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23. Juni 2010

Das Angedeutete führt zum Genauen

Ausstellung von Ulrike Weiss im Georg-Scholz-Haus / Morgen Kunstgespräch.

WALDKIRCH. Wie ist das mit der Erinnerung? Der Klang der Stimme, die Gesichtszüge, den Geruch, Eigenheiten – was bleibt, wenn eine Begegnung mit einem geliebten Menschen zu Ende geht? Wer Ulrike Weiss’ Ausstellung im Georg-Scholz-Haus, die am Sonntag eröffnet wurde, betrachtet, wird sagen: Das Gesicht vergeht nicht. Viele Schattierungen, Angedeutetes, Skizzen ergeben am Ende eine sehr genaue Vorstellung. Das scheinbar Reduzierte, Farblose ist doch die treffendste, genaueste Sicht – viel persönlicher als alle sehr bunten Bilder in Zeiten digitaler Sintfluten.

Ob der Versuch von Kunsthistorikerin Susanne Meier-Faust in der Vernissage, Verbindungen zu einer iranischen Künstlerin Shirin Neshat zu ziehen, wirklich sachgerecht ist, mag dahingestellt sein – so ohne weiteres kann man die iranische nicht mit der arabisch-muslimischen Welt gleichsetzen. Gerhard Gerstle (Bass, Percussion) und Uli Schmid (Oud, Gitarre) unternahmen ihrerseits den Versuch, den Dialog zwischen Marokko und Deutschland, der den äußeren Rahmen der Arbeit von Ulrike Weiss bildet, in Musik zu fassen.

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Goethes Verse aus dem West-Östlichen Diwan ("Daß Du nicht enden kannst . . .") jedenfalls, die der Ausstellung den Titel geben, öffnen auf eine sehr treffende Weise den Blick: Es gibt keinen Anfang, kein Ende. Das ist kein Egalisieren, kein Nivellieren, es öffnet den Blick auf die wirklich wichtigen Assoziationen, die Ulrike Weiss’ Ausstellung bietet: Die persönlichen Angelegenheiten nämlich. Am morgigen Donnerstag, 24. Juni, 20 Uhr, ist Zeit, das im Kunstgespräch weiter zu vertiefen: Rainer Höll moderiert, Ulrike Weiss hat ihr Kommen zugesagt.

Info: Die Ausstellung von Urike Weiss, "Dass Du nicht enden kannst", Zeichnung/Installation im Georg-Scholz-Haus, ist bis 25. Juli zu sehen. Am 3. Juli ist Schreibnacht in der Ausstellung. Am 18. Juli, 11 Uhr, liest Rivka Holländer, am 23. Juli, 20 Uhr, geht es beim Filosofischen Forum mit Klaus Scherzinger über Gentechnik in der Landwirtschaft, am 25. Juli Finissage.

Autor: Frank Berno Timm