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27. Januar 2012

"Ohne Beziehung keine Bildung"

BZ-INTERVIEW mit der Pädagogin Dorothee Gutknecht über die richtige Betreuung von Kindern sowie gute und schlechte Krippen.

  1. Frau Professor Dorothee Gutknecht Foto: Simon Hofmann

Was macht eine gute Krippenbetreuung aus? Und was kann sie erreichen? Anita Rüffer sprach mit Professorin Dorothee Gutknecht (50), Fachfrau für Pädagogik der frühen Kindheit und Krippenbetreuung an der Evangelischen Hochschule Freiburg, über die Qualität und die Möglichkeiten von Krippen.

BZ: Frau Professor Gutknecht, wann können Eltern sicher sein, dass ihre Kleinkinder in guten Händen ist?
Gutknecht: Sie brauchen eine warmherzige Atmosphäre und ausreichend gut qualifizierte Erwachsene, die fähig sind, eine tiefe Beziehung zu den ihnen anvertrauten Kindern einzugehen. Ohne Beziehung kann keine Bildung stattfinden.
BZ: Kann man denn schon in einem so frühen Kindesalter von Bildung sprechen?
Gutknecht: Der Umgang mit Emotionen, die ersten Laute, Wörter und Sätze, alleine essen und Zähne putzen – da passiert unendlich viel an Bildung und Entwicklung. Deshalb ist ein enger Interaktionsrahmen mit einem erwachsenen Partner so wichtig. Er muss gelernt haben, die Signale der Kinder feinfühlig aufzugreifen. Das ist eine körperlich und psychisch höchst anspruchsvolle Tätigkeit.

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BZ: Brauchen Krippenerzieherinnen eine andere Qualifikation als Erzieherinnen für ältere Kinder?
Gutknecht: Manche Kitas öffnen sich nach unten und nehmen auch Kleinkinder auf. Das wird kritisch gesehen, weil sie sich auf ein jüngeres Alter nicht ausreichend einstellen. Frühe ästhetische und naturwissenschaftliche Bildung mit kleinen Kindern – dafür ist schon ein besonderes Wissen und Können erforderlich. Auch Wickeln und Füttern beispielsweise dürfen nicht nur funktional wie am Fließband ablaufen. Wie alte Menschen brauchen auch Kleinkinder eine beziehungsorientierte Pflege. Wenn eine Erzieherin fünf Kleinkinder gleichzeitig abfüttert, tut das den Kindern nicht gut. Wir sehen manchmal Kleinkinder ziellos durch die Krippe wandern – ein Hinweis, dass sie dort nicht gut aufgehoben sind. Es sind oft kleine Dinge mit großer Wirkung, die die Qualität einer Krippe ausmachen.
BZ: Inwiefern kann die Fremdbetreuung in einer Krippe eine Bereicherung sein für die Kinder und ihre Familien?
Gutknecht: Viele Kleinfamilien leben sehr isoliert, häufig mit Einzelkindern. Zu einem guten Krippenkonzept gehört die enge Zusammenarbeit mit den Eltern. Wenn eine Krippe den Eltern zum Beispiel einen Babymassage-Kurs anbietet, dann verhilft sie Mutter oder Vater zu einer positiven Begegnung nicht nur mit dem eigenen Kind, sondern auch mit anderen Eltern und Kindern. Wer allein ist mit einem Schreibaby ohne Unterstützung von außen, kann schnell an seine Grenzen geraten. Elementar nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern ist, wie eine Krippe die Eingewöhnungsphase gestaltet. Auch die Eltern brauchen Begleitung. Schließlich müssen auch sie sich trennen, und das fällt den meisten gar nicht leicht.

Autor: arü