Denkmal-Tag als kleines Volksfest

Roland Gutjahr

Von Roland Gutjahr

Mi, 12. September 2018

Elzach

Hammerschmiede und Landwasserhof-Mühle zogen in Oberprechtal am Sonntag ganze Scharen an / Spaß auch beim Spechten .

ELZACH-OBERPRECHTAL. Sie finden von Jahr zu Jahr immer mehr Interessierte, die neugierig kommen und meist mit Bewunderung für das Erhaltene und zum Teil mit viel Liebe restaurierte "Leben" der Kulturdenkmale Einiges aus Geschichte und faszinierender Mechanik lernen und danach immer hocherfreut von dannen ziehen. Diesen Eindruck hatte man beim zum dritten Mal dort abgehaltenen "Tag des offenen Denkmals" an der Oberprechtäler Hammerschmiede und der Landwasserhof-Mühle.

Gleich vorneweg: Die jährliche Aktion wird bundesweit von der Stiftung Denkmalschutz initiiert, doch es sind "die Leutchen vor Ort", die das alles zum erlebnisreichen Besuch werden lassen. So war schon im Vorfeld der Förderverein der Hammerschmiede recht gefordert, während oben, fast am Landwassereck, die Familie Moser sich auf den Besuch in der Landwasserhof-Mühle vorbereitete, den Josef Spath mit seinem "Schützenexpress" mittags auf die Höhe brachte.

Bevor es zur Mühlenbesichtigung ging, lachte das Herz vor Freude: Gleich am Eingang wurde man von Fritz Moser und seiner Mutter Erika mit einem Glas Most bester Güte begrüßt. Da Vater Hermann die Mühle gemütlich vor sich hin mahlen ließ, war nach einem mehlig-staubigen Durchgang so ein kühles Mostschorle auf keinen Fall zu verachten.
Echte Schmiedearbeit war währenddessen in der Hammerschmiede zu bewundern: Mit erstaunlichen Fertigkeiten zeigten die Schmiede Anton Winterer, Alfred Reichenbach und Thomas Gehring, dass sie aus einem rohen Stück Metall mit klobigen Hämmern auf dem Amboss sogar ein feingliedriges Mini-Schmiedeisen "zaubern" können. Zwischendurch erklärten Manfred und Jörg Herr sowie Karlheinz Disch den Gästen die Arbeitsabläufe an den Maschinen, die alle zentral über Transmissionsriemen gesteuert werden.

Wie im Schmiedegebäude mit dem alte, traditionsreichem Handwerk, so ging es davor weiter: Kathrin Kimmig von der neugegründeten Strohmanufaktur Schonach war mit der ganzen Familie in herr-lichster Schonacher Sonntagstracht zu den "Däälern" runter gefahren, um die Herstellung von Strohartikeln vorzuführen. Und das alles in ihrer Tracht, die trotz Hitze auch die Kinder eisern trugen.

Noch ein Stand war stets umlagert: Arnold Biehrer, der sich das Korbflechten beigebracht hat, zeigte die Herstellung einer "Holz-Zaine" und hatte eine "Bütteme" zur Wässerung der Weiden dabei. Er hätte sein fertiges Produkt an diesem Nachmittag zigmal verkaufen können.

Dann war es aber auch mal Zeit, sich ums leibliche Wohl zu kümmern. Der Ski-Club bewirtete, die Bedienungen hatten jede Menge zu tun, und mancher träumt heut’ noch von einer deftigen badischen Mahlzeit mit Brägeli, selbstgebackenem Zwiebelkuchen und dazu einem Kaiserstühler. Bei soviel "lebendigem Denkmal" und Köstlichkeiten, untermalt von der Musik von Tobias Jäkle, kam fast schon Volksfeststimmung auf.

Ach ja, dann war da noch etwas, auf abgesteckten Wettkampfflächen auf der Nachbarwiese: Das Spechten, ein altes Hirtenbubenspiel. Erst wurden die Mitglieder einer Jury bestimmt, die es als "Senior-Hirtenbuben" am besten wissen mussten: Augustin Moser und August Allgeier. Obwohl sie alles gut im Blick hatten, wurden sie immer wieder von alten "Besserwissern" berichtigt. Das gab dem Spechten aber erst einen heiteren Anstrich, es kamen keinerlei wettkämpferische Reibereien auf. "So het’s jo miesse kumme", hörte man von einigen Teilnehmern, die nicht in die Endrunden kamen. Der Vorsitzende des Fördervereins Hammerschmiede, Albert Storz, sprach bei der Siegerehrung dann auch ernsthaft vom "ersten Badischen Specht-Meister". Dazu hatte sich Manfred Herr vor Berthold Gehring und Hans Moser (Mühli) herausgespechtet. Bei der Jugend heißt der Meister Niclas Jäkle vor Marco Herr. Und mit Dominique Staiger und Myriam (aus Waltershofen) waren auch zwei Frauen dabei. Ach ja, wo gibt es dies heute noch: Ein interessantes Spiel, das keinen Cent kostet und riesig Spaß macht!