Den richtigen Beruf finden

Susanne Müller

Von Susanne Müller

Sa, 10. November 2018

Bad Krozingen

Jobstartbörse in Bad Krozingen zieht in diesem Jahr auch Schüler aus dem Elsass an.

BAD KROZINGEN. Vergangenes Jahr stand anlässlich der Jobstartbörse der Bau-Bus Baden-Württemberg vor den Toren der Sporthalle am Bad Krozinger Südring. Am gestrigen Freitag waren es zwei französische Reisebusse. Denn unter den rund 600 Berufsanwärtern auf der 26. Jobstartbörse waren auch 65 Schüler aus dem Elsass.

Neben dem grenzüberschreitenden Faktor machte sich im Vorfeld auch der Trend zur Digitalisierung bemerkbar. Erstmals meldeten sich die Schulabgänger über ein Online-Modul für die Berufspräsentationen bei der Jobstartbörse an. Das neue Angebot, das analog zur Ferienpassanmeldung im Sommer in Kooperation mit der Stadt und der Max-Planck-Realschule (MPR) entstand, kam nach den Worten von Realschulrektorin Sabine Stein gut an. Zwar stecke eine Menge Aufbauarbeit drin, doch nun steht das Tool und künftig werde es einfacher damit.

Nur die 65 Schüler, die aus dem Elsass angereist waren, machten davon noch keinen Gebrauch. "Wir arbeiten daran, dass das nächstes Mal auch klappt", erklärte Tobias Fahrländer, Experte in Sachen grenzüberschreitender Kooperation beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. Er war bereits im vergangenen Jahr vor Ort auf der Jobstartbörse und konnte sich nun davon überzeugen, dass die länderübergreifenden Anstrengungen gemeinsam mit der Stadt Früchte tragen. Aus Fessenheim, Ottmarsheim und Volgelsheim waren jeweils rund 20 Schüler vor Ort. Nach Auskunft der französischen Pädagogen, auf die am Nachmittag, nach dem Ausflug noch einige Stunden regulärer Unterricht warteten, gibt es bei ihrem Schulsystem einen Vorteil für den Nachwuchs. Deutsch als Fremdsprache werde in der Grundschule intensiver unterrichtet, als in Deutschland, das Verhältnis kehre sich jedoch in der Oberstufe dann um. Dabei sind die Sprachkenntnisse für deutsche Betriebe entscheidend. Im therapeutischen Schulungszentrum für Krankengymnastik und Physiotherapie, Phytheras Bad Krozingen, nimmt der französische Nachwuchs nach Angaben der Einrichtungsleiterin sogar zwischen 80 und 90 Prozent ein. Die Sprachbarriere spiele dabei kaum eine Rolle, auch wenn der Unterricht auf Deutsch erfolge. Anziehend wirkt die EU-weit anerkannte Ausbildung auch aufgrund der höheren Anforderungen im Nachbarland. So müssten in Frankreich die Auszubildenden noch ein Jahr lang ein medizinisches Studium absolvieren.

Laut der Auswertung des Gewerbeverbandes war die Nachfrage nach technischen Berufen in diesem Jahr groß, neben Polizei, Gastronomie und Forstwirtschaft. Bei den Hotelberufen sah sich etwa Schülerin Leonie aus Ballrechten-Dottingen um, außerdem bei der Bäckerei und bei Aldi. Sie besucht die Schule in Schliengen und möchte eigentlich Erzieherin werden. "Auf jeden Fall was mit Kindern", meinte sie. Die Chancen dafür schätzt sie gut ein, sie hat bereits Kontakte zu Kindergärten und auch schon ein Praktikum absolviert.

Ralph Voss von der AOK, neben Gewerbeverband und MPR Mitorganisator der Jobstartbörse, verzeichnete am Freitag gegen Mittag bereits drei Praktikumsanfragen von Realschülern. "Sie bekommen von uns eine Visitenkarte und wer dann zuerst auf uns zukommt, hat die Chance bei uns reinzuschnuppern."

Anders läuft es in Sachen Praktikum bei Hekatron in Sulzburg. Da, so berichten Auszubildende am Stand, müsse man sich schriftlich darum bewerben, und komme mit etwas Glück in eine der beiden jährlichen Praktikumswochen.