Neue Studie

Mitschüler motivieren mehr als Lehrer

dpa

Von dpa

Fr, 09. Juni 2017

Deutschland

Uni Greifswald stellt Studie vor.

GREIFSWALD (dpa). Mitschüler motivieren deutsche Jugendliche mehr zum Lernen als die Lehrer. Wie eine Studie der Universität Greifswald ergab, ziehen ein Drittel der Achtklässler ihre Motivation aus der Beziehung zu ihren Mitschülern. Nur bei jedem zehnten Schüler ist die Motivation allein lehrerabhängig. 29 Prozent der Schüler motivieren sich selbst zum Lernen, wie die Studienleiterin und Greifswalder Erziehungswissenschaftlerin Diana Raufelder am Donnerstag sagte.

Damit zeigen sich zum Teil deutliche Unterschiede zu anderen Ländern wie Kanada, Russland oder den Philippinen, ergab die internationale Lernvergleichsstudie Soziale-Emotionale Lernfaktoren (SELF). In den vier Ländern wurden insgesamt mehr als 3200 Schüler befragt, in Deutschland allein 1088. Es konnte festgestellt werden, dass in Deutschland der Autonomiegedanke und die von Jugendlichen geforderte Selbstkontrolle starken Einfluss auf die schulische Motivation habe, sagte Raufelder. Das Verhältnis zu ihren Lehrern sei häufig formeller und distanzierter als beispielsweise in Kanada.

Die Erkenntnisse zur schulischen Motivation von Jugendlichen liefern den Wissenschaftler Ansätze für die Gestaltung des Unterrichts. Schüler, deren Motivation stark an soziale Bindungen gekoppelt sei, könnten beispielsweise vom Gruppenunterricht profitieren, sagte Raufelder. Individualisierte Unterrichtstechniken wie Lernbüro, forschendes Lernen, Lerntagebücher und Freiarbeit kämen hingegen eher Schülern zugute, die sich unabhängig von ihren Mitschülern und Lehrern motivieren.

In Kanada, dessen Bildungssystem als besonders gut gilt, sieht sich die Mehrheit der kanadischen Schüler (57 Prozent) sowohl durch Mitschüler und Lehrer motiviert. Ähnlich Ergebnisse zeigten sich auch in Russland. Ganz anders das Bild in den Philippinen: Dort gaben etwa 85 Prozent der Schüler an, sich unabhängig von sozialen Beziehungen zum Lernen zu motivieren.