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04. Februar 2011

Vom Leben in seinen Schattierungen

Die Denzlingerin Carola Horstmann hat jetzt ein Buch mit alemannischen Gedichten verfasst / Lesung in der Mediathek.

  1. Mit "Däsche us schnee" veröffentlicht die Denzlinger Autorin Carola Horstmann nun ihr zweites Buch in alemannischer Sprache. Nach ihrem Prosabändchen präsentiert die 62-Jährige nun eine Gedichtsammlung Foto: Markus Zimmermann

DENZLINGEN. Geschichten erzählte Carola Horstmann in ihrem "erschte richtige Büechli", dem im Dezember 2007 erschienenen "katzegrabschtai". Jetzt folgt mit einem Lyrikband das Pendant, "die Abrundung dazu". Der im Drey Verlag erschienene Gedichtband "däsche us schnee" wird am Freitag, 11. Februar, von 20 Uhr an in der Mediathek vorgestellt.

"Es ist mein zweites literarisches Kind", sagt Carola Horstmann von ihrem Gedichtband. Dabei sei es eben so verschieden, wie Kinder sein können, sieht sie es deutlich anders als ihr Prosabändchen. "Gedichte schreiben, das ist ein ganz anderer Prozess, der ganz kurz, aber manchmal auch ganz lange gehen kann", erklärt die 62-Jährige. Die stimmigen Worte für wenige Zeilen zu finden, das könne manchmal jahrelang dauern. Inspiration, Anregungen zum Dichten, findet sie oft in der Natur. "Wenn ich laufe, bin ich ungestört und ganz offen", erklärt sie. Offen dafür, "von einer Stimmung, einem Gefühl angesprochen zu werden". Am Prozess des Dichtens fasziniert sie dann, in wie viele Richtungen dieser führen kann. So war es schon mit ihrem ersten Gedicht auf Alemannisch, mit dem sie den Wettbewerb von Badischer Zeitung, SWR und der Muettersproch-Gsellschaft 2005 gewinnen konnte. Mit Bildhauen vergleicht sie den Schöpfungsprozess des Dichtens. Entscheiden müsse der Autor, was er weg lässt, was er behält, welche Fariante er wählt. "Was ausschlaggebend dafür ist, weiß ich nicht", so Carola Horstmann.

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Ob sie einen Gedichtband in alemannischer Sprache veröffentlichen solle, habe sie sich schwer überlegt. "Es gibt so schon wenige Gedichte, in alemannisch noch viel weniger", erklärt sie. Außerdem werde dem alemannischen Gedicht nicht viel zugetraut, leide es immer noch unter der Erwartung von "Sternle und Blümle". Dabei gebe es durchaus respektable alemannische Dichter. Angefragt worden sei sie auch, ob sie ein Hörbuch machen wolle, "doch eine CD ist für mich keine Ersatz für ein Buch". Auch nicht, wenn ein kleines Booklet dazu gehört, was allein schon in der Form den Gedichten nie gerecht werden könne. Das Buch sei dann mit Hilfe des Fördervereins deutscher Schriftsteller Baden-Württemberg realisiert worden.

"Gerade ein Gedichtband braucht den Prozess zwischen Buch und Leser", ist sich Carola Horstmann sicher, dass ihr neues Buch ganz anders gelesen werde und auch andere Freunde finde, als ihr Erstes. Fein und vielschichtig, gelte es die Gedichte immer wieder neu sprechen zu lassen. "Gedichte bedienen nicht Interesse, sie verlangen es", so die Autorin. Unverzichtbar dabei sei die Offenheit, der "Wunderfitz" des Lesers.

"Wenn es nicht aufgeschrieben wird, ist es fort", verteidigt Carola Horstmann die Verschriftlichung des alemannischen Dialekts. Wenn auch viel über die Schreibweise diskutiert und gestritten werde. Wichtig sei, dass das Alemannisch beim Schreiben nicht unleserlich werde. Darauf habe schon Johann Peter Hebel sehr geachtet. Außerdem müsse ein Autor in seiner Schreibe, in seiner Sprache gleich bleiben. "Das ist gar nicht so einfach", dankt sie ihrem Lektor, der auch darauf ein Auge hatte.

Schwierig sei es ihr gefallen, Kapitelüberschriften zu finden. Anfangs seien es 16 gewesen. "Viel zu viel" habe ihr Verleger erklärt. Jetzt sind es sechs, die den Bogen spannen von der "kinderzitt" bis zu "lache un hüüle". Knapp 80 Seiten, auf denen sich Spuren des Lebens in allen Schattierungen finden lassen. Gewidmet hat die Autorin das Buch ihrer Mutter. Sie war es, die die im Wiesental Geborene zurückgeführt hat in die Sprache ihrer Kindheit. Gerne hätte Carola Hostmann der Mutter die Widmung noch gezeigt.

Ein neues Feld hat sie aufgetan mit ihrem Buch, doch es ist auch ein "gewisser Abschluss". Ein weiteres ist vorerst nicht geplant. Anderen Wegen des künstlerischen Schaffens will Carola Horstmann sich zuwenden, doch der Sprache von Johann Peter Hebel wird sie auch dabei verbunden bleiben. Weil das Alemannische auch heute noch viel zu sagen hat. "Schriibe au für hüt, nit nur vo geschtern un vorgeschtern", so die Autorin auf ihrer Homepage.

Carola Horstmann: "däsche us schnee"

Alemannische Gedichte, Drey Verlag Gutach, ISBN: 978-3-933765-57-4

Autor: Markus Zimmermann