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27. Juli 2012 20:03 Uhr

Porträt

Küchen-Affäre: Verfassungsgericht distanziert sich von SZ-Porträt

Ein vielbeachtetes Porträt schildert, wie ein Abenddinner bei Andreas Voßkuhle, dem Präsident des Verfassungsgerichts, abläuft. Nun rudert der Autor zurück – per SMS. Er war nicht zu Gast.

  1. Gäste im Hause Voßkuhle müssen nicht schnippeln. Foto: dapd

  2. Heribert Prantl war nicht eingeladen. Foto: dpa

Diese Frage stellten sich viele: Wie schafft es eigentlich Andreas Voßkuhle, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, die eigensinnigen Richter immer wieder zu einstimmigen Urteilen zusammenzuführen? Einer wusste, wo die Antwort zu finden ist: "Das Geheimnis lüftet sich in seiner Küche, bei ihm zu Hause", schrieb Heribert Prantl, Innenpolitik-Chef der Süddeutschen Zeitung, vor rund zwei Wochen in einem vielbeachteten Porträt.

"Der eine Gast putzt die Pilze, der andere die Bohnen, der Dritte wäscht den Salat", schrieb Prantl in schönster Reportagemanier über "eine Einladung bei dem kinderlosen Juristenpaar". Und was hat das mit dem Gericht zu tun? "Jeder hat seinen Part, jeder hat was zu schnippeln, zu sieden und zu kochen" Und der Präsident? "Voßkuhle selbst rührt das Dressing. Man ahnt, wie er als oberster Richter agiert." Ein schönes Bild, mitten aus dem Leben und zugleich so stimmig erklärend, wie Voßkuhle alle mittun lässt, um gemeinsam etwas Gutes zu schaffen.

"Man muss ihn am Küchentisch erlebt haben"

Niemand zweifelte, dass Prantl die Küchenszene mit Voßkuhle selbst erlebt hat. "Man muss ihn am Küchentisch erlebt haben", stand da, "man muss erleben, wie er ein großes Essen vorbereitet." Doch als andere Journalisten scherzhaft fragten, ob sie auch mal Voßkuhles kulinarische Koordination erleben dürften, kam heraus: Prantl war nie in der Küche des Präsidenten. Er schrieb also zumindest nicht über eigene Erlebnisse.

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Zuerst spießte das die Konkurrenz von der FAZ auf. "Andreas Voßkuhle mag kein Dressing", begann am Donnerstag der Leitartikel über das Urteil zum Wahlrecht, "aber er muss damit leben, dass ihm das von angeblichen Zeugen seiner Kochkunst angedichtet wird". Dann ging der Berliner Tagesspiegel der Sache auf den Grund und holte eine offizielle Stellungnahme des Gerichts ein. Eine Sprecherin versicherte darin, "dass Herr Prantl weder für diesen Artikel noch zu einem anderen Zeitpunkt von Herrn Voßkuhle zu einem privaten Essen eingeladen wurde".

Für Voßkuhle war die Sache doppelt unangenehm. Das Porträt erschien am Tag, als das Gericht über den Euro-Rettungsschirm ESM verhandelte. Kläger war Peter Gauweiler, ein guter Freund von Prantl. Und nun sollte Voßkuhle kurz vorher heimelig mit Prantl in der Küche geschnippelt haben? Außerdem, so ist zu hören, werden Gäste im Hause Voßkuhle normalerweise durchaus bewirtet, ohne dass sie selbst vorher Küchenmesser und Brettchen in die Hand nehmen müssen. Gemeinsames Kochen gebe es nur mit engsten Freunden.

Wie aber kam Prantl zu seinem schönen Bild? "Die Küchenszene ist das Produkt anschaulicher Schilderungen prominenter Teilnehmer", antwortete er auf Nachfrage per SMS. Und wenn man die Passagen aufmerksam nachliest, stellt man fest: Prantl vermied das Wörtchen "ich" aufs sorgfältigste.

Voßkuhle aber mag sich mit der Küchen-Affäre nicht weiter beschäftigen. Er muss jetzt den Senat einen, wie auch immer. Am 12. September wird das Urteil über den ESM-Rettungsschirm verkündet.

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Autor: Christian Rath


10 Kommentare

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Peter Grieshaber

Registriert seit: 20.05.2012

Kommentare: 140

27. Juli 2012 - 20:27 Uhr

Wer sieht wie die Süddeutsche an Bahnhöfen von Drückerkolonnen Abos an den Mann und die Frau verklopfen lässt, hat ohnehin schon jeden Glauben an die Seriösität dieses Blattes verloren. Offensichtlich müssen jetzt sogar die Redakteure zu Blöd-Methoden greifen, um noch ein bisschen Auflage zu machen. Widerlich.

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Martin Bitdinger

Registriert seit: 21.04.2012

Kommentare: 206

27. Juli 2012 - 20:38 Uhr

Prantl und seriös ist wie Papst und verheiratet.

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Peter Rapp

Registriert seit: 25.09.2009

Kommentare: 687

27. Juli 2012 - 21:37 Uhr

A Hund issa scho.

Der Süddeutschen hat das gelangt,

Es wird im Süddeutschen noch lang langen.

PR

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Ammar Ulabi™  

Ammar Ulabi™

Registriert seit: 08.05.2009

Kommentare: 3983

28. Juli 2012 - 02:59 Uhr

Vielleicht wurde ja ausgerechnet griechischer Bauernsalat gemeinschaftlich zusammen geschnibbelt, dessen "Dressing" bekanntermaßen keine höchstrichterliche Zubereitungs- und Einigungskunst bedarf.

