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30. März 2013 00:00 Uhr

Fernsehen

50 Jahre ZDF: Mit "Berlin-Melodie" ging es los

Mainzelmännchen, Heute-Nachrichten, Torwandschießen im Aktuellen Sportstudio: Das ZDF hat viele Markenzeichen. Vor 50 Jahren, am 1. April 1963, startete der Mainzer Sender seinen Betrieb.

  1. Die Stunde Null: ZDF-Gründungsintendant Karl Holzamer wendet sich am 1.April 1963 an das Fernsehpublikum. Foto: dpa

Als das ZDF am 1. April 1963 auf Sendung ging, hätte wohl kaum jemand vorherzusagen gewagt, dass daraus einmal einer der größten Fernsehsender Europas werden würde. Der Betrieb des Zweiten Deutschen Fernsehens begann vor 50 Jahren in ein paar Baracken in Eschborn bei Frankfurt am Main.

Fernsehen war damals noch ein exotisches Medium. Bei der Funkausstellung im September 1963 wurde der erste Kassettenrekorder vorgestellt. Beherrschendes Thema war die Stereophonie, und die Gerätehersteller beklagten sich, dass die Radiosender kaum Stereosendungen machten. In Deutschland gab es 1963 fast 17 Millionen gemeldete Radioteilnehmer. Nur sieben Millionen Haushalte hatten einen Fernseher – und von diesen konnten nur drei Fünftel das ZDF in den ersten Monaten überhaupt empfangen.

Der Gründung des ZDF war eine schwere Niederlage des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer (CDU) vorausgegangen. Dieser wollte ein privatwirtschaftlich organisiertes zweites Fernsehprogramm installieren, das der Bundesregierung unterstellt sein sollte. Doch da Rundfunk laut Verfassung Ländersache war, klagten die Bundesländer gegen den von Adenauer eigenmächtig unterschriebenen Vertrag über den geplanten "Staatsfunk". Im Februar 1961 erhielten sie vom Bundesverfassungsgericht Recht.

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Dass es ein zweites Programm geben sollte, stand jedoch auch bei den Ländern außer Frage. Sie einigten sich daher binnen weniger Monate auf die Gründung des Zweiten Deutschen Fernsehens als Anstalt der Länder. Keine vier Monate nach dem Urteil, am 6. Juni 1961, wurde der Staatsvertrag über die Einrichtung des ZDF unterzeichnet. In einer sehr knappen Abstimmung wurde Mainz als Standort des ZDF bestimmt – die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz erhielt nur eine Stimme mehr als Düsseldorf. Doch bis der Sender von den Baracken in Eschborn, die als "Telesibirsk" bekannt wurden, in das Sendezentrum auf den Lerchenberg ziehen konnte, sollten noch einige Jahre ins Land gehen.

Gründungsintendant wurde der Mainzer Pädagogik-Professor Karl Holzamer. Seine größte Lebensleistung sei es gewesen, "das papierne Projekt ZDF zum Leben zu erwecken und zum gleichrangigen Partner der ARD zu machen", schrieb Friedrich Wilhelm Hymnen, Redakteur von "epd Kirche und Rundfunk", 1986 zum 80. Geburtstag Holzamers. Dem Pädagogik-Professor, der bis 1977 Intendant des ZDF bleiben sollte, war es ein Anliegen, im Fernsehen Bildung zu vermitteln. Doch zugleich setzte er von Anfang an einen Schwerpunkt auf Unterhaltung und versuchte, sich so vom gemeinsam veranstalteten Programm der ARD-Anstalten abzusetzen. Das ZDF-Programm ging am 1. April 1963 mit "Berlin-Melodie" auf Sendung, einer Musikshow, die Artur Brauner produzierte. Bereits im August des Jahres 1963 startete das "Aktuelle Sportstudio" – bis heute eines der Markenzeichen des ZDF.

Der große Unterhaltungsdampfer

Und noch etwas kennzeichnete die Arbeit des ZDF von Beginn an: Mit dem Kleinen Fernsehspiel betrieb der Sender kontinuierliche Nachwuchsförderung. In den ersten Jahren waren es die jungen Regisseure Rainer Werner Fassbinder, Alexander Kluge und Helke Sander, deren Filme vom ZDF koproduziert wurden. In den 90er Jahren entdeckte und förderte die Redaktion Regisseure wie Fatih Akin und Christian Petzold.

Doch in der Wahrnehmung der Zuschauer war der Sender der große Unterhaltungsdampfer. Shows wie "Vergissmeinnicht", "Dalli Dalli", "Der große Preis" und "Wetten, dass..?" prägten das Image des ZDF ebenso wie die Reihen "Der Kommissar", "Derrick" oder "Das Traumschiff". Zu den Markenzeichen des Senders gehören auch die von Wolf Gerlach erfundenen Mainzelmännchen, die in der satirischen "heute-show" derzeit neu belebt werden. Auch die kichernden Jungs Anton, Berti, Conni, Det, Edi und Fritzchen sind inzwischen seit 50 Jahren dabei. Die Mainzelmädchen, die ihnen eine Zeit lang zur Seite gestellt wurden, konnten sich allerdings nicht dauerhaft behaupten.

Inzwischen ist aus dem ZDF eine kleine Senderfamilie geworden. Gemeinsam mit der ARD betreibt das ZDF den Nachrichten- und Ereigniskanal Phoenix und den Kinderkanal. Auch an den europäischen Kulturkanälen Arte und 3sat ist der Mainzer Sender beteiligt. Hinzu kommen die Digitalkanäle ZDFneo, ZDFinfo und ZDFkultur – letzteren Kanal will Intendant Thomas Bellut allerdings wieder einstellen.

Der Sender verfügt heute über einen Jahresetat von zwei Milliarden Euro, doch die Einnahmen stagnieren – und die Finanzkommission KEF hat dem ZDF harte Sparauflagen erteilt (Seite 4).

Autor: Dietmut Roether (epd)