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27. Mai 2015

Wenn Seefelden für ukrainische Musiker Heimat wird

Das Quintett Brass-Kiew-Academy tourt wieder durch Deutschland, die Schweiz und das Elsass / Benefizauftritte für Straßenkinder.

  1. Das Brass Quintett bei seinem Auftritt in Buggingen Foto: sigrid umiger

BUGGINGEN. Das Quintett Brass-Kiew-Academie ist in Deutschland vor allem wegen seiner Benefiz-Konzerte zugunsten notleidender Kinder in der Ukraine bekannt. Zwei Mal im Jahr erhalten die fünf Musiker ein Visum. Dann wohnen sie immer in Seefelden. Am Samstag begeisterte das Quintett Fußballfans mit flotter Marschmusik auf dem neuen Sportplatz in Buggingen.

Seefelden ist seit zehn Jahren der Ausgangspunkt für jeweils vier Wochen. Von hier aus fährt das Quintett mit seinem VW-Bus zu Konzerten und Veranstaltungen oder macht Straßenmusik in ganz Deutschland, im Elsass und in der Schweiz. Der 37-jährige Sergej Morgun kommt seit zehn Jahren nach Seefelden, die anderen im Team wechseln. Das erste Mal habe das Quintett beim damaligen Pfarrer gewohnt, inzwischen schlafen drei Musiker bei Willy Waldmann, zwei bei der 86-jährigen Margarete Fieß in deren ehemaliger Werkstatt mit Bad und Küche, wo alle fünf gemeinsam kochen. In ihrer Freizeit kicken die Ukrainer mit den Alten Herren der Spielvereinigung Buggingen-Seefelden. Das Konzert zum letzten Heimspiel vor dem Saisonende war ein Dankeschön an die Fußballer.

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Ihr Geld verdienen die fünf Berufsmusiker in mehreren Ensembles und Orchestern in Kiew. Ihr Repertoire umfasst Klassik, Gospel, Jazz, Swing und Blues. Sergej Morgun ist Posaunist, Nicolaj bläst das Waldhorn, Jurij und Roman sind Trompeter und der zweite Sergej spielt die Tuba. Acht Wochen im Jahr verzichtet das Quintett auf Honorare und opfert auch seine Zeit. Alle Einnahmen aus den Auslandsauftritten werden über das Projekt "S’Einlädele" in Freiburg für humanitäre Hilfe für Kinder, Senioren und Straßenkinder in der Ukraine gespendet.

Sergej Morgun spricht sehr gut deutsch. Das habe er bei den vielen netten Menschen in Seefelden gelernt, vor allem "bei unserer lieben Babuschka (Oma) Margarete", sagt er und bedauert, dass es mit dem Alemannischen noch nicht so gut klappe.

Die Hin- und Rückfahrt aus dem 2200 Kilometer entfernten Kiew bis nach Seefelden dauere jeweils etwa 30 Stunden. Beim jüngsten Besuch hätten sie sieben Stunden lang an der polnischen Grenze warten müssen, erzählt Sergej. Rund um die Stadt Kiew bekomme man den Krieg nicht direkt mit, aber die Menschen hätten große Angst. Auch er sorge sich um seine Frau und seine drei Kinder, so der Musiker. Die wirtschaftliche Lage werde zunehmend schlechter und gerade bei den Lebensmitteln würden die Preise stetig steigen. "Wir beten und hoffen", so Morgun. Ende Mai fahren die Musiker wieder in ihre Heimat zurück im Bus, der vollbepackt ist mit Kleiderspenden. Er sei froh, seine Familie wiederzusehen, freue sich aber auch immer wieder auf seine Besuche in Seefelden, sagt Morgun.

Autor: Sigrid Umiger