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07. Januar 2009 16:19 Uhr

Wenn sich die Menschen auf dem Titisee tummmeln

Der Eisretter ist die letzte Rettung

Kalt ist es an diesem Abend, eisig kalt. Der Titisee ist zugefroren und dünn mit Schnee bedeckt. Am Auslauf ist noch ein wenig Wasser zu sehen, "ein dunkles Loch", wie die Feuerwehrleute später sagen. Der Verlockung, auf das Eis zu gehen, spannt sich ein rot-weißes Flatterband entlang der Promenade entgegen, und ein Schild verkündet, dass das Betreten der Eisfläche aus Sicherheitsgründen verboten ist. Da zuckt Blaulicht auf.

  1. Die Feuerwehrleute üben mit dem Eisretter. Foto: Eva Korinth

  2. Bernhard Tritschler Foto: Eva Korinth

  3. Die Feuerwehrleute üben mit dem Eisretter. Foto: Eva Korinth

  4. Die Feuerwehr Neustadt sorgt dafür, dass der Eisweiher in der Wälderstadt in bestem Zustand ist. Foto: max spiegelhalter

TITISEE-NEUSTADT. Ein Feuerwehrauto rollt heran, ein Mannschaftswagen mit Anhänger folgt. Männer in blauen Uniformen und orangefarbenen Mänteln steigen aus und holen ein rotes Plastiketwas mit zwei hellen Geländern aus dem Hänger, rennen zum Ufer, klappen es auf. Es sieht aus wie ein plumper Katamaran ohne Segel und Ruder: Zwei übergroße Plastikschwimmer, verbunden durch zwei Stangen, auf jeder Seite ein Geländer; ein rotes Paddel, ein großer Gurt und ein 250 Meter langes Seil. Die Abteilung Titisee hat Eisretterübung. Die Züge eins bis drei sammeln Erfahrung, einige Spaziergänger halten inne.

Während der kurzen Einführung, wie der Eisretter zu handhaben ist, gibt es plötzlich eine heftige Bewegung, ein Ausrutschen, Wasser spritzt auf. "Jesses", schallt es laut. Einer der Feuerwehrleute ist im Eifer des Zuhörens auf den Eisrand getreten und eingebrochen. Alle hat ein unverhoffter Schrecken durchfahren.

Jeder muss ein Gefühl für den Eisretter bekommen

Einer, der den Eisretter bereits im Ernstfall benutzt hat, ist Kommandant Bernhard Trischler. Er hört genau zu, was gesagt wird. Und gibt dann die Aufgabe, dass jeder der Männer einmal mit dem Eisretter zum "schwarzen Loch" geht, dort ins Wasser rutscht und übt, über die Eiskante auf die Eisfläche zu kommen.

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Das ist gar nicht so einfach. Und immer ist der Gedanke dabei einzubrechen. Das Körpergewicht wird über die Arme und die Geländer auf die Schwimmer verteilt, während der Übende in dem Zwischenraum auf dem Eis vorwärts marschiert. Auf dem Wasser schwimmend, steht man auf den Schwimmern und bewegt sich mit einem Paddel vorwärts. Jeder Feuerwehrmann ist mit einem Seil gesichert. Wackelig sieht es aus. "Es ist wichtig, dass jeder ein Gefühl für den Eisretter bekommt", sagt Tritschler. Geübt wird auch, wie ein Eingebrochener, der sich nicht aus eigener Kraft an einer der beiden Querstangen des Eisretters festhalten kann, eingegurtet wird. Zwei Handgriffe und der Klettverschluss ist zu. Dann zieht der Retter die Gurtenden die beiden Geländerstangen hoch, der zu Rettende wird durch Hebelwirkung aus dem Wasser gehoben, bis die Hälfte seines Gewichts auf dem Eisretter liegt. Fertig. Ein Zeichen an die Männer am anderen Ende des Zugseils, und los geht es Richtung Ufer.

Notfalls muss die ganze Mannschaft auf das Eis hinaus

Zwei mal im Winter wird geübt. Die derzeitigen Bedingungen sind zu gut, das Eis ist fast zu dick, es trägt tadellos. Für Übungszwecke sei es am besten, sagt Tritschler, wenn das Eis dünn ist und leicht breche. Das gebe das richtige Gefühl. Der Eisretter sei ideal: Er benötigt drei Männer, einen der mit dem Gerät zu den Eingebrochenen marschiert und zwei, die am anderen Ende des Zugseils stehen. "Es braucht keine Extraausbildung, nur eine Schwimmweste!", sagt Tritschler, "und die Handhabung ist sehr einfach."

Ein Vierteljahr nach Anschaffung des Eisretters kam es zum Ernstfall, ein Mann und eine Frau brachen ein. Der Mann bewegte sich laufend, die Frau klammerte sich an eine ihr zugeworfene Leiter. Es habe nach der Alarmierung keine drei Minuten gedauert, dann sei er mit dem Eisretter auf dem See zur Unfallstelle unterwegs gewesen, erinnert sich Tritschler. "Ganz wichtig", betont er mehrmals, "ist es, dass sich die Eingebrochenen ruhig verhalten und sich nicht bewegen." Der Körper kühle sonst zu sehr aus. Der Mann starb kurz nach seiner Rettung an Unterkühlung, die Frau hat überlebt.

"Schnell, sehr schnell muss es gehen, wenn jemand im Eis einbricht", weiß Tritschler. Wenn drei Feuerwehrleute beieinander sind, geht es los mit dem Eisretter auf den Anhänger. Unterwegs wird abgesprochen, wer auf das Eis geht und wer am Seil steht. Liegt die Einbruchstelle weiter entfernt als das Rückholseil lang ist, muss die ganze Mannschaft auf das Eis, so weit, wie es eben geht. Der Eisretter trägt zwölf Personen, das hat man probiert, aber dann "fitscht er weg".

Ein Feuerwehrmann nach dem anderen geht mit dem Eisretter zum Wasser und kommt wieder heil zurück. Dann, nach einer guten Stunde, ist die Übung zu Ende. Schnell ist der Eisretter zusammengeklappt und im Hänger verstaut. Einsatzbereit für den nächsten Einsatz, hoffentlich auch wieder nur eine Übung.

Autor: Eva Korinth