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21. Oktober 2010

Zwei neue deutsche Kardinäle

Der Münchner Erzbischof Marx und der Bamberger Diözesanpriester Brandmüller dürfen demnächst Purpur tragen.

  1. Das erste Statement als baldiger Kardinal: Reinhard Marx Foto: dpa

ROM (dpa). Höchste Würden für zwei deutsche Katholiken: Erzbischof Reinhard Marx und Diözesanpriester Werner Brandmüller werden zu Kardinälen ernannt. Der Vatikan bereitet schon für November die Zeremonie in Rom vor.

Zumindest die eine Wahl war erwartet worden. Als Papst Benedikt XVI. am gestrigen Mittwoch verkündete, dass der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, demnächst als Kardinal Purpur tragen darf, konnte das Kenner kaum überraschen. Unerwarteter tauchte da schon auf der Liste mit den 24 Kandidaten für den zweithöchsten Rang in der katholischen Kirche der Name des Bamberger Diözesanpriesters Walter Brandmüller auf. Die Zeremonie der Ernennung, das Konsistorium, soll am 20. November im Rom stattfinden.

Der 57-jährige Marx wird damit drei Jahre nach seiner Ernennung zum Erzbischof auch zum Kardinal erhoben. In der Kardinalswürde sehe er eine große Herausforderung, sagte der Nachfolger von Joseph Ratzinger als Erzbischof von München und Freising in einer ersten Reaktion. Die Zahl der deutschen Kardinäle erhöht sich auf acht, von denen sechs bei einer Papstwahl mit von der Partie wären.

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Die 24 neuen Kardinäle kommen aus Afrika und Asien, Nord- und Südamerika sowie aus Europa. Neben Purpurträgern aus Deutschland, Italien und Polen wird der Leiter des Päpstlichen Einheitsrates, der ehemalige Basler Bischof Kurt Koch, Kardinal. Er hatte in diesem Jahr den deutschen Kurienkardinal Walter Kasper auf dieser wichtigen Position abgelöst.

Von den 24 neuen Kardinälen sind 20 jünger als 80 Jahre, sie könnten also einen neuen Papst mitwählen – im Gegensatz zu dem 81-jährigen Brandmüller. Ohne das Konsistorium wäre die Zahl der wahlberechtigten Kardinäle zum Januar 2011 auf 101 abgesunken. Benedikts Vorgänger Paul VI. hatte zwar im Jahr 1968 festgelegt, dass die Höchstzahl der wahlberechtigten Kardinäle nicht mehr als 120 betragen dürfe. Das wird aber in Rom als eine Soll-Regel verstanden. Mit den jüngsten Ernennungen gibt es nun 121 wahlberechtigte Kardinäle.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, gratulierte Marx zu seiner Ernennung. Auch die deutsche Kirchen-Volksbewegung "Wir sind Kirche" gratulierte dem mit 57 Jahren derzeit jüngsten Kardinal zu der Aufnahme in das Kardinalskollegium. Die Ernennung von Marx war auch insofern erwartet worden, weil die Münchner Bischöfe immer sehr schnell in den Kardinalsstand erhoben werden.

Noch ausschlaggebender war aber vermutlich die Persönlichkeit von Erzbischof Marx. Der als konservativ und Rom-treu geltende ehemalige Trierer Bischof hatte sich im Vatikan durch seine schnellen, oft aber auch harten Entscheidungen, aber auch durch seine Medienpräsenz profiliert. Ein entscheidendes Plus in der Kardinalsfrage dürfte sich der lebenslustige Westfale vor allem durch sein entschlossenes Vorgehen im Missbrauchsskandal verdient haben. Außerdem trug Marx hinter den Kulissen wesentlich dazu bei, dass mit dem Rücktritt des umstrittenen Augsburger Bischofs Walter Mixa wieder Ruhe in dessen Diözese einkehrte.

Erklär's mir: Was ist ein Kardinal?

Die Kardinäle sind nach dem Papst die wichtigsten Leute in der katholischen Kirche. Sie werden vom Papst ernannt und waren vorher meistens schon Bischof. Manche Kardinäle arbeiten in Rom wie ein Minister in einer normalen Regierung. Solche Kardinäle heißen Kurienkardinäle. Ihre wichtigste Aufgabe nehmen Kardinäle aber wahr, wenn der Papst stirbt: Dann versammeln sie sich und wählen einen Nachfolger. Zu besonderen Anlässen tragen sie rote Kleider. Das erinnert daran, dass Kardinäle bereit sein sollen, notfalls für ihren Glauben zu sterben. Wenn ein Kardinal stirbt, hat er das Recht, in seiner eigenen Kirche begraben zu werden. In Ländern, in denen Christen verfolgt werden, gibt es auch Kardinäle. Ihre Namen kann der Papst geheim halten, um sie zu schützen. Solche Kardinäle heißen "Kardinal in pectore" (Latein für: Kardinal im Herzen).  

Autor: jsz

Autor: dpa