Freiburg

Umweltaktivisten fordern ihre Rechte ein

Christiane Ignaczak

Von Christiane Ignaczak

Fr, 10. März 2017

Deutschland

Der Kampf für die Umwelt steht oft im Gegensatz zu wirtschaftlichem Profit und staatlichen Interessen / Konvent in Freiburg.

FREIBURG. Der Kongolese Golden Misabiko und der Russe Oleg Bodrov haben sich in ihren Heimatländern für die Umwelt eingesetzt – und wurden deshalb von der Justiz verfolgt. Jetzt sind sie in Freiburg, wo sie auf dem sechsten Internationalen Umweltkonvent, der am heutigen Freitag beginnt, mit Umweltpreisträgern aus 40 Nationen in einer Resolution Regierungen weltweit dazu auffordern wollen, die Rechte der Umweltaktivisten zu respektieren.

Misabiko kämpft für den Schutz des Flusses Kongo und des Ökosystems im Kongo-Becken, das durch den Uranabbau in der Demokratischen Republik Kongo bedroht ist. Dahinter stünden profitgierige Unternehmen, sagt Misabiko. In Folge seines 2009 veröffentlichten Berichtes über den illegalen Uranabbau sei er inhaftiert und gefoltert worden, erzählt Misabiko. Die Regierung werfe ihm Verleumdung vor. "Sie nahmen mich fest, weil ich sie blamiert habe", sagt Misabiko. Dank einer Kampagne von Amnesty International kam er frei und floh nach Südafrika. Seine Frau und fünf Kinder musste er zurücklassen. Zweifel an seinen Aktionen habe er nie gehabt: "Ich musste es für die kommenden Generationen tun. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort."

Der Russe Bodrov, Physiker und Vorsitzender der Umweltorganisation Green World, wird in Russland belangt. Früher hat er Atomreaktoren für die russische Marine getestet, heute setzt er sich für die Stilllegung russischer Atomkraftwerke ein – besonders für die Abschaltung eines Reaktors nahe Sankt Petersburg, weil bei einem Störfall die gesamte Ostseeregion betroffen sein könnte. "Ich kenne als Physiker die Konsequenzen ", sagt Bodrov. Er deckte erschreckende Zustände in russischen Reaktoren auf. Daraufhin sei er auf offener Straße zusammengeschlagen worden: "Ich habe gelernt, dass es nichts bringt, mit Autoritäten zu sprechen. Wir müssen an die Öffentlichkeit gehen."

Virginia Sonntag-O’Brien, ehemalige Mitarbeiterin im Umweltprogramm der UNO, kennt viele solcher Fälle. "Sie zeigen, dass der Klimawandel ein Menschenrechtsproblem ist", sagt sie. Umweltaktivisten würden in vielen Ländern von paramilitärischen Gruppen, der Armee oder der Polizei verfolgt. Die Methoden reichten von Schikanen über Verhaftungen und Folter bis hin zu Mord. 2015 seien 185 Umweltaktivisten weltweit ermordet worden, heißt es im Bericht der Nichtregierungsorganisation Global Witness. "Die Zahl der Schikanen bleiben dagegen im Dunkeln. Das fängt damit an, dass Umweltaktivisten keine Wohnung oder Finanzierung mehr bekommen", erzählt Sonntag-O’Brien. Besonders bedenklich sei die Lage in Entwicklungs- und Schwellenländern. Nicht nur autoritäre, sondern auch demokratische Systeme wie Brasilien gehen gegen Umweltaktivisten vor. "Umweltengagement ist für sie Neuland. Es wird als Einmischung in Staatsangelegenheiten verstanden", sagt Sonntag-O’Brien. Das Konvent geht noch bis zum 12. März.