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02. Januar 2010
Der Untergrund bedarf der Nachsorge
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RINGSHEIM. Vor 40 Jahren endete eine Ära: Die Grube Kahlenberg stellte nach rund 30 Betriebsjahren die Eisenerzförderung ein. Der ober- und untertägige Abbau hatte die Vorberglandschaft bei Ringsheim nachhaltig verändert. Die Badische Zeitung blendet zurück und erinnert in einer Artikelreihe an die wörtlich zu nehmenden riesigen Umwälzungen am Kahlenberg.
Nicht nur die Oberfläche des Kahlenbergs bedarf nach rund 70 Jahren Gruben- und Deponiebetrieb noch lange eine intensive Nachsorge – wie im vorigen Teil der BZ-Serie beschrieben – sondern auch die Stollen, Schächte und Abbauräume unter Tage. Die akute Frage nach ihrer Stabilität stellte sich im Jahr 1989. Damals sollte erstmals Müll in einem ehemaligen Tagebauareal gelagert werden, unter dem sich Stollen und Abbauräume befinden. Es musste sichergestellt werden, dass die damals teils vier Jahrzehnte alten Stollen eine 40 Meter starke Abfallschicht werden tragen können.Das war im so genannten Bereich Nord, wo seit Beginn der 1980er-Jahre von der Ortsgrenze Ringsheims an der Erzstraße her den Kahlenberg hinauf Müll eingebracht wurde. 1989 war ein Bereich erreicht, unter dem sich Stollen befanden. Da mussten wieder Bergleute ran, denn einen geeigneten Zugang zu diesem Teil des Grubengebäudes gab es nicht. Es wurde ein neues, Beton verschaltes Mundloch gegraben und ein neuer Zugangsstollen aufgefahren, genannt Rampe. Dieser Zugangsstollen wurde ebenso wie der benachbarte alte Westoststollen nach modernster Bergbautechnik ausgebaut und gesichert. Vorhandene Seilkappen-Sicherungen wurden mit Baustahl ergänzt, die Firste genannten Decken mit Spritzbeton gesichert. Der Boden, die Sohle, wurde asphaltiert, so dass der Bereich mit modernen Diesel getriebenen Maschinen befahren werden konnte.
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Diese Maschinen brauchen auch viel Sauerstoff. Die Luft muss gut zirkulieren im Bergwerk – eine gute Wetterführung muss hergestellt werden, wie der Bergmann sagt. Dabei hilft der natürliche Temperaturunterschied zur Oberfläche, aber die Stollen und Schächte müssen darauf ausgerichtet sein.
Am spektakulärsten wurde der Wetterführung in den alten Grubenbauten im südlichen Teil des Deponiegeländes nachgeholfen. Ein zwei mal drei Meter großer Wetterschacht wurde abgeteuft, sprich von oben nach unten gegraben. Er ist 30 Meter tief, der Schachtkopf liegt 90 Meter höher als das Mundloch. Die bis zu zehn Meter hohen Abbaukammern die so wieder zugänglich wurden, präsentierten sich in schlechtem Zustand. Teilweise waren sie verbrochen und die dazwischen als bis zu fünf Meter dicke Säulen belassenen Wände waren spröde geworden. Es bestand höchste Einsturzgefahr. Um den Berg zu stabilisieren, wurden die Kammern gefüllt.
Als Füllmittel entschied man sich für Doromix, fein gemahlener Ölschiefer, der gemischt mit Kalksteinmehl in die Kammern gepumpt wurde, bis die letzte Ritze verfüllt und die Kammern damit stabil waren. Weitere Stollensicherungen sind unter anderem im Stollen IV und im Stollen Herbolzheim vorgenommen worden. Teils mit Spritzbetonausbau, aber auch mit Hamco-Linierplatten in Verbindung mit Doromix. Dank der Sanierungen ist es heute laut Deponie-Betriebsleiter Georg Gibis noch möglich, unter Tage von Ringsheim nach Herbolzheim zu kommen. Auch wurden und werden noch weitere der Abbaukammern verfüllt, nicht nur unter dem heutigen Deponieareal.
Wie notwendig diese weiteren Sicherungsarbeiten sind, zeigte auf spektakuläre Weise der Tagesbruch bei Herbolzheim, der am 13. Februar 2008 aufbrach und einen Krater von 25 Metern Tiefe und 25 Metern Durchmesser am Kahlberg hinterlassen hat. Damals war nur eine einzige der Abbaukammern eingebrochen – aber es gibt knapp 200 davon im für Bergbaunutzung verhältnismäßig instabilen Gestein des Kahlenbergs, und längst sind nicht alle verfüllt oder gesichert.
Die Deponiearbeiter müssen die sanierten Stollen regelmäßig befahren. Für die Instandhaltung aber auch, weil teilweise das Deponiewasser darüber abgeführt wird. Alleine dafür ist ein wöchentlicher Kontrollgang erforderlich. Kurzzeitig durften auch einmal Besucher einige Stollen befahren, es gab Pläne, die Eisenerzgrube zum Besucherbergwerk auszubauen.
Doch das Freiburger Bergamt untersagte aus Sicherheitsgründen die Touristenbefahrungen der Stollen. Die Pläne verschwanden in der Schublade, der Ringsheimer Kahlenberg-Experte Klaus Bosch hält es für unwahrscheinlich, dass sie wieder hervorgeholt werden – zu hoch seien die Auflagen vom Bergamt für ein Besucherbergwerk Kahlenberg.
Autor: Stefan Merkle
