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19. Juli 2014

Freiburger Studie: Wie nutzen junge Menschen ihr Handy

Studierende der Universität Freiburg haben in einer Projektstudie untersucht, wie junge Menschen ihr Smartphone nutzen.

  1. Wie süchtig sind wir nach Smartphones? Sie haben es erforscht (von links): Lisa Schüttler, Juniorprofessor Friedemann Vogel, Max Mylo und Felix Klingele Foto: Thomas Kunz

In der Kneipe schauen die Gäste aufs Display, statt sich mit ihrem Gegenüber zu unterhalten. Beim Rendezvous verstummt das Gespräch, sobald das Handy vibriert. Sogar im Kinderwagen daddeln die Kleinen mit Mamas Lieblingsspielzeug, dem Smartphone. Solche Erlebnisse hatte jeder schon einmal. Doch wie gehen gerade junge Leute damit um? Studierende der Uni Freiburg haben sich in einer Projektstudie mit dieser Frage beschäftigt.

Friedemann Vogel ist überzeugt: "Wenn man praktische Erfahrungen macht, lernt man am meisten." Der Juniorprofessor für Medienkulturwissenschaft hat fünf Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen bei ihrem Vorhaben betreut. Ursprünglich ging es darum, sich im Rahmen des Landesprojekts "Faszination Wissenschaft" mit der Mediatisierung der Gesellschaft auseinanderzusetzen. "Wir kamen schnell auf Smartphones", sagt Vogel, "weil vielen dieses ständige Herumspielen nicht geheuer ist." Smartphones sind Handys, mit denen man nicht nur telefonieren und SMS schreiben, sondern auch ins Internet gehen kann.

Zunächst entwarf die Studentengruppe einen Fragebogen, den sie 76 Studenten und 62 Realschülern (7. bis 9. Klasse) aus Freiburg vorlegten – ein Altersunterschied von etwa zehn Jahren. "Wir dachten, die Schüler würden ihre Smartphones noch deutlich unreflektierter nutzen als Erwachsene", sagt der Max Mylo (23). Der Biologiestudent hat bisher kein eigenes Smartphone. Die erste große Überraschung: 95 Prozent aller befragten Schüler besaßen bereits eins (zum Vergleich: bei den Studenten waren es 73 Prozent). Und: Die meisten Schüler gehen bewusster mit dem Smartphone um, als zunächst angenommen.

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"Es war nicht so krass wie erwartet", sagt Lisa Schüttler. Die 22-jährige Informatikstudentin hat selbst ein altes Nokia-Handy – ohne Internetfunktion. Ihr Fazit: "Viele Schüler schalten ihr Handy auch bewusst aus, wenn sie wissen, dass es nicht angebracht ist, zum Beispiel beim Arzt oder in der Kirche." Dass solche Tabus bekannt sind, verwundere zunächst, weil beide Gruppen nur selten über die Handynutzung sprechen. Die Frage, ob es im Freundeskreis Handy-Regeln gebe, bejahten nur fünf Prozent – sowohl bei den Schülern als auch bei den Studenten.

Nur zwei Studenten gaben an, im Freundeskreis eine Vereinbarung zu haben: Wenn sie sich in der Kneipe treffen, werden alle Handys auf den Tisch gelegt. Wer zuerst danach greift, muss die Runde bezahlen. Wie groß die Überwindung ist, nicht zuzugreifen, wurde nicht gefragt. Aber: "Darüber zu reden, ist ein erster Schritt", schlussfolgert Vogel. Er hält es gerade bei Jugendlichen für ratsam, nicht nur Verbote auszusprechen, sondern sich mit dem Thema zu beschäftigen. "Das Bewusstsein ist da, auch bei den Schülern. Nur sehen sie das Problem vor allem bei anderen, nicht bei sich selbst."

Wie sehr die elektronischen Helfer genutzt werden, zeigte auch die Frage nach den Apps. 28 Prozent der Schüler – alle minderjährig – gaben an, bis zu vier kostenpflichtige Zusatzprogramme heruntergeladen zu haben; zwölf Prozent sogar mehr als vier.

Auch bei der Projektgruppe hat die wissenschaftliche Praxis ihre Spuren hinterlassen. "Ich merke, wie mein Handy im Leben immer wichtiger wird", sagt Felix Klingel. Trotzdem überwiegen für den 23-jährigen Politikstudenten die Vorteile: "Ich kann mit meinen Freunden viel einfacher in Kontakt bleiben. Das möchte ich nicht mehr missen." Lisa Schüttler wird ihrem "Knochen" treu bleiben: "Ich vermisse nichts. Wenn ich mal den Fahrplan wissen möchte, kann ich andere fragen."

So sehr die Meinungen zur Smartphone-Nutzung auseinander gehen: Über ein Ergebnis können alle Projektteilnehmer lachen. Drei Prozent der Schüler gaben an, beim Ausfüllen des Fragebogens aufs Display geschaut zu haben – und das, obwohl Handys an Schulen verboten sind.

Autor: Steve Przybilla