Das Internetportal Buzzfeed ist auf dem Weg zum globalen Medienimperium

Daniel Laufer

Von Daniel Laufer

Di, 08. August 2017 um 15:33 Uhr

Computer & Medien

Buzzfeed begann vor elf Jahren in den USA als Unterhaltungsportal im Internet. Doch dort bleibt es nicht. Über ein Unternehmen auf dem Weg zum globalen Medienimperium.

Das Filmunternehmen Paramount Pictures hatte im vergangenen Jahrhundert alles, was es brauchte: eigene Studios, eigene Kinoketten, ja sogar eigene Stars wie Elvis Presley und Audrey Hepburn. Veränderte sich der Markt, konnte sich Paramount ihm einfach anpassen. Daran erinnert Jonah Peretti einen Journalisten des Business-Magazins Fast Company, der ihn 2016 im Buzzfeed-Hauptquartier in New York besucht. Mit seinem eigenen Medienunternehmen hat der Buzzfeed-Chef Ähnliches vor.

Als das Portal 2006 online geht, ist eine Art Spielwiese. Peretti arbeitet noch in einer Führungsposition bei der US-Nachrichtenseite Huffington Post. Buzzfeed soll vor allem Beiträge veröffentlichen, die Leser ihren Freunden schicken würden. Sie sollen also "viral" gehen, sich weiterverbreiten wie ein Virus, von Mensch zu Mensch. Zunächst über die eigene Webseite, später über Facebook, YouTube oder Instagram, die Sozialen Netzwerke.

Die Buzzfeed-Autoren suchen im Netz nach interessanten Videos und Geschichten, sie schreiben sogenannte "Listicles" – Listen mit Bildern und GIF-Animationen, harmlose Unterhaltung. Die haben Überschriften wie "Die 30 wichtigsten Hunde des Jahres 2010".

Video: Buzzfeed ist ein "missratener Müllhaufen" – behauptet Donald Trump

Schließlich gibt Peretti seinen alten Job auf, um sich vollständig um Buzzfeed kümmern zu können. Über die Jahre baut er eine Nachrichtenredaktion auf, die sich einen Namen macht, der bis ins Weiße Haus vordringt: Im Januar tritt US-Präsident Donald Trump vor die Presse und nennt Buzzfeed einen "missratenen Müllhaufen".

Die Journalisten haben zuvor das umstrittene Dossier eines ehemaligen Geheimdienst-Mitarbeiters über Trumps Geschäftsbeziehungen nach Russland veröffentlicht. Für die Arbeit eines seiner Investigativ-Reporter schafft es Buzzfeed zudem unter die Finalisten für den Pulitzer-Preis 2017.

In Los Angeles hat sich Buzzfeed ein ganzes Filmstudio eingerichtet. "Buzzfeed Motion Pictures", wie die Abteilung heißt, dreht Tag für Tag neue Kurzvideos für das Internet. Besonders erfolgreich sind Videos mit Titeln wie "Menschen, die Katzen hassen, treffen auf Kätzchen". Mal sind sie animiert, mal dokumentarisch, mal Teil einer ganzen Serie mit zusammenhängender Geschichte.

Buzzfeed-Video: People Who Hate Cats Meet Kittens

Fernsehsender und Filmstudios investieren in ihre Projekte viel Geld. Wenn aber jeder Fehltritt einen Millionenverlust bedeuten kann, schwindet die Bereitschaft, Neues auszuprobieren. Hierin liegt die Chance für Buzzfeed: Es dreht und dreht – und was bei den Zuschauern am Ende gut ankommt, wird ausgebaut. Nach diesem Prinzip entwickelt das Unternehmen gerade seinen ersten Kinofilm: Er beruht auf einer eigenen Viral-Geschichte, die mehr als 100 Millionen Menschen geteilt haben.

Buzzfeed will ins Kino – und in die Küche

Aber Buzzfeed will nicht nur ins Kino, sondern auch in die Küche. Vor zwei Jahren ging der Ableger Tasty an den Start. In wohl tausenden Rezept-Videos wird im Eiltempo gezeigt, wie man Hühnchen richtig zubereitet, Pizzabrot backt oder eine Schoko-Crêpes-Torte. Laut der Analyse-Plattform Tubular Labs zählt Tasty monatlich 2,3 Milliarden Videoaufrufe. Diese Reichweite bedeutet auch Einfluss: Als ein Grill-Hersteller für eine Werbekampagne sein Produkt in einem Tasty-Video für Jalapeño-Burger platzieren lässt, ist es in den gängigen Online-Shops innerhalb kurzer Zeit ausverkauft.

Tasty-Video: 7 Easy Chicken Dinners

Im vergangenen Jahr soll Tasty die Hälfte von Buzzfeeds Einnahmen ausgemacht haben, wie das amerikanische Branchenmagazin Adweek berichtete. Erst vor ein paar Tagen hat das Unternehmen den "Tasty One Top" angekündigt: eine Induktionsherdplatte, die in den USA zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt kommen soll. Das iPhone soll sich mit ihr verbinden, drahtlos über Bluetooth. In der Tasty-App können Nutzer dann ein Rezept auswählen, das entsprechende Kochprogramm wird automatisch an den Herd übertragen. Man muss eigentlich nur noch die richtigen Zutaten in den Topf werfen.

Ein Medienverlag, der nebenbei einen Online-Shop betreibt: Ganz neu ist das natürlich nicht. Auch die Wochenzeitung Die Zeit zum Beispiel hat einen. Sie verkauft dort Wein und Kunst. Doch so nah am eigenen Produkt – in diesem Fall den Rezept-Videos – ist das Angebot selten. Die Technik liefert ein Haushaltsgerätehersteller des Konzerns General Electric, dem auch das Medienunternehmen NBC Universal gehört. Auch die "Old Economy" hat das Potential von Buzzfeed erkannt. NBC Universal hat ganze 400 Millionen US-Dollar in Buzzfeed investiert.

Video: Buzzfeed stellt seinen Tasty One Top vor

Mittlerweile hat Peretti Ableger unter anderem in Brasilien, Indien und Berlin eröffnet. Adweek zitiert ihn: "Wenn etwas in einem Land wirklich funktioniert, lernen wir, es auf andere Länder zu übertragen." In elf Jahren hat er aus dem kleinen Unterhaltungsportal etwas geschaffen, das zu einem globalen Medienimperium werden könnte. Mehr zum Thema:
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