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26. März 2009

Der Herrscher über das Raabiversum

Im Profil: Entertainer Stefan Raab galt als reiner Krawallcomedian / Inzwischen hat er sein eigenes TV-Universum erschaffen

  1. Stefan Raab Foto: dpa

"Na, heute schon ins Becken gepisst?" So begrüßte TV-Moderator Stefan Raab einst Schwimmerin Franziska van Almsick. Lange galt er wegen solcher Sprüche als reiner Krawallcomedian, als ordinäre Ulknudel oder respektloser Selbstdarsteller. Doch Stefan Raab ist viel mehr als das. Seine Show "TV Total" läuft mittlerweile seit zehn Jahren. Seither hat sich Raab auch als Samstagabend-Entertainer etabliert, er hat sein eigenes TV-Universum erschaffen. Das ist eine Leistung – ob man nun über ihn lachen kann oder nicht. Raab bedient die Schadenfreude der Zuschauer, ein zweifelhaftes Erfolgsrezept, das aber funktioniert.

Eigentlich ist Raab Metzger. Doch sein musikalisches Talent wies ihm bald einen anderen Weg. Er produzierte zunächst Werbejingles. Ein solches Jingle wollte er 1993 dem Musiksender Viva anbieten. Eher zufällig wurde er dort dann als Moderator für die Sendung "Vivasion" angeheuert. Später moderierte er monatlich "Ma kuck’n". Damals hatte Raab es noch leicht, anarchischen Klamauk zu machen. Denn kaum jemand kannte den Moderator. Das ist längst Geschichte. Heute ist der 42-Jährige eines der bekanntesten TV-Gesichter Deutschlands. Das macht es ihm unmöglich, wie einst albernen Schabernack mit Passanten zu treiben.

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Seit März 1999 moderiert Raab "TV Total" bei Pro 7, seit 2001 sogar viermal pro Woche. Damals wurde prophezeit, dies sei das Ende. Raab werde an seinem Größenwahn scheitern, hieß es. Doch die Kritiker irrten. Zwar gingen die Einschaltquoten seither zurück. Dennoch erreichte "TV total" im vergangenen Jahr im Schnitt 10,9 Prozent Marktanteil. Pro 7 ist nach eigenen Angaben damit zufrieden – und lässt Raab weiter nahezu freie Hand. Das zeigt sich auch daran, dass Raab anscheinend über Pro-7-Sendungen lästern darf, wie er will. Ob "The next Uri Geller" oder Heidi Klums Topmodels – Raab zieht sie alle gehörig durch den Kakao. Raab ist in seiner Show zwar längst nicht mehr so frech wie in seinen frühen Zeiten. "TV Total" wird mehr und mehr zur Werbeplattform für seine eigenen Eventshows. Immerhin bekommt Raab nahezu alle großen Stars als Showgäste – das gelingt sonst nur "Wetten dass . . . ?".

In seinen zahlreichen TV-Formaten ist Raab sich selbst für nichts zu schade. Er boxte gegen Regina Halmich und lief mit Claudia Pechstein auf dem Eis um die Wette. Er trat als Turmspringer und Springreiter an und lockt mit seiner Wok-WM selbst Bob-Legende Georg Hackl wieder in den Eiskanal. Die Idee von "Schlag den Raab" hat er in verschiedene Länder verkauft. Mittlerweile moderiert Raab "Schlag den Star", eine Sendung, bei der ein Kandidat in vielen Spielen gegen Stefan Kretzschmar oder Boris Becker antreten muss. Mit solchen Sendungen hat es Raab geschafft, die lahme Samstagabend-Unterhaltung im Fernsehen wieder in Schwung zu bringen.

Außerdem fördert er junge musikalische Talente. Als Gegenstück zum verstaubten Eurovision Song Contest hat er den Bundesvision Song Contest erfunden, eine Show, bei der aus jedem Bundesland ein Künstler oder eine Band auftritt. Musikalisch hat Raabs Wettbewerb die Nase vorn. Und auch die Musiker, die aus seinen Castingshows hervorgingen – Max Mutzke und Stefanie Heinzmann – sind vielversprechender als alle, die bisher Dieter Bohlens Show "Deutschland sucht den Superstar" gewonnen haben.

Kaum jemand kennt Raabs Privatleben
Eine bemerkenswerte Facette des Entertainers ist auch, dass kaum jemand Raabs Privatleben kennt. Während die Affären anderer Prominenter in Boulevardmedien ausgebreitet werden, findet man nie eine Geschichte über Raab. Es gibt keine Bilder von seiner Lebensgefährtin und auch keine von den zwei Töchtern, die das Paar angeblich hat.

Stefan Raab ist ein Phänomen. Und zwar in erster Linie ein unternehmerisches. Er vermarktet alles, was möglich ist. Grenzen sind ihm egal. Zu Beginn seine TV-Karriere waren es die Grenzen des guten Geschmacks, die er regelmäßig übertrat. Heute widmet er beispielsweise die Wok-WM einfach zur Dauerwerbesendung um, weil er wegen Schleichwerbung gerügt wurde. Das kann man niveaulos finden – aber es funktioniert.

Autor: Laetitia Obergföll