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01. Juni 2012

Technik für Ältere

Computer und Roboter helfen bei der Betreuung Demenzkranker

Über eine Million Menschen sind in Deutschland von Demenz betroffen. Das Gebrechen des großen Vergessens ist bislang nicht heilbar. Mit dem Einsatz moderner Technik kann Betroffenen und Angehörigen das entgleitende Leben angenehmer gestaltet werden.

  1. Beispiel für ein virtuelles Lebensbuch von Biogravision Foto: Screenshot: BZ

  2. Roboter-Robbe Paro im Einsatz im Christinen-Stift in Baden-Baden Foto: dpa

Moderne Computer und Tablet-PCs erlauben das einfache Vernetzen aller erdenklichen Medien: Bilder, Texte, Töne, Videos. Multimedia eben. Diesen Umstand könnte man sich doch auch in der Betreuung dementer Menschen zunutze machen, dachte sich Willy Fickelscheer. Im ersten Leben widmete sich der Mann aus March-Hugstetten (Jahrgang 1950) dem Vertrieb von Automaten. Durch Erlebnisse mit Demenz im familiären Umfeld gehört sein Interesse inzwischen aber immer stärker seinem Projekt Biogravision: "Sie glauben ja nicht, welche Freude sie auf das Gesicht eines dementen Menschen zaubern können, wenn sie bei ihm durch die geeigneten Mittel Erinnerungen wachrufen." Die geeigneten Mittel, das sind Erinnerungsstücke in jedweder F orm, Hauptsache, sie sind digitalisierbar und damit in die virtuellen Lebensbücher einzubinden, die Fickelscheer anbietet. Egal, ob alte Fotos, Briefe oder Zeugnisse von früher, Schlager oder Volkslieder aus der Jugend oder am besten Videosequenzen: Alles wird in einer speziellen Präsentationssoftware zusammengebunden und für die Bedienung an einem berührungsempfindlichen Bildschirm (Touchscreen) zu einem virtuellen Buch aufbereitet, das auch demente Menschen ganz einfach mit einem Wisch am Monitor umblättern und mit einem Fingerzeig bedienen können. Diese inzwischen erprobte, sehr einfache Bedienung macht die Lebensbücher nicht zuletzt auch besonders für den Einsatz in Pflegeheimen und anderen Betreuungseinrichtungen interessant. Fickelscheers "Biogravisionen" gibt es als Online-Version, die von überallher über normale Internetbrowser abrufbar sind oder als Offlinevariante auf CD oder USB-Stick. Die Bestandteile, die druckbar sind, bekommt man auch als gebundenes Buch. Die Preise für den Service beginnen bei 69 Euro.

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Wem das zu teuer ist, der kann ein solches virtuelles Erinnerungsbuch für Verwandte oder Bekannte mit Computergeschick und entsprechender Präsentationssoftware natürlich auch selbst erstellen. Bekannte Programme wie "Powerpoint" von Microsoft, "Impress" von "OpenOffice" oder "Keynote" von Apple bieten dafür alle Werkzeuge.

Nicht nur zur Präsentation von Lebensbüchern, sondern auch wegen diverser anderer Apps (z.B. Quiz- und Malspiele) bieten sich einfach bedienbaren Tablet-PCs im Einsatz bei Demenzkranken an. So erste Erfahrungen in Pflegeheimen.

Während man bei den Lebensbüchern durch Antippen etwas zu sehen und hören bekommt, geht es bei Paro ums ganzheitliche Anfassen. Die süße Baby-Robbe ist ein therapeutische Roboter. Man kann "Paro" streicheln wie ein echtes Tier. Er reagiert unmittelbar mit Geräuschen und Schwanzwedeln und lernt inzwischen auch Namen.

Und natürlich gibt es im Internet noch jede Menge hilfreiche Seiten rund um das Thema Demenz oder Alzheimer. Das Spektrum reicht von Hilfeforen betroffener Angehöriger über Infoseiten von Regierung und Hilfsorganisationen bis hin zu Webseiten von Universitäten und Pharmafirmen, die auf dem Gebiet forschen.

Die Folgen der Serie:
Teil 1: Computer für Senioren
Teil 2: Was ein Handy können sollte
Teil 3: Neue digitale Helfer im Alltag
Teil 4: Hilfe für Demenzkranke

Demenz Im Netz

Die Webseite von Willy Fickelscheer: http://www.biogravision.de

Bericht des Seniorenheims Domicil Berlin über den Einsatz von Tablet-PCs bei Demenz: http://mehr.bz/demenz

Initiative "Nonliner" über Tablet-PCs und Demenz: http://mehr.bz/demenz1

Webseite des Bundesministeriums: http://www.wegweiser-demenz.de

Initiative: http://www.alzheimerforum.de/  

Autor: hpm

Autor: Hans-Peter Müller