die Bahn, vertröstet aber auf den Ausbau der Rheintaltrasse, der dies ändern werde.

Seit Jahren ein Dauerthema ist außerdem, dass ausgerechnet Buggingen, die Gemeinde mit dem höchsten Wirtschaftswachstum in der Region, die wenigsten Zughalte hat. Seit 2006 ist die Zahl der Arbeitsplätze um 53 Prozent gestiegen. Von den 2150 Berufspendlern würden viele mit dem Zug fahren, wenn der Slogan: "Die Bahn macht mobil" Realität wäre.

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Autor: Sigrid Umiger