Onlinesucht-Risiko

Studie: 300.000 Kinder und Jugendliche sind internetsüchtig

epd

Von epd

Mo, 30. November 2015 um 15:39 Uhr

Computer & Medien

Bei rund 300.000 Kindern und Jugendlichen besteht ein Onlinesucht-Risiko. Experten sehen den Internettrend bei jungen Menschen deshalb mit Sorge. Sie raten zu klaren Regeln.

Rund 300.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland weisen Experten zufolge ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Internetsucht auf. Wie aus der am Montag in Berlin präsentierten Studie "Internetsucht im Kinderzimmer" hervorgeht, besteht bei 4,7 Prozent der 12- bis 17-Jährigen eine riskante Internetnutzung. Mehr als jedes fünfte Kind reagiere ruhelos und gereizt auf Einschränkungen in der Onlinenutzung. Rund die Hälfte der Kinder bleibt demnach länger online als vorgenommen. Etwa jedes zehnte Kind nutze das Internet, um vor Problemen zu fliehen.

Die repräsentative Umfrage war vom Forsa-Institut im Auftrag der Krankenkasse DAK Gesundheit erstellt worden. Dafür seien erstmals ausschließlich Eltern nach dem Internetnutzungsverhalten ihrer 12- bis 17-jährigen Kinder sowie möglichen krankhaften Folgen befragt worden. Insgesamt nahmen bundesweit 1.000 Mütter und Väter an der Studie teil.

Laut DAK-Studie beginnen Kinder im Durchschnitt ab einem Alter von zwölf Jahren, das Internet selbstständig zu nutzen. Häufig vereinbaren Eltern mit ihren Kindern keine Regeln für den Umgang mit dem Computer: So stellten etwa 71 Prozent der Befragten keine Regeln auf, an welchen Orten ihr Kind online gehen darf. 51 Prozent trafen keine Vereinbarungen zur zeitlichen Dauer der Internetnutzung. Bei 32 Prozent der Familien gab es keine Vorgaben, welche Inhalte die Kinder im Internet nutzen dürfen.

Der Befragung zufolge schätzen Eltern die Internetnutzung ihrer Kinder an einem Werktag auf rund zweieinhalb Stunden. Am Wochenende steige diese Zeit durchschnittlich auf vier Stunden täglich an. 20 Prozent der Jungen und Mädchen seien am Samstag oder Sonntag sechs Stunden und mehr am Computer.

Bei der Onlinenutzung stießen die Forscher zugleich auf einen deutlichen Geschlechterunterschied. Während die 12- bis 17-jährigen Jungen ihre Internet-Zeit am häufigsten (43 Prozent) mit Online-Spielen verbringen, ist die Internet-Hauptaktivität bei gleichaltrigen Mädchen das Chatten beziehungsweise die Nutzung von Messenger-Diensten (42 Prozent).

Deutlich sei, "dass Suchtgefährdung auch im Kinderzimmer besteht", betonte Rainer Thomasius, Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Vor allem von Online-Spielen wie World of Warcraft oder League of Legends gehe eine Suchtgefahr aus. Wenn nicht gespielt werde, könnten Symptome wie Gereiztheit, Unruhe, erhöhte Ängstlichkeit oder Konzentrationsprobleme auf Entzugserscheinungen hindeuten.

Unterdessen betonte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, dass Onlinesucht im Jahr 2016 zum Schwerpunktthema ihrer Arbeit werde. Das Internet biete "große Möglichkeiten und Chancen". Risiken dürften aber nicht unterschätzt werden. Die CSU-Politikerin verwies darauf, dass nach Schätzungen von Experten in Deutschland bereits eine Million Menschen onlinesüchtig seien.

Forscher raten dazu, dass Kinder vor dem achten Lebensjahr überhaupt keinen Zugang zum Internet haben sollten. Vor dem zwölften Lebensjahr sollte kein eigener Computer im Kinderzimmer aufgestellt werden. Und danach müssten Eltern mit ihren Kindern klare Regeln zur Internetnutzung verabreden, sich aber zugleich interessiert an den Onlineaktivitäten zeigen, betonte Thomasius.