Kernkraft

Die Suche nach einem deutschen Atommüll-Endlager ist noch nicht sehr weit

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Do, 22. November 2018 um 21:11 Uhr

Deutschland

Deutschland hinkt der Schweiz beim Atommüll hinterher. Bislang ist nur klar, wie das Auswahlverfahren für einen Endlager-Standort laufen soll. Bayern hat sich daraus bereits verabschiedet

In den kommenden vier Jahren werden in Deutschland die letzten sieben Atomkraftwerke vom Netz gehen. Zurück bleiben nach Angaben des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit 27 000 Kubikmeter hochradioaktiver Abfälle in 1900 Behältern. Bisher weiß niemand, wo und wie dieser Abfall letztlich entsorgt werden kann. Weltweit gibt es keine Anlage, an der man sich orientieren könnte. Lediglich in Finnland ist ein Endlager in Bau.

Ein erster Suchlauf in der Bundesrepublik endete in der Sackgasse. Niedersachsen hatte dem Bund 1977 den Salzstock in Gorleben als möglichen Standort für eine Brennelementefabrik, eine Wiederaufbereitungsanlage und ein Endlager angeboten. Gebaut wurde nur ein Zwischenlager, die Erkundung des Salzstocks ruht. Der Regierungswechsel zu Rot-Grün 1998 und der beschlossene Atomausstieg hatten Bewegung in das Thema Endlagersuche gebracht.

Die Kriterien stehen schon fest

Erst 2011 konnte sich die Bundesregierung auf ein neues Suchverfahren verständigen, zwei Jahre später trat das Standortauswahlgesetz in Kraft. 2014 startete die Endlagersuchkommission ihre Arbeit, Ende 2016 legte sie ihren Abschlussbericht vor. Seither ist immerhin klar, wie die Suche verlaufen soll und welche Kriterien ihr zugrundeliegen.

Als Wirtsgestein kommen Salz, Ton oder Granit infrage, die Schicht muss mindestens 100 Meter stark sein, und der Abstand zur Erdoberfläche muss mindestens 300 Meter betragen. Gebiete, deren Untergrund beschädigt oder gefährdet ist, scheiden aus, ebenso Zonen in Erdbebengebieten. Näher untersucht werden nur Gebiete, in denen Abfälle für eine Million Jahre sicher eingeschlossen werden können. Zuständig ist die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), die auch Erkundungen beauftragt. Das Auswahlverfahren wird vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit geleitet, das die Erkundungsergebnisse prüft und der Bundesregierung Vorschläge unterbreiten soll.

Gesucht werden soll allein nach wissenschaftlichen Kriterien

Das Verfahren soll transparent verlaufen. In der ersten Phase sind Akten Grundlage für die Erkundung, dann soll eine Vorauswahl erfolgen. Allerdings gab es zuletzt Probleme: Bergbauunternehmen und zum Teil auch Landesbehörden behandeln die Daten eigener Erkundungen als Betriebsgeheimnisse, das Standortauswahlgesetz aber verlangt völlige Transparenz. Die Erkundungen in der zweiten Phase finden nicht mehr nach Aktenlage, sondern vor Ort statt. Durch Erkundungsbohrungen und seismische Messungen entsteht ein genaueres Bild der Geologie unter Tage. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse werden weitere Regionen ausgeschlossen.

Gesucht werden soll ohne Vorbedingungen allein nach wissenschaftlichen Kriterien. Nun hat die neue bayerische Regierung dieses Vorhaben durchkreuzt: "Wir sind überzeugt, dass Bayern kein geeigneter Standort für ein Atomendlager ist", heißt es im Koalitionsvertrag. In der Vergangenheit hatten Bayern und Sachsen bereits beantragt, Granit als Wirtsgestein auszuschließen – Salz und Ton kommen in beiden Bundesländern nicht vor.

Bis zum Jahr 2031 soll laut Gesetz die Entscheidung über einen Endlager-Standort fallen. Dann könnten ab 2050 die Abfälle eingelagert werden.

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