Und während der ganzen Rohkosthobelei gabs wohl Uso 12 und Metaxa, 12 Sterne bzw. einen "Grande Fine" zu verkosten - alles nur vom "senatorisch" Feinsten eben.

Somit klar, dass eine dazu fällige journalistische Offenheit angesichts der anstehenden Verfassungsprüfungen nicht wirklich angebracht war.

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Egon Mayer

Registriert seit: 30.06.2010

Kommentare: 1485

28. Juli 2012 - 03:13 Uhr

Vielleicht ist Prantl nur beleidigt, dass er noch nie bei Voßkuhles eingeladen wurde...

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Jürgen Eggs

Registriert seit: 24.10.2011

Kommentare: 76

28. Juli 2012 - 12:19 Uhr

27. Juli 2012 - 20:27 Uhr
Peter Grieshaber: "Wer sieht wie die Süddeutsche an Bahnhöfen von Drückerkolonnen Abos an den Mann und die Frau verklopfen lässt, hat ohnehin schon jeden Glauben an die Seriösität dieses Blattes verloren. Offensichtlich müssen jetzt sogar die Redakteure zu Blöd-Methoden greifen, um noch ein bisschen Auflage zu machen. Widerlich."

Widerlich fand ich auch das Wulff-Mobbing im Mailbox-Skandal des Tricky Dicky, wo die Viererbande Dicky Diekmann BILD, Mascolo Spiegel, Leyendecker und Prantl SZ sowie Schirrmacher FAZ gleich ab 1. Januar 2012 gemeinsame Sachen gemacht haben, um häppchenweise die persönlich gesprochenen Worte von Wulff im Stil der Blöd-Boulevardpresse an die Öffentlichkeit zu bringen. Im höheren Auftrag von Angela Merkel und Friede Springer. Letztere sah ihre Millionen in Griechenland, Spanien,... gefährdet, nachdem Wulff mehrfach die „Rettungsschirm-Politik“ kritisiert hatte. Seine Unterschrift unter das ESM-Gesetz galt als fraglich. Und ohne EFSF und ESM hätte der Steuerzahler nicht die Euros der Mlllionäre retten müssen. Deshalb musste Wulff weg! Seit bei der SZ der Besitzer gewechselt hat und seit Herr Kister Chefredakteur ist, hat sich das Bild geändert. Prantl wurde im Januar Stv. Chefredakteur.

# Das Porträt erschien am Tag, als das Gericht über den Euro-Rettungsschirm ESM verhandelte. Kläger war Peter Gauweiler, ein guter Freund von Prantl. #

Wenn das stimmen sollte, bangt mir um Gauweilers Seriosität.

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Bodo Weis  

Bodo Weis

Registriert seit: 26.05.2009

Kommentare: 862

28. Juli 2012 - 12:22 Uhr

Hier wurde ganz bewusst Herr Voßkuhle in die Presse gebracht.
Es hat den Anschein das er gewissen Damen und Herren ein Dorn im Auge ist. Man hat einen Bundespräsident zu Fall gebracht, da versucht man das gleiche mit einem unangenehmen Präsident des Verfassungsgerichtes.

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Jürgen Eggs

Registriert seit: 24.10.2011

Kommentare: 76

28. Juli 2012 - 13:00 Uhr

Herr Weis, wenn ich ehrlich bin, blicke ich beim BVerfG und Andreas V. nicht ganz durch.

Einerseits hat er letzten Herbst beim StaatsTV "ZDF" in der Reihe "Was nun, Herr V. ...?" offensichtlich vom Teleprompter abgelesen, dass er sich vorstellen könne, für die Zukunft Europas des GG zu ändern. Und Frau Merkel hatte ihn als einen der möglichen Nachfolger für Wulff ins Gespräch gebracht. Deshalb war ich völlig überrascht, dass sie sich in Karlsruhe Zeit nehmen wollen. Auf jeden Fall muss der Protest gegen ESM bis zum 12. Sept. 2012 gewaltig zunehmen.

http://www.zivilekoalition.de
http://www.mehr-demokratie.de
http://www.buendnis-buergerwille.de

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Dominik Heesig

Registriert seit: 10.07.2012

Kommentare: 111

28. Juli 2012 - 17:45 Uhr

Darf ich Ihr Gedächtnis auffrischen, Herr Eggs?

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1450540/Was-nun%252C-Herr-Vosskuhle%253F#/beitrag/video/1450540/Was-nun%2C-Herr-Vosskuhle%3F

Weder ist mir ein Teleprompter aufgefallen noch meinte Herr Professor Voßkuhle, er könne sich vorstellen, für die Zukunft Europas des GG zu ändern (was dem BVerfG bzw. einem Verfassungsrichter freilich ohnehin nicht möglich ist). Vielmehr hat er bekräftigt, dass Maßnahmen, die die Staatlichkeit der BRD in Frage stellen, mit dem GG nicht vereinbar sind.
Insoweit könnte die Verfassung übrigens nicht einmal mit den qualifizierten Mehrheiten des Art. 79 II GG geändert werden. Das Volk müsste sich vielmehr selbst eine neue Verfassung geben. Dass man sich allerdings vom Grundgesetz hierzulande verabschiedet, ist doch äußerst unwahrscheinlich.

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Gelöschter Nutzer #793088

Registriert seit: 16.11.2009

Kommentare: 562

29. Juli 2012 - 00:33 Uhr

"Wer sieht wie die Süddeutsche an Bahnhöfen von Drückerkolonnen Abos an den Mann und die Frau verklopfen lässt, hat ohnehin schon jeden Glauben an die Seriösität dieses Blattes verloren."

Ja, da ist der Kaufland in der Waldkircher Straße schon ein gehobeneres Pflaster :-D

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