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27. Januar 2012 00:06 Uhr

Tierschutz

Aigner kämpft gegen die Qualzucht von Haustieren

Mit einer Änderung des Tierschutzgesetzes will Bundesagrarministerin Ilse Aigner das Verbot der so genannten Qualzucht von Haustieren durchsetzen. Bisher läuft es weitgehend ins Leere.

  1. Ilse Aigner will das Verbot der so genannten Qualzucht von Haustieren durchsetzen. Foto: dapd

BERLIN. Dafür verantwortlich ist vor allem ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. Das läuft bislang weitgehend ins Leere. Die Novelle wird derzeit von Verbänden und den Ländern beraten. Im Frühjahr soll das Bundeskabinett sie verabschieden.

Sie ist in Deutschland längst verboten, die Qualzucht von Tieren. Damit ist eine Zucht gemeint, die zu Schmerzen oder Leiden von Tieren führt oder bewirkt, dass sie Verhaltensstörungen zeigen. So neigen zum Beispiel Hunde, die kein Fell haben, zu Gebissanomalien, zu Sonnenbrand oder Allergien. Traurig ist auch das Schicksal von französischen Bulldoggen oder Möpsen, deren Köpfe so rund gezüchtet werden, dass sie schlecht atmen können, beim Fressen würgen oder im Sommer zusammenbrechen, weil ihre verformten Schädel keine Regulation der Körperwärme zulassen.

Für den Tierschutzbund fallen auch Katzen, die kurze oder keine Schwänze haben, in die Gruppe der Qualzucht. Bei ihnen tauchten Ausfallerscheinungen wie ein hoppelnder Gang, Darmvorfälle oder Inkontinenz auf. Ein 1999 vom Agrarministerium erstelltes Fachgutachten wendet sich auch dagegen, Katzen so zu züchten, dass ihre Tasthaare unbrauchbar sind oder ganz fehlen. Denn diese Haare dienen dazu, dass Katzen sich im Dunkeln räumlich orientieren können. Zur Qualzucht zählen auch Kaninchen, deren Ohren so lange sind, dass sie sich schlecht bewegen können.

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Das Verbot solcher Zucht durchzusetzen, ist für die Kontrollbehörden jedoch schwierig. Zum einen fehlt es ihnen häufig an Personal. Zum anderen hat ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom Dezember 2009 die Kontrolle erschwert. In seinem "Haubenentenurteil" (Haubenenten sind Enten mit einer Federhaube auf dem Kopf) hatte das Gericht entschieden, dass eine Qualzucht nur dann vorliegt, wenn es überwiegend wahrscheinlich ist, dass das Leiden eines Tiers auf die Zucht und nicht auf eine zufällige genetische Veränderung zurückgeht. Das heißt: Die Behörde muss einem Züchter nachweisen, dass eine bestimmte Verformung keine Laune der Natur, sondern Absicht des Züchters ist.

Damit das Verbot der Qualzucht in der Praxis auch wirklich wirkt, hat Ministerin Aigner nun eine Änderung des Tierschutzgesetzes vorgelegt. Sie legt, salopp gesprochen, die vom Gericht nach oben geschraubte Messlatte wieder tiefer. Denn künftig soll das Verbot greifen, wenn ein Zuchtverfahren erwarten lässt, dass die Tiere leiden oder Schmerzen haben. Neben dieser strengeren Fassung des Verbots will Aigner ein neues Verbot einführen – das Verbot, Tiere öffentlich auszustellen, die aus einer Qualzucht stammen. Damit soll die Kommerzialisierung unterbunden werden, die es heute dadurch gibt, dass Tiere mit Qualzuchtmerkmalen auf Ausstellungen Preise gewinnen. Womit ihr Züchter wiederum Bekanntheit gewinnt und seinen Absatz wie seinen Gewinn steigert.

Autor: Bernhard Walker