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18. August 2012

Teil 21

Die Banken sitzen auf dem Geld der Notenbank

Weil die Hilfen der Europäischen Zentralbank kaum in der Realwirtschaft ankommen, ist die Inflationsgefahr derzeit noch gering.

Unser Leser Dieter Tieken fragt: Bringt uns der Euro demnächst eine große Inflation?

Für viele Bundesbürger ist klar: Der Euro hat alles teurer gemacht. Und die Krise verbunden mit der allzu großzügigen Geldvergabe der Europäischen Zentralbank (EZB) wird die Inflation weiter anheizen. Manch einer befürchtet Verhältnisse wie in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Doch die Aufregung ist übertrieben. Das zeigen die jüngste Vergangenheit und der Ausblick auf die nahe Zukunft.

Der Deutsche Jörg Asmussen, Mitglied im Direktorium der EZB, sagt, die Notenbank habe seit ihrer Gründung ihren Auftrag erfüllt und für Preisstabilität gesorgt. "Und wir werden unser Mandat auch weiterhin erfüllen." Er verweist auf die Inflationsraten der vergangenen Jahre. Sie blieben oft unter der Grenze von zwei Prozent oder lagen nur leicht über der Marke. Bis zu diesem Wert sieht die EZB die Preisstabilität gewahrt.

Und in Zukunft? Ein Rekordtief bei den Leitzinsen im Euroraum von 0,75 Prozent, zwei günstige Sonderkredite für die Geldinstitute im Volumen von einer Billion Euro und der Kauf von Staatsanleihen im Umfang von bislang 211 Milliarden Euro schüren Inflationsängste – zumindest solange nicht klar ist, wann und wie die EZB das Geld wieder einsammelt.

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Inflationsgefahren drohen derzeit und zumindest bis Ende 2013 nicht. Weiterreichende Prognosen geben EZB, Bundesbank oder Volkswirte ohnehin nicht ab. Die Bundesbank etwa rechnet 2012 in Deutschland mit einer Inflationsrate von 2,1 Prozent, 2013 soll sie auf 1,6 Prozent zurückgehen. Sie warnt davor, leichtfertig Ängste zu schüren. Volkswirte der Banken haben Raten zwischen 1,8 und 2,2 Prozent für das laufende im Blick, für das kommende Jahr schwanken die Voraussagen zwischen 1,5 und 1,9 Prozent. Die Prognosen für die gesamte Eurozone liegen leicht höher.

Grund für die zurückhaltenden Inflationserwartungen: Das viele Geld, das die EZB an die Banken gibt, kommt jedenfalls bislang nur zum kleinen Teil in der realen Wirtschaft an und damit bei Unternehmen und Verbrauchern. Mehrere Hundert Milliarden Euro haben die Banken bei der EZB geparkt. Dreistellige Milliardenbeträge liegen Experten zufolge bei den nationalen Notenbanken und in niedrig verzinsten Anleihen der Kernländer der Eurozone. Weil sich gleichzeitig die Wirtschaft in der Eurozone in der Rezession befindet und die Verunsicherung über die weitere Entwicklung in der Eurozone groß ist, ist die Kreditnachfrage der Unternehmen schwach. Damit wächst die für die Inflation maßgebliche Geldmenge derzeit nur sehr langsam. Als problematisch für die Teuerungsrate zumindest in Deutschland gelten derzeit nur die vergleichsweise hohen Lohnabschlüsse und die steigenden Energiepreise.

Mittelfristig aber sind Inflationsrisiken nicht von der Hand zu weisen. Irgendwann wird die EZB die Zinsen wieder erhöhen und das viele Geld zurückholen müssen. "Ich glaube nicht an das Versprechen der EZB, dass sich die Inflation im Schnitt der nächsten zehn Jahre auf zwei Prozent begrenzen lässt", sagt Commerzbank-Chef-Volkswirt Jörg Krämer. Allerdings: Verhältnisse wie in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts erwartet er auch nicht. Auf vier Prozent könne die Inflationsrate zeitweise steigen, heißt es bei der Commerzbank. Dass die Teuerung in Deutschland in Bereiche zwischen fünf und zehn Prozent vorstoßen könne, halten die Experten der BHF-Bank für eine Phantomdebatte.

