Wikipedia zieht die Zügel an

dpa

Von dpa

Sa, 21. Juni 2014

Computer & Medien

Bezahlte Autoren müssen sich zu erkennen geben.

Wer im Auftrag eines Unternehmens oder einer Werbeagentur Artikel der Onlineenzyklopädie Wikipedia ändert, muss das künftig öffentlich machen. Die Wikimedia-Stiftung, die hinter dem bekannten virtuellen Lexikon steht, hat das in seinen neuen Nutzungsbedingungen festgelegt.

"Wenn Sie für Ihre Bearbeitung bezahlt werden, müssen Sie diese bezahlte Bearbeitung offenlegen", heißt es in dem Eintrag auf dem Wikimedia-Blog. Das müsse auf dem Nutzerprofil und in der Erklärung zur Bearbeitung eines Artikel vermerkt werden. Die neuen Regeln sollten helfen, einseitige Artikel zu verhindern. Wikipedia veröffentlichte bereits vergangene Woche eine Vereinbarung mit mehreren großen PR-Firmen, die versprachen, sich an die Nutzungsbedingungen zu halten.

Wikipedia hatte im Oktober die Profile von 250 Autoren gesperrt, die im Verdacht standen, Artikel gegen Geld geschönt zu haben. An Wikipedia kann grundsätzlich jeder mitschreiben – das machten sich offenbar Unternehmen und Organisationen zu Nutze, um Einträge in ihrem Sinne zu bearbeiten.

Gleichzeitig ziehen sich reguläre Mitschreiber zurück: Im Februar 2014 gab es 76 000 aktive Autoren. Vor drei Jahren waren es noch 89 000. Diese Schreiber will Wikipedia auf jeden Fall halten. "Wenn Sie Artikel ehrenamtlich und zum Spaß bearbeiten, ändert sich gar nichts. Bitte machen Sie damit weiter!", steht in dem Blogeintrag. Auch Mitarbeiter von Galerien, Museen oder Bibliotheken, die Beiträge zu ihrem Fachgebiet verfassen, können Artikel in der Regel weiterhin ohne Transparenzhinweis bearbeiten.

Die Wikimedia-Stiftung will nun im Auge behalten, ob die neuen Regeln Wirkung zeigen. Sie gelten neben Wikipedia auch für die anderen Projekte der Wikimedia, wie etwa Wikiquote, eine Sammlung von Zitaten.