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21. Juli 2014

Die Berner Bouelemusig spielt erstklassig – und ohne Noten

Schwizer Obend des Musikvereins Edelweiß mit Alphorn-Ensemble und einem Schweizer Orchesters, das die Zuhörer restlos begeistert.

  1. Überzeugte mit Muskel- und Lungenkraft: Der Mann mit der Basstuba. Foto: Ines Bode Foto: Ines Bode

MALSBURG-MARZELL (inbo). Erstmals versahen die Mitglieder des Musikvereins "Edelweiß" Malsburg-Marzell den Samstagabend ihres Sommerfestes mit einem Motto. Zum "Schwizer Obend" wurde ins Festzelt beim "Haus der Blasmusik" in Marzell geladen – und das Publikum strömte zahlreich.

Aufeinander abgestimmt waren musikalisches und kulinarisches Programm. Typische Produkte der Nachbarn bot die Speisekarte mit Käseteller und mehr. Eine siebenköpfige Gruppe von Alphornbläsern mit Dame führte zumindest akustisch in die Welt der Berge. Mehrfach trat sie vors Publikum, um etwa mit klassischen Melodien zu unterhalten. Das Publikum lauschte fast andächtig dem reinen, vollen Klang.

Gleiches ließ sich auch beim Auftritt der "Bouelemusig" aus Langnau (Bern) beobachten. Breite Anerkennung zollten die Gastgeber dem Können der Formation. Verschrieben hat sie sich der traditionellen böhmisch-mährischen Volksmusik. Ihr Anblick: eine Augenweide, ihre Spielweise: ein Hörgenuss. Das Markenzeichen ist, dass die Musiker ständig in Bewegung sind. Jedes Solo, und sei es noch so kurz, wurde im Stehen dargeboten. Unaufhörlich in Bewegung waren die Bläser, die sich in stets anderer Konstellation präsentierten. Selbst der Mann mit der gut und gern dreißig Kilo schweren Basstuba machte da keine Ausnahme.

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Kräftige Lungen und ebensolche Muskeln müssen die Kollegen haben, befanden MV-Chef Rolf Dreher und Presseobmann Bert Gottschaldt, die ihrerseits den Umgang mit der Tuba beherrschen. Mit den Bühnen-Spaziergängen der Orchestermitglieder, die mitunter ins Publikum führten, war natürlich verbunden, dass die Musiker ohne Noten spielen mussten. Wie Bouelemusig-Präsident Walter Bernini erklärte, pflegt man die sonst nicht so oft zu erlebende "Weg-vom-Blatt-Choreographie" natürlich bewusst.

Im Gepäck des preisgekrönten Ensembles befanden sich populäre Titel, darunter tschechischer Komponisten. Zu Gehör kam der Hit "mein Herz" einer Beatrice Egli oder auch "wonderful world" von Luis Armstrong. Meisterliche Neuarrangements begeisterten die Zuhörer. Diese zollten von Beginn an lautstarken Applaus und entsandten Bravorufe. Man summte mit und wiegte sich im Rhythmus.

Wie beim Tennis spielten sich Flügelhörner und Posaunen die Akkorde zu. Insgesamt wurde eine gehörige Portion Dynamik serviert. Gelegentlich mischte sich in den raschen Zweivierteltakt der Polka ein Walzer. Zu den verhaltenen Titeln zählte etwa der "Sonnenaufgang". Von Polka-Experte Vlado Kumpan stammt das Stück "Unter der Burg", dem sich später das Liebeslied "Viver senza tei" anschloss. Bert Gottschaldt wies auf die beiden Mellophone hin, Blechblasinstrumente aus der Familie der Hörner, eine Rarität, die es hierzulande kaum gibt.

Respekt galt den zahlreichen hohen Tönen mehrerer Instrumentalisten. Brillante Höhen erreichten die Flügelhörner. Klar, dass der Musikvereinsvorsitzende Rolf Dreher die Schweizer Gastmusiker gern einlädt. Den Kontakt ermögliche Hans Willi Günther, ein Eidgenosse, der bei den Wäldern wie in seiner Heimat mitmische, erzählte er. Dass seine Empfehlung die richtige war, bewiesen auch Fans der Bouelemusig, die sogar mit dem Wohnwagen angereist waren.

Autor: inbo