Großprojekt

Der 170.000 Euro teure Sandstein an der neuen Kronenbrücke ist bereits mit Graffiti besprüht

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Fr, 07. September 2018 um 16:03 Uhr

Freiburg

Die Kronenbrücke ist noch nicht fertig, da ist sie schon beschmiert. Warum verziert die Stadt das Bauwerk überhaupt mit Sandstein, ist das nicht ein teurer Malgrund? Die Antwort: aus historischen und ästhetischen Gründen.

An der Kronenbrücke läuft der Endspurt, oben asphaltieren die Bautrupps den Anschluss an die B 31, unten verblenden sie die Ufermauern mit Sandstein. Und noch während sie arbeiten, sind schon einige Riesenbuchstaben darauf gesprayt. Da verwundert es, dass Kosten und Mühen auf das Verblenden verwendet werden.

Je näher an der Altstadt desto hochwertiger die Bodenbeläge

Ein Grund dafür: Das war schon immer so. Auch das alte Elefantenklo war in den 60er Jahren mit rotem Naturstein verblendet worden. "So wie alle Ingenieurbauwerke in der Innenstadt", erklärt auf BZ-Anfrage Martina Schickle, Sprecherin der Stadtverwaltung. Die versuche, den öffentlichen Raum möglichst hochwertig zu gestalten – mit Abstufungen: Je näher an der Altstadt, um so besser werden Bauwerke, Bodenbeläge und Mauern, so die Sprecherin.



Der Sandstein an der neuen Kronenbrücke kostet rund 170.000 Euro, sagte Schickle. Das Bauwerk ist Teil des Großprojekts Rottecktram, die 66,5 Millionen Euro teure Stadtbahnlinie samt Umgestaltung der Innenstadt. Weil die mächtige Brücke an prominenter Stelle steht, sei sie auch nach ästhetischen Aspekten geplant und gebaut worden.

Anti-Graffiti-Schutz soll angebracht werden

Auch beim Mariensteg flussaufwärts war kurz nach der Verbreiterung der Durchfahrt die neue Sandsteinverkleidung großflächig vollgesprayt worden. Die Farbschmiererei an der Kronenbrücke hat das Garten- und Tiefbauamt als Sachbeschädigung angezeigt. Das Amt will am Stein einen Anti-Graffiti-Schutz aufbringen, sagte Martina Schickle: "Dazu muss aber eine größere Fläche fertiggestellt sein." Der Schutz lässt den Lack zwar nicht abperlen, aber immerhin leichter wegputzen.

Seit 2015 wird an der Brücke über die Dreisam gearbeitet. Und seit Dienstag asphaltieren die Straßenbauer die B 31 in dem Bereich. Der Verkehr musste sich bis Freitagnachmittag am Südufer über eine Spur schieben. Das Tiefbauamt hatte vor den Behinderungen gewarnt – trotzdem erwischte es die meisten Verkehrsteilnehmer kalt: Sie kamen auf Freiburgs Hauptverkehrsschlagader von West nach Ost kaum voran und brauchen Geduld, manche berichteten von einer Stunde im Stau.

Am anderen Ufer, in der Schreiberstraße, sollen bis auf kurze Ausnahmen zwei Spuren der B 31 offen bleiben. Wegen der Arbeiten ist nicht überall Ab- oder Einbiegen möglich. Fußgänger und Radler können die Kronenbrücke weiter auf der Ostseite nutzen.

Das Tiefbauamt hatte die Arbeiten extra noch in die verkehrsärmeren Ferien gelegt. Normal nutzen werktags gut 40.000 Fahrzeuge die stauanfällige B 31.

Fahrbahnmarkierungen folgen als nächstes

Verkehrsteilnehmer können sich gleich auf neue Unbill einstellen: Im Anschluss erfolgt die Fahrbahnmarkierung, und am 13. September werden auf beiden Seiten der Brücke neue Baufelder für die nächsten Arbeiten eingerichtet. Bis November können Garten- und östliche Erbprinzenstraße sowie Kronen- und Goethestraße nur noch über Umwege angefahren werden.

Die Brücke soll bis Jahresende fertig und elektrifiziert sein. Das Tiefbauamt will sie bereits Mitte Dezember für den Individualverkehr freigeben. In der Straßenbahn können Fahrgäste erst im März darüber fahren: Die VAG muss erst ihr Personal auf der Strecke schulen.

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