Der Ehrenamtsverein ist gefordert

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

Mo, 30. Juli 2018

Tennis

Zwei Heimsiege verändern für den TC BW Oberweier die Perspektiven in der Zweiten Bundesliga im Tennis.

TENNIS 2. Bundesliga Süd: TC BW Oberweier – Spvgg Hainsacker 6:3. "Damit sind wir durch", Teamchef Oliver Killeweit rutschte dieser Satz einfach so raus – um ihn gleich etwas abzuschwächen. "Das war ein ganz wichtiger Erfolg." Egal. Nach dem 5:4-Erfolg vom Freitag gegen den TSV Rosenheim, wir berichteten, hat sich die sportliche Lage des TC BW mit dem zweiten Sieg des Wochenendes deutlich verbessert: Rang drei zur Hälfte der Saison.

Die direkte Vorbereitung auf dieses Heimspiel war mindesten genauso spannend, wie der Verlauf am Sonntag. Spitzenspieler Christian Lindell berichtete zuerst aus Venedig vom abgesagten Flug nach Frankfurt, um drei Stunden später doch noch in Zürich zu landen. Das fordert die Organisation. Aber der Einsatz lohnte sich. Der Schwede nahm die Vorlagen durch Erfolge von Andrej Kracman und Felipe Mantilla dankbar auf. Der 26-Jährige dominierte mit seinen starken Aufschlägen Alexander Lazov im Spitzeneinzel. Jeweils nach seinem ersten Break folgte die Entscheidung zum 6:2, 6:2.

Kaum war der Jubel über den Erfolg zum 3:2 gegen Hainsacker an der Palmengasse verklungen, drehte Paul Wörner sein Spiel im Match-Tiebreak. Damit war nicht zu rechnen, hatte er doch im zweiten Satz seine spielerische Linie verloren. Der 21-Jährige steckte zwei Aufschlagverluste zum 4:5 weg, um angefeuert von den rund 450 Zuschauern danach keine Schwäche mehr zu zeigen. Dennoch stand der Mannschaftserfolg nach dem 4:2 nach den Einzeln auf wackeligen Beinen. Mantilla/Kracman war die Aufgabe für den Siegpunkt zugeteilt. 6:0 im ersten Satz, 3:1 … und dann riss der Faden total. Das Duo rettete sich in den Tiebreak, führte 3:0, um beim 5:4 zittern zu müssen. Mit 7:4 brachten sie das Entscheidungsspiel heim. Der Mannschaftserfolg war gesichert. Die beiden Eigengewächse Adrian Obert und Paul Wörner setzten kurze Zeit später den finalen Punkt zum 6:3-Erfolg. Mit 11:9 im Match-Tiebreak.

Das Modell Oberweier findet weiter Zuspruch

Es ist schwer, Erfolg im Umfeld eines Spitzensportvereins auszuloten. Da bleiben zuerst einmal die Parameter, die sich über nackte Ergebnisse und eine daraus folgende Rangordnung ergeben. Das heißt beim TC BW Oberweier: Der Verein bleibt wohl zweitklassig. Das ist keine Abwertung, auch wenn es sich erst einmal danach anhört. Dies ist ein Qualitätsmerkmal, zumal es mit recht viel Handgestrickten zustande kommt.

Im ersten Jahr feuerte Euphorie vieles an. Die Sorgen um den Klassenerhalt waren schnell hinter sich gelassen, die Fans kamen. Eine Bilanz, die im zweiten Jahr zu etwas mehr Disziplin forderte. Das von Teammanager Oliver Killeweit gewählte Bild für seinen Verein, der SC Freiburg im Tennis, hat etwas. Der Ungar Attila Balazs (ATP 174 in 2017) und der Russe Alexey Vatutin (ATP 267) waren die beiden Protagonisten auf dem roten Sand vor Jahresfrist. Der 25 Jahre alte Russe stand Anfang der Saison auf Rang 136 der Weltrangliste. Der 29-jährige Ungar grüßt aktuell von Position 153 mit einer starken Jahresbilanz von 43 Siegen bei nur 18 Niederlagen. Seine neue sportliche Heimat ist der Bundesligist Tennis Ewige Liebe BW Neuss. Dabei ist er dem Vernehmen nach auch finanziell in Dimensionen aufgestiegen, die Oberweierer Möglichkeiten deutlich sprengen. Knapp 2000 Euro soll sich der Erstligist den Einsatz seines Spitzenspielers pro Spieltag kosten lassen. Vor einem Jahr taxierte Oliver Killeweit den eigenen Etat für die Saison mit 40 000 bis 50 000 Euro. Es ist nicht mehr geworden.

Dieses Beispiel zeigt das Räderwerk Spitzentennis auf. Es bedarf eines intakten Netzwerks, um Spieler in einem Moment an sich zu binden, wo sie noch leistbar sind. Dies wird die Herausforderung für den TC BW Oberweier bleiben. Eine Bestätigung auf diesem Weg wurde bereits erreicht. Auf finanziellem Sektor. Ein begeisterter Zuschauer stellte den Kontakt zum Münchner Energieversorger BEV her. Am Freitag machte sich der für Sportsponsoring zuständige Alexander Dorn ein Bild, wie sich die seit Juni vorerst für ein Jahr geltende Zusammenarbeit als Hauptsponsor gestaltet. "Jeder hilft, jeder packt an. Das erzeugt eine Atmosphäre, die sich positiv abhebt", sagt der 44-Jährige und sieht die Entscheidung des erst 2013 gegründeten Unternehmens bestätigt, sich neben Volleyball auch im Tennis zu engagieren.

Mit den Münchnern erlebt der TC BW eine unbekannte Qualität der Zusammenarbeit. "Sehr professionell", lobt Killeweit, wohl wissend, dass dies auch den "Ehrenamtsverein", wie er sagt, fordern wird.

Kompakt: Lindell – Lazov 6:2, 6:2; Mantilla – Endara 7:6, 6:3; Wörner – Arauzo Martinez 6:3, 2:6 10:5; Obert – Klengou 3:6, 3:6; Capalbo – Florez 2:6, 3:6; Kracman – Grassi 6:4 6:3; Lindell/Bauer – Lazov/Klegou 2:6, 2:6; Wörner/Obert – Endara/Florez 6:3, 4:6, 11:9; Mantilla/Kracman – Arauzo Martinez/Grassi 6:0, 7:6.