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05. Dezember 2012

Die Deutschen wollen kein Schiefergas

Erste Erkundungen von Unternehmen, auch in Deutschland neue Gasvorkommen zu erschließen, stoßen auf Ablehnung.

Bis vor wenigen Monaten wussten viele Bürger am Bodensee noch nicht einmal, was das überhaupt ist: "Fracking". Inzwischen ist die neuartige Technologie in aller Munde. Denn auch im Südwesten Deutschlands strecken Unternehmen die Fühler aus und prüfen, ob es sich lohnt, Erdgas aus sogenannten nicht-konventionellen Lagerstätten zu fördern.

Doch während in den USA das Geschäft mit Schiefergasen brummt (siehe Text oben), ist die Stimmung in Europa eher verhalten. In Deutschland und im benachbarten Ausland gibt es Proteste. Der Saal in Illmensee am Bodensee war deshalb auch voll, als das zum Freiburger Regierungspräsidium gehörende Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau kürzlich die Bevölkerung über "Fracking" informierte. Denn die Bürger haben Angst.

Sie befürchten, dass giftige Stoffe ins Trinkwasser gelangen. Sie haben Bilder gesehen, auf denen Wasserhähne durch Methan im Trinkwasser in Brand gerieten. Außerdem gibt es die Sorge, dass die Bohrungen bis in mehrere tausend Meter Tiefe Erdbeben auslösen könnten. Überall, wo in Deutschland über "Fracking" nachgedacht wird, hagelt es Protest.

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Unterstützung kommt von fachlicher Seite: Eine Studie des Umweltbundesamts empfiehlt inzwischen, "Fracking" nur unter strengen Auflagen zuzulassen. Auch die Politik positioniert sich. Bundesumweltminister Peter Altmaier hat sich erst vor wenigen Tagen gegen "Fracking" ausgesprochen. "Trinkwasserschutz geht vor", sagte er bei einer Versammlung des Naturschutzbunds Nabu in Saarbrücken. Auch die Umweltministerkonferenz in Kiel hat "Fracking" auf der jüngsten Sitzung abgelehnt. Das Land Baden-Württemberg möchte die Methode gar ganz verbieten lassen. Nordrhein-Westfalen hat eine Initiative zur Änderung des Bergrechts gestartet und außerdem ein Moratorium verhängt. Die Kritiker verweisen auf das europäische Ausland, wo "Fracking" teilweise verboten ist – etwa in Frankreich. Polen hingegen sieht im Schiefergas eine Chance, sich von Energieimporten unabhängiger zu machen.

In Deutschland gibt es bislang nur ein einziges Projekt, bei dem die Planungen fortgeschritten sind. Doch inzwischen liegt auch dieses auf Eis: Der Energieriese Exxon Mobil hat die geplanten Erkundungsbohrungen in der Nähe von Osnabrück Anfang November gestoppt und will weitere Studien abwarten.

Auch am Bodensee seien die Pläne der beiden britischen Unternehmen noch weit davon entfernt, tatsächlich umgesetzt zu werden, sagt Axel Brasse vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau. Bis eine Entscheidung falle, dauere es noch mindestens zehn Jahre. Bis dahin müssten noch viele Untersuchungen stattfinden. Denn bislang "gibt es hauptsächlich viele Fragen, auf die wir noch keine Antworten haben", sagt er.

Fakt ist: Potenzial an Schiefergas gibt es. In den nicht-konventionellen Lagerstätten der Republik schlummern laut einer Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe 0,7 bis 2,3 Billionen Kubikmeter Erdgas. Zum Vergleich: In den herkömmlichen Lagerstätten sind es nur knapp 0,3 Billionen Kubikmeter. Derzeit stammen rund 14 Prozent des deutschen Erdgasbedarfs aus heimischen Reserven. Die nicht-konventionellen Lagerstätten liegen vor allem in Norddeutschland, in Baden-Württemberg ist neben der Bodenseeregion der nördliche Oberrheingraben ein mögliches Fundgebiet. Das Geschäft könnte lukrativ sein, das zeigen die USA. Den Besuchern des Informationsabends in Ilmensee steht der Sinn allerdings nicht nach Geldmachen. Sie wollen, dass die englischen Investoren nach Hause gehen.

Autor: Jelka Louisa Beule