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09. April 2011

Die "Directora Artistica" 

Sängerin Raymaluz aus Kuba lebt seit 2008 in Lörrach  / Auftritt bei Infoveranstaltung im Rathaus.

  1. Sängerin Raymaluz Foto: Barbara Ruda

LÖRRACH. Bei der Informationsveranstaltung des Aktionsbündnisse  "Südbaden hilft"  über den Wiederaufbau nach dem Erdbeben  in Haiti am Dienstag, 12. April, 19.30 Uhr, im Rathaus Lörrach wird  Raymaluz musikalische Akzente setzen. Die Lörracher Sängerin stammt aus Kuba und hat Vorfahren in dem karibischen Staat auf der Nachbarinsel Hispaniola.

Die Mama ihrer Mama musste sich vor knapp hundert Jahren davon machen, weil sie eine "unmögliche" Beziehung einging,  nämlich die zwischen einer Sklavin und dem Sohn eines französischen Gutsbesitzers. In dieser Zeit sei eine große Zahl Haitianer ins damals noch kapitalistische Kuba ausgewandert, erzählt Raymaluz. Dazu zählten auch  Verwandte ihres Vaters. Sie gehört der dritten Generation an, die in Kuba lebt und immer noch das Recht hat, nach Haiti zu reisen. Viele nutzen das, um dort Dinge wie einen Kühlschrank einzukaufen und in Kuba mit Gewinn zu verkaufen.

Dass das bis heute so ist, wundert einen, gilt doch Haiti als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre. "Haiti hat alles, aber kein Geld und auch nicht das Wissen, etwas daraus zu machen", erklärt Raymaluz diese Diskrepanz.

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Die Nachbeben des schweren Erdbebens von Mitte Januar 2010  hat sie miterlebt, als sie mit ihrem Ehemann im März desselben Jahres in der alten Heimat weilte. Sie selbst stammt aus Nuevitas in der Provinz Camagüey im Norden. Hier sah sie jeden Tag im Fernsehen Berichte über Erdbeben, die nicht bloß Haiti, sondern auch  Santiago im Südosten der Insel Kuba betrafen. Auch dort, wo viele Einwanderer aus Haiti leben,  sind Häuser eingestürzt. 

Kuba ist aber nicht bloß geografisch nahe an Haiti, sondern auch vom Menschenschlag. In der Kultur sei das omnipräsent, etwa in den traditionellen Sklaventänzen. Tanz ist eines der Fächer, die Raymaluz studierte, daneben  Gesang, Choreografie und Theaterleitung.  Diesen Weg schlug sie ein, weil man heute in Kuba als Künstler die besten Chancen hat: Man kann reisen und verdient gutes Geld. Das nötige Talent brachte sie zweifelsohne mit. Ihr Contraalt ist zudem eine seltene Tonlage. Zu Beginn ihrer Laufbahn hatte Raymaluz noch Probleme wegen ihrer schwarzen Haut, doch die Intervention eines Freundes, der in der Partei war, setzte dem ein Ende.

Als "Directora Artistica" hat Raymaluz in Kuba nicht nur getanzt und gesungen, sondern zahlreiche junge Leute ausgebildet und gefördert. Selbst jetzt klopfen viele, wenn sie dort ist, immer noch an ihre Tür, um Hilfe auf verschiedenen Gebieten zu erbitten.  Allerdings emigrieren viele Künstler von der Insel. "Die besten leben inzwischen auswärts", weiß Raymaluz, "und wenn sie mal aus Kuba draußen sind, sind sie sehr gut vernetzt." Einige leben in der Nähe, darunter Schüler von ihr wie der Percussionist Ariel Fundora aus Basel, der ihr hier zum engsten Freund geworden ist. Oder Musiker aus Frankfurt und  Barcelona, mit denen zusammen  Raymaluz bereits in Lörrach aufgetreten ist.

In Lörrach, wo die Kubanerin aus Haiti seit 2008 lebt,  vermisst die Künstlerin Orte, an denen sie auftreten kann. Auf Kuba hat es solche Möglichkeiten im  Übermaