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20. April 2015 11:48 Uhr

World-Klapp 2015

Männerquartett startet beim ersten 24-Stunden-Klapprad-Rennen

Ein Männerquartett aus Denzlingen und Freiburg startet beim ersten 24-Stunden-Rennen für Klappräder. Was es damit auf sich hat und warum ein Schnauzer obligatorisch ist, erklärt ein Rennfahrer im BZ-Interview.

  1. Das Team (von hinten links): Dr. Hanebüch alias Oliver Baur, Günther Krass alias Dominik Rombach, Heinrich Sehr Schnell alias Markus Decker und (vorne kniend) Kalle Klapplewski alias Thorsten Fuchs. Foto: Andreas Lörcher

  2. Dominik Rombach aus Denzlingen Foto: Andreas Lörcher

Klappräder und Schnäuzer sind das Aushängeschild des 24-Stunden-Rennens im pfälzischen Schopp. Beim "World-Klapp 2015" mit Schirmherr n König Céphas Bansah aus Ghana, der in Ludwigshafen lebt, gehen am 1. Mai auch vier Sportler aus der Region als Radsportmannschaft Breisgauperlen GbR ins Rennen. Dominik Rombach aus Denzlingen erzählt BZ-Mitarbeiterin Sophia Hesser von den mehr oder weniger ernsthaften Vorbereitungen für den großen "klapprigen" Tag.

BZ: Herr Rombach, steht der Schnauzbart schon?

Dominik Rombach: Ja, der steht zusammen mit dem sonstigen Bartwuchs bereits und wird dann noch vor dem Rennen zurechtgestutzt.

BZ: Man darf laut Oberlippenbartverordnung nur mit Schnauzer teilnehmen, ist das nicht frauenfeindlich?

Rombach: Frauen können, wenn nötig, beim Amtsfrisör Rainer Klapp eine Oberlippenbartunfähigkeitsbescheinigung beantragen und mit künstlichem Oberlippenbart dennoch beim Rennen teilnehmen. Die Behaarung soll eben an die 70-er und 80-er Jahre erinnern, als der Schnäuzer noch "In" war.

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BZ: Ist ein schrilles Outfit, wie das regenbogenfarbene Trikot und die pinke Kappe auf Ihrem PR-Foto, auch Startbedingung?

Rombach: Nein, aber ich bin einer der letzten Aktiven des Radsportvereins Denzlingen Breisgauperlen und Jugendtrainer. Dadurch habe ich Zugang zum Vereinsheim und kann dort stöbern – man findet dort etwa die schicken 80-er Jahre-Trikots in Blau-Weiß, mit denen wir an den Start gehen werden. Offiziell hat unsere Truppe aber nichts mit dem Verein zu tun, wir haben den Namen angenommen, um den alten Verein in Erinnerung zu rufen. Es ist schade, dass er untergeht.

BZ: Nehmen Sie zum ersten Mal beim Rennen teil?

Rombach: Ja, unser Mitglied Dr. Hanebüch, im wahren Leben Oliver Baur, hat einen Fahrradladen und ist außerdem Schrottkünstler und hat Horst im Auftrag des Klappvereins Pfalz erschaffen. "Horst" ist der Siegerpokal des in diesem Jahr zum ersten Mal stattfindenden 24-Stunden-Rennens – ein Klappradfahrer mit Schnäuzer aus Schrott. Da kam die Idee auf, auch selbst daran teilzunehmen.

BZ: Wie lauten die Regeln des 24-Stunden-Klappradrennens, muss der Schnäuzer besonders schön sein?

Rombach: Zunächst gibt es natürlich die Regel "Ohne Bart, kein Start". Das Rad inklusive Lenker muss original und mindestens 30 Jahre alt sein, was extrem schwierig ist, weil deren Zustand meist sehr schlecht ist. Der Klappmechanismus muss funktionieren. Es ist nur ein Gang erlaubt, die Klappräder dürfen also keine Gangschaltung haben. Die Laufradgröße muss 20 Zoll betragen. Pro Mannschaft gibt es vier Fahrer, von denen ein Fahrer auf der Bahn sein darf. Wie gewechselt wird ist egal.

BZ: Bis zum Rennen sind es nicht mal mehr zwei Wochen – wie sieht das Trainingsprogramm aus?

Rombach: Es wird nicht mehr rasiert. Seit Mitte April ist das bei uns verboten. Wir trainieren die Grundlagen, fahren also viel Renn- und Klapprad, vor allem Vollgas. Da wir einen stündlichen Fahrerwechsel beim Rennen einhalten wollen, loten wir unser einstündiges Limit aus. Auch das Fahren in der Nacht muss geübt werden: Wir fahren auch um drei Uhr Vollgas auf dem Klapprad zwischen Freiburg und Denzlingen umher.

BZ: Da ernten Sie sicher verwunderte Blicke …

Rombach: Nun ja, (lacht) nachts weniger. Aber tagsüber wundern sich die Leute schon wenn vier Männer auf Klapprädern Rennradfahrer überholen – wir haben durchaus Geschwindigkeiten von über 30 Stundenkilometern drauf. Die Räder sind bis zum Anschlag getuned. Wir haben alle selbst Hand angelegt, da wir in der Fahrradbranche arbeiten. Beim Rennen wollen und können wir somit eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 33 Stundenkilometern einhalten.

BZ: Ihre Startnamen sind etwas außergewöhnlich.

Rombach: Die Namen entstanden bei einer ausgelassenen Mannschaftssitzung nach Feierabend. Oliver Baur ist unser Dr. Hanebüch, da er Entscheider der Truppe ist. Unser Zugpferd ist Heinrich Sehr Schnell alias Markus Decker, der Langstreckenerfahrer ist. Thorsten Fuchs’ Startname Kalle Klapplewski spricht für sich. Ich bin der mentale Mentor der Gruppe und deshalb Günter Krass. Der Name entstand schon lange vor dem Tod des Schriftstellers und soll nicht als Diffamierung verstanden werden.

BZ: Wie wichtig ist für die Mannschaft, "Horst" heim zu holen?

Rombach: Es wäre natürlich schön, wenn der Erschaffer selbst einmal "Horst" mit nach Hause nehmen könnte. Wir wissen allerdings nicht wie stark die Konkurrenz ist. Wir hoffen unter die Top fünf zu kommen und fahren klar auf Sieg.
Zur Person

Dominik Rombach ist 34 Jahre alt und wohnt in Denzlingen. Er ist gelernter Werkzeugmechaniker und arbeitet als Filialleiter im Radgeschäft Dynamo in Freiburg.

Autor: Sophia Hesser