Sexueller Missbrauch

Brisante Details aus der Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz

Ines Alender, KNA und dpa

Von Ines Alender, KNA & dpa

Di, 25. September 2018 um 22:03 Uhr

Deutschland

Die Studie der Deutschen Bischofskonferenz über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche ist sehr ausführlich. Einige Details in der Übersicht.

  • Die Täter Die Forscher sehen nach Analyse der vorliegenden Hinweise drei Tätertypen. Beim "fixierten Typus" sehen sie Hinweise auf eine pädophile Störung. Die Missbrauchsopfer sind in diesen Fällen jünger als 13 Jahre. Beim "regressiv-unreifen Typus" sehen sie Defizite in der persönlichen und sexuellen Entwicklung. Der von den Forschern ausgemachte "narzisstisch-soziopathische Typus" missbraucht seine Machtstellung, laut Studie übt er sie auch in anderen Kontexten "in inadäquater Weise" aus.
  • Die Opfer Viele der Opfer leiden laut Studie noch heute unter gesundheitlichen Problemen. Unter anderem wurde den Forschern von Depressionen, Angst, Schlaf- und Essstörungen, posttraumatischen Symptomen und Alkohol- und Drogenkonsum berichtet.
  • Machtmissbrauch "Sexueller Missbrauch ist vor allem auch Missbrauch von Macht", heißt es in der Studie. Der Klerikalismus wird als Ursache angeführt, weil er ein hierarchisch-autoritäres System bezeichne, das auf Seiten des Priesters dazu führen kann, andere zu dominieren, weil dieser qua Amt und Weihe eine übergeordnete Position innehat.
  • Zölibat Fünf Prozent aller katholischen Priester wurden laut der Missbrauchsstudie zu Tätern, aber nur ein Prozent der Diakone. Katholische Priester sind im Gegensatz zu Diakonen zum Zölibat verpflichtet. Die Studie rät, sich mit der Frage zu befassen, in welcher Weise das Zölibat ein möglicher Risikofaktor für sexuelle Missbrauchshandlungen sein kann. In der Literatur wird der Zusammenhang kontrovers diskutiert, auch die Forscher der Studie raten zu einer differenzierten Betrachtung. Der Kriminologe Christian Pfeiffer sagt: "Es liegt doch auf der Hand, dass das Zölibat den Missbrauch fördert. Warum hat die evangelische Kirche keinen Missbrauchsskandal, sondern nur einzelne Fälle?" Für Pfeiffer ist klar: "Evangelische Pfarrer und Diakone können ihre Sexualität frei leben. Hinzu kommt, dass das Zölibat den Priesterberuf für sexuell reichlich verklemmte Männer attraktiv macht. Würde man es aufgeben, gäbe es nicht nur deutlich mehr Bewerbungen für den Beruf des Priesters. Parallel dazu würde der Anteil solcher Bewerber deutlich sinken, die ein hohes Missbrauchsrisiko bedeuten."
  • Homosexualität Die Studie ergab, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen in 62,8 Prozent männlich waren. Dafür suchten die Forscher Erklärungen. Sie raten, auch ambivalente Aussagen der katholischen Sexualmoral zur Homosexualität zu diskutieren. Zwar seien weder Homosexualität noch Zölibat "eo ipso" Ursachen für sexuellen Missbrauch von Minderjährigen. Allerdings heißt es: "Die Verpflichtung zu einem zölibatären Leben könnte Priesteramtskandidaten mit einer unreifen und abgewehrten homosexuellen Neigung als Lösung innerpsychischer Probleme erscheinen, die zusätzlich die Aussicht auf ein enges Zusammenleben ausschließlich mit Männern zumindest während der Priesterausbildung mit sich bringt. (...) Homosexuelle Beziehungen oder Praktiken werden im offiziellen, nach außen hin sichtbaren Handeln der Kirche aber abgelehnt. Somit besteht die Gefahr, dass entsprechende Neigungen ‚versteckt‘ ausgelebt werden (müssen)."
  • Beichte Die Rolle der Beichte müsse überdacht werden, weil Täter sie zum Teil zur Tatanbahnung, aber auch zur Verschleierung und zur eigenen Entlastung missbraucht hätten, sagte Forscher Harald Dreßing.
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