NSU-Prozess

In den Verhandlungen zum 11. September hatten internationale Journalisten Platz

Christian Rath

Von Christian Rath

Fr, 05. April 2013

Deutschland

Von diesem Beispiel hätte das Münchner Oberlandesgericht (OLG) einiges lernen können. In den Prozessen gegen den islamistischen Terrorhelfer Mounir al-Motassadeq zeigte das Hamburger OLG fast schon mustergültig, wie man einen Prozess mit großem internationalem Medieninteresse regelt.

HAMRBUG (cra). Fast die Hälfte der Journalistenplätze waren damals für die Vertreter ausländischer Medien reserviert.

Es war der erste Prozess nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Der marokkanische Student Mounir al-Motassadeq war bei den Anschlagsvorbereitungen eigentlich nur eine Randfigur, der den Attentätern ein paar Freundschaftsdienste geleistet hatte. Aber er war zunächst der Einzige, der vor Gericht gestellt werden konnte. Die eigentlichen Täter um den Hamburger Studenten Mohammed Atta waren tot. Wichtige Mitorganisatoren waren schon vor dem Anschlag untergetaucht. Also war das Interesse der Weltpresse an Mounir al-Motassadeq groß. Vor allem amerikanische Medien wollten vom Hamburger Prozess berichten.

Das Hamburger OLG reagierte damals umsichtig. Es reservierte 85 Plätze für Journalisten. Dabei wurden drei Kontingente gebildet: 15 Plätze für Hamburger Berichterstatter, 30 Plätze für Journalisten aus dem Rest Deutschlands und immerhin 40 Plätze für ausländische Berichterstatter. Für die allgemeine Öffentlichkeit standen weitere 40 Sitzplätze zur Verfügung.

So wurde bei allen drei Strafprozessen gegen al-Motassadeq verfahren, in den Jahren 2002, 2004 und 2006, (zwei Mal hatte zwischenzeitlich der BGH die Hamburger Urteile aufgehoben und neue Verhandlungen verlangt). Die Regeln des Prozesses wurden sogar auf Englisch bekannt gemacht: "Terrorist Trial at the Hanseatic High Court".

"Die Plätze haben damals immer gereicht", erinnert sich ein Mitarbeiter der OLG-Pressestelle – wohl vor allem deshalb, weil al-Motassadeq als kleines Licht der Hamburger Terrorinfrastruktur auch wenig Sensationelles zu offenbaren hatte.

Was bleibt ist aber das Beispiel, wie man der internationalen Presse signalisiert, dass ihre Interessen bei der deutschen Justiz gesehen werden und in guten Händen sind. Und wohl kaum jemand wird die noble Geste darauf zurückführen, dass es im Hamburger Prozess vor allem um amerikanische Opfer und arabische Täter ging. Vermutlich sind Hamburger Richter einfach etwas weltoffener oder zumindest vorausschauender als ihre Kollegen in der bayerischen Hauptstadt.