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17. September 2015

Der Traum vom Geschäft mit der Kreativität

Christina Soltani und Christina Rupprecht bieten Getöpfertes, Genähtes und Gesticktes auch auf dem Online-Marktplatz Dawanda an /.

  1. Christina Soltani Foto: privat

  2. Christina Rupprecht Foto: PRIVAT

Die eine Christina wollte als Kind eine Drehscheibe zum Töpfern haben, bekam sie aber nicht. Die andere Christina machte als Kind einen Nähkurs, hatte aber nie eine Nähmaschine. Beide kommen aus der Region, kennen sich nicht und verkaufen heute auf Dawanda Selbstgemachtes: Getöpfertes und Genähtes.

Christina Soltani bietet über ihren Shop "PorzellanKunst by Christinini" handbemalte Schalen, Postkarten, Knöpfe und Dekoelemente aus Porzellan an. Christina Rupprecht begann in ihrem Shop "Ruppis Welt" zunächst mit Kirschkernkissen. Später kamen Aufnäher, Umschläge für den Mutterpass und Taschen dazu – bis sie sogar ein Kuscheltier entwarf.

Beide Frauen hatten nicht das Ziel, Handarbeiterin bei Dawanda zu werden. "Für mich war das Arbeiten an der Drehscheibe ein Ausgleich", sagt Christina Soltani, die bis Juli in Freiburg gelebt hat. Als Kunsthistorikerin arbeitete sie mit Ende 20 gerade an ihrer Dissertation. Viel Kopfarbeit. "Ich wollte etwas mit den Händen machen", sagt sie.

In der Freiburger Fabrik besuchte sie einen Drehscheibenkurs, ein paar Monate später den Drehscheibenkurs für Porzellan. "Porzellan ist ein schönes Material. Es ist weich und geschmeidig." Sie arbeitete ganz für sich, verschenkte mal ein schönes Stück an Freunde oder Familienmitglieder. Das Regal füllte sich mit ihren Werken. "Meine Drehscheibenlehrerin schlug mir vor, ich solle meine Sachen auf Dawanda verkaufen." Anfang 2011 eröffnete sie ihren Shop.

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Christina Rupprecht lernte Dawanda als Kundin kennen. 2008 stolperte sie auf der Suche nach einer schönen Wickeltasche zufällig über die Internetseite. Sie war dann in Elternzeit – erst mal raus aus dem Job. Als Ausgleich zum Muttersein kaufte sie sich eine Nähmaschine und begann Kirschkernkissen zu fertigen. "Ich liebe schöne Stoffe, Farben und Muster", sagt Rupprecht. Sie meldete bei der Gemeinde ein Kleingewerbe an. Einmal wöchentlich baute sie auf dem Wochenmarkt in Au bei Freiburg ihren Stand auf. Doch sie wollte mehr. Im Januar 2010 startete sie mit ihrem Dawanda-Shop, kaufte sich eine bessere Nähmaschine, eine Stickmaschine, Stoffe und Zubehör.

Eine Goldgrube? Das große Geld hat keine der beiden Frauen bisher gemacht. "Ich könnte das nicht machen, wenn nicht mein Mann genug für uns verdienen würde", sagt die Hexentälerin Rupprecht. Bei ihr standen große Anschaffungen an. Soltani dagegen hat ein kleines Kind, das sie betreut. Im Sommer ist die Familie nach Singen umgezogen, und für Januar kündigt sich wieder Nachwuchs an. Es mangelt ihr gerade an Zeit, die Porzellankunst auszubauen.

Ob sich der Schritt weg vom Minijob, hin zur selbstständigen Kunsthandwerkerin finanziell lohnen würde, weiß sie nicht. Dass sie momentan aber das Drehen mit dem Familienleben gut vereinbaren kann und örtlich flexibel ist, sind die zwei großen Vorteile ihrer Tätigkeit.

Hat sie viel Zeit, produziert sie viel; hat sie wenig Zeit, produziert sie wenig. "Ich brauche nur meine Drehscheibe und Regale zum Abstellen", sagt Soltani. Für Abwechslung sorgt ihr Kind.

Seit Christina Rupprecht nicht mehr auf dem Wochenmarkt verkauft, fehlt ihr der Kontakt zu den Leuten. Denn vormittags, wenn die Kinder betreut sind, sitzt sie in ihrem Näh- und Stickatelier im Dachgeschoss. "Ich habe mir einen Hund gekauft, um morgens auf jeden Fall eine Stunde rauszukommen", sagt die dreifache Mutter. Neben dem Onlinehandel setzt sie auch auf Weihnachtsmärkte. In Merzhausen und bei der Freiburger Messe Plaza Culinaria zum Beispiel. "Ein eigenes Ladengeschäft wäre mein Traum", sagt Rupprecht. Ob sich das rechnet, ist die große Frage.

Autor: Manuela Müller