17. Mai 2009 14:41 Uhr
Linke Szene will "libertäres Zentrum" einrichten
Das Antoniushaus in der Wiehre ist besetzt
Es gibt wieder einmal eine Hausbesetzung in größerem Stil in Freiburg: Eine Gruppe aus der linken Szene hat das St. Antoniushaus in der Kirchstraße nahe der Johanneskirche in der Wiehre besetzt.
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Das Antoniushaus in der Wiehre ist besetzt. Eine Gruppe aus der Linken Szene will damit gegen den Leerstand in Freiburg protestieren. Foto: Rita Eggstein
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Foto: Rita Eggstein
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Foto: Rita Eggstein
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Am Nachmittag gab es ein kleines Straßenfest. Foto: Joachim Röderer
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Eine Statue des Heiligen Antonius wacht über der Szenerie. Foto: Joachim Röderer
Die rund 50 Besetzer bezeichnen sich selbst in ihrem Internet-Blog als "eine bunt gemischte Gruppe von Studierenden, freien Lebenskünstlern, Auszubildenden und Erwerbstätigen". Sie wollen das unter Denkmalschutz stehende Haus einer, wie sie sagen, sinnvollen Nutzung zuführen: Es soll ein selbstverwalteten Wohn- und Kulturprojekt aufgebaut werden. Die Polizei war am Sonntagnachmittag mit vier Beamten vor Ort, ließ die Hausbesetzer jedoch gewähren. Es liege noch kein Strafantrag vor, hieß es aus der Polizeidirektion.
Seit Freitag hält sich die Gruppe mit dem Namen "Freie Antonia" in dem seit Anfang 2008 leer stehenden Haus auf. Gestern Nachmittag entrollten die zumeist jungen Besetzer Transparente an der Hausfront mit der Antonius-Statue. "Wir wollen damit gegen den Leerstand in der Stadt demonstrieren – und dass es an billigen Wohnraum in Freiburg fehlt" sagten "Billy" und "Suki" als Sprecher der Gruppe, die ihren Nachnamen nicht nennen wollen. Und sie sagen: "Wir wollen uns dagegen wehren, dass Gebäude wie diese luxussaniert werden".
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Der Antonius-Komplex ist nach BZ-Informationen vor drei Jahren von einer Projektgesellschaft der Bauträger Gisinger und Kirschner erworben worden. Die Gesellschaft hat das frühere Seniorenwohnheim vor rund drei Jahren vom Trägerverein St. Marienhaus gekauft. Die Senioren und bis dato letzten Bewohner haben Anfang 2008 das Antoniushaus verlassen und sind ein paar hundert Meter Richtung Osten ins neu gebaute Marienhaus an der Talstraße umgezogen. Zwei Gebäudeteile des alten Wohnheims wurden abgerissen. An deren Stelle und im Innenhof entstehen derzeit Eigentumswohnungen, deren Bau bereits weit fortgeschritten ist. Auch in dem jetzt besetzten dreistöckigen Altgebäude, das wegen des Denkmalschutzes nicht abgerissen werden darf, sollten Eigentumswohnungen geschaffen werden– so lautete jedenfalls die letzte Information. Zwischenzeitlich soll der Altbau nun schon zwei oder drei Mal weiterverkauft worden sein. Wer der aktuelle Besitzer ist, ließ sich gestern nicht ermitteln.
Auch die Besetzer forschen derzeit noch nach dem Besitzer. Es soll sich um eine Privatperson handelnb, sagen sie. "Wir würden gerne mit ihm in Kontakt treten". Sie haben auch per offenem Brief im Internet eingeladen, "einmal auf einen Besuch bei uns vorbei zu kommen". Die erste Reaktion der Nachbarn in der Kirchstraße auf die Besetzung, so berichteten die Sprecher der Gruppe, sei jedenfalls sehr positiv gewesen.
Die jungen Leute wollen ein selbstverwaltetes Wohn- und Kulturprojekt schaffen. Es werde auch eine Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt aufgebaut, Workshops angeboten, ein Umsonst-Laden gegründet und ein "Infoladen zur freien politischen Bildung" entstehen. Zudem soll es Raum für Theatergruppen, Lesungen oder Filmabende geben.
Autor: Joachim Röderer






