Der Jobboom geht weiter

Klaus Tscharnke

Von Klaus Tscharnke

Do, 04. Januar 2018

Wirtschaft

Experten sind sich aber uneins darüber, in welchem Ausmaß die Arbeitslosigkeit sinken wird.

NÜRNBERG. Zumindest in einem sind sich die Experten einig: Deutschlands Jobboom wird auch 2018 weitergehen. Beim Tempo, mit dem die Arbeitslosenzahl weiter sinken wird, sind die Arbeitsmarkt- und Konjunkturforscher allerdings erstaunlich uneins. Ihre Prognosen reichen von Euphorie bis zu vorsichtiger Skepsis.

Selbst wenn die Konjunktur 2018 weiter kräftig brummen dürfte – die Besonderheiten des deutschen Arbeitsmarkts dürften zu einer weiteren Abkoppelung der Arbeitslosigkeit von der wirtschaftlichen Entwicklung führen, deutet die Deutsche Bundesbank in ihrem Dezember-Bericht an. Sogar das Nürnberger Instituts für Arbeitsmarktforschung (IAB) reiht sich nun eher bei den Skeptikern ein. Nach drei Boomjahren mit zuletzt geradezu stürmischer Entwicklung rechnet die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit für 2018 mit einer Verschnaufpause auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Im Jahresschnitt geht das IAB nur noch von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 60 000 auf 2,48 Millionen Jobsucher aus. Im vergangenen Jahr war die Erwerbslosenzahl immerhin noch um 158 000 auf 2,533 Millionen abgesackt. In den beiden Jahren zuvor waren es je 104 000. Die Arbeitslosenquote sank 2017 auf 5,7 Prozent.

Auch Bundesagenturchef Detlef Scheele rechnet 2018 eher mit einer gedämpften Entwicklung, wie er am Mittwoch betonte. Die Bandbreite der Expertenprognosen ist jedoch so groß wie selten: So sehen einige Ökonomen von Großbanken die deutsche Wirtschaft in so guter Verfassung, dass sie ihr eine Senkung der Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt um bis zu 150 000 auf bis zu 2,4 Millionen zutrauen. Andere hingegen sind davon überzeugt, dass mit dem extrem niedrigen Wert von 2017 das Ende der Fahnenstange erreicht ist.

Die Unsicherheit kommt nicht von ungefähr: Mehrere Faktoren, die zunehmend zu Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt führen, machen einen Ausblick immer schwieriger. Die alten Gleichungen "gute Konjunktur = Jobboom" und "Konjunkturflaute = Jobflaute" gelten nicht mehr. Aktuell wird die Arbeitsmarktentwicklung im Kern von zwei Faktoren überlagert: die Auswirkungen des Flüchtlingszustroms und des zunehmenden Fachkräftemangels.

Die Bundesagentur ist überzeugt, dass Flüchtlinge 2018 erstmals in stärkerem Maße in die Jobcenter drängen werden. Das IAB taxiert den "Flüchtlingseffekt" auf etwa 60 000, das heißt: Ohne Flüchtlinge würde die Arbeitslosigkeit sogar um 120 000 Menschen sinken.

Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte weiter steigen, Experten rechnen mit 400 000 bis 545 000 neuen Stellen. Aber es wird immer schwieriger, genügend Arbeitskräfte zu finden. Denn den in Rente gehenden Beschäftigten folgen immer weniger junge nach. Aus den EU-Ländern erwarten Fachleute kaum noch in nennenswertem Umfang Arbeitskräfte. Und Langzeitarbeitslosen fehlt häufig das Fachwissen.