Vielfalt

Das sind die Höhepunkte der interkulturellen Woche in Emmendingen

Sylvia-Karina Jahn

Von Sylvia-Karina Jahn

Mi, 12. September 2018

Emmendingen

Höhepunkte der interkulturellen Woche in Emmendingen vom 21. September bis 3. Oktober.

EMMENDINGEN. Es ist eine schwierige Zeit, sagt Katharina Katt, Integrationsbeauftragte der Stadt. Wenn, siehe Chemnitz, rechtsextremistische Parolen salonfähig werden, brauche es Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus – wie die interkulturelle Woche unter dem Motto "Vielfalt verbindet", die vom 21. September bis 3. Oktober 22 Angebote zum Informieren und Mitmachen umfasst. Eines, der "Tanz um die Welt", bereichert das Einweihungsfest der neu gestalteten Karl-Friedrich-Straße.

Die Woche beginnt mit einem Festakt in der Steinhalle und sie endet mit einem Tag der offenen Moschee. Das ist das Besondere: Viele Akteure stammen selbst aus anderen Ländern und stellen diese und die Lebensweise vor. Katt nannte beispielsweise die Frauen, die das Internationale Frauenfrühstück ausrichten; am 22. September wollen sie Beautyrezepte aus aller Welt zeigen.

Tanz zum Mitmachen
An diesem Tag gibt es auch einen internationalen Tanzworkshop. Den stellt Tukta Wolfsperger vor. Vielfalt verbindet ist auch hier das Motto, denn Bauch- und indischer Fellachentanz werden genauso dabei sein wie eine Tanzgruppe aus Albanien und amerikanischer Line Dance, "richtig mit Cowboystiefeln und Hut". Das brauchen Anfänger noch nicht. "Jeder, der bis acht zählen kann, kann es ganz schnell lernen", sagt die Thailänderin optimistisch. Ihr ist noch etwas wichtig: Die interkulturelle Woche biete auch Ausländern untereinander die Chance, sich kennenzulernen.

Das chinesische Mondfest
Rund 60 Chinesen leben in Emmendingen, schätzt Yan Yang. Sie spricht für den in Gründung befindlichen chinesischen Verein, der sich erstmals an der interkulturellen Woche beteiligt. Der Verein biete beispielsweise Sprachkurse in der chinesischen Hochsprache Mandarin an, an denen bislang 15 bis 20 Kinder teilnähmen. Die Kurse finden bei der Diakonie statt. Yang lebt seit 2011 in Deutschland und seit einem guten Jahr in Emmendingen: "Ich fühle mich sehr wohl hier."

Bei der interkulturellen Woche wollen sie das chinesische Mondfest vorstellen. Eigentlich falle es auf den 15. August – nach dem alten chinesischen Mondkalender sei das der Herbstbeginn. Obst und Gemüse werden geerntet, man nehme sich Zeit für die Familie, erzählt Yan Yang. Zu essen gibt es traditionelle Mondkuchen, ein kleines Gebäck, das mit Süßigkeiten gefüllt wird. Das Bastelangebot für Kinder hat ebenfalls Tradition: Sie basteln Laternen in Hasenform und dazu gibt es eine Geschichte. Der Mond ist nämlich eine schöne Frau, und … Mehr dann beim Internationalen Picknick am 23. September! Die Großen dürfen sich an klassischer chinesischer Kalligrafie mit dem Pinsel versuchen. Und alle dürfen mal in traditionelle chinesische Kostüme schlüpfen.

Die Sprache als Schlüssel
Auch Informationen kommen nicht zu kurz. Ahmed Muhammed aus Syrien erklärt in seinem Vortrag "Volk ohne Heimat" am 28. September, warum so viele Kurden hier leben. Muhammed ist Bildungslotse, das heißt, er vermittelt Informationen der Schulen oder Kindergärten an Familien, die nicht genügend deutsch sprechen. Er selbst kam erst 2015 her, spricht aber nicht nur Arabisch, sondern auch Kurmandschi (Nordkurdisch) und hat hier sehr schnell Deutsch gelernt. Aktuell sucht er selbst eine Ausbildung.

Die Bildungslotsen sind ein Service der Stadt, wie Katt sagt – sie helfen so den Eltern, eigene Entscheidungen zu treffen. Die Sprache muss passen – es gibt viele Dialekte, beispielsweise Sorani (Zentralkurdisch) und türkisches Kurdisch.

Ja, Sprache ist der Schlüssel. Das sagt auch Gerd Heidiri, Teamleiter Integration beim Jobcenter. Und er sagt noch etwas: "Man merkt sofort, ob jemand einen an der Hand hat, der sich kümmert, ob im Betrieb oder ehrenamtlich." Deswegen gibt es in der Interkulturellen Woche auch einen Tag der Ehrenamtlichen (26. September). "Wir sind zum Glück von Chemnitz weit entfernt", sagt Katt. "Das zivilgesellschaftliche Engagement ist sehr ausgeprägt in Emmendingen."