Thorsten Polleit dagegen sieht die EZB auf Inflationskurs. Der Chefvolkswirt von Degussa-Goldhandel betrachtet die bisherigen Geldspritzen der Notenbank von 1,1 Billionen Euro nur als einen Tropfen auf den heißen Stein. "Um den Euro-Schuldenturm vor dem Kollaps zu bewahren, wird der EZB-Rat viel, sehr viel neues Geld in Umlauf bringen müssen." Polleit macht dies allein an den gesamten Schulden der Banken in der Eurozone – die für eine Refinanzierung durch die EZB in Frage kämen – fest. Sie hätten sich im Mai auf 32 ,6 Billionen Euro belaufen. Bekommen Banken billig Geld von der EZB, können sie sich günstig refinanzieren und so ihre Verbindlichkeiten zumindest kurzfristig decken. Was die angeblich noch bedeutend umfangreicheren Geldspritzen der EZB in der Zukunft genau für die Entwicklung der Inflationsrate bedeuten könnten, sagt Polleit allerdings nicht.

Geld drucken müsste die EZB allerdings nicht – anders als die Notenbanken während der Krise in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Geld schöpft sie heute in elektronischer Form. Bargeld spielt dabei, auch wenn es jeder Verbraucher im Portemonnaie hat, nur eine untergeordnete Rolle.

Zuletzt erschienen: Kann der spanische König Spaniens Banken retten?
(BZ, 17. August, Seite 26)

Die nächste Folge
erscheint am
Dienstag, 21. August.

Alle Teil der Serie unter      http://mehr.bz/eurokrise

Autor: Rolf Obertreis


2 Kommentare

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Peter Matulla

Registriert seit: 18.09.2010

Kommentare: 540

18. August 2012 - 10:43 Uhr

„Irgendwann wird die EZB die Zinsen wieder erhöhen und das viele Geld zurückholen müssen.“

… und wenn dann die Pleitebanken das Geld nicht zurückzahlen können?

In der Vergangenheit wurden Anforderungen an die Sicherheiten für die Ausgabe von Zentralbankgeld sukzessive gelockert. Realisieren sich nun diese Risiken, muss die betroffene Zentralbank rekapitalisiert werden um die Eigentumsbesicherung der Währung zu gewährleisten

Unterbliebe die Rekapitalisierung der Zentralbank, so ist für jedermann sichtbar, dass dem Zentralbankgeld keine äquivalente Deckung mehr gegenübersteht. Aufkommende Inflationserwartungen können dann einen Anstieg der Inflation in Gang setzen.

Griechenland jongliert bereits mit geldpolitischen Notstandsinstrumenten. Will der Eurobürger keine Inflation, wird er sich an der Rekapitalisierung der dortigen Zentralbank beteiligen müssen.

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Bodo Weis  

Bodo Weis

Registriert seit: 26.05.2009

Kommentare: 862

18. August 2012 - 19:55 Uhr

Ich bitte sie Inflation! Das Schreckgespenst der Deutschen.
Die Unterschiede zwischen der gemessenen Geldmenge und den beobachteten Preissteigerungen des letzten Jahrzehnts sollte beachtet werden.
In Europa stieg die Geldmenge M3 zwischen 2001 und dem Beginn der Finanzkrise im Spätsommer 2008 um durchschnittlich 8,2% pro Jahr, während die Verbraucherpreise im gleichen Zeitraum nur jeweils um 2,3% stiegen.
In einer Markwirtschaft bestimmen vor allem Angebot und Nachfrage den Preis. Der Zusammenhang von einem merklich knappen Angebot und steigenden Preisen ist beispielsweise bei Wohnungsmieten zu beobachten.
Also was soll die Einschüchterung? Wir sollten uns lieber Gedanken darüber machen warum die Preise sinken.
http://blog.zeit.de/herdentrieb/2012/06/20/deutschland-wieder-auf-dem-weg-in-die-deflation_4949

Wenn die Theorie nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt – umso schlimmer für die Wirklichkeit!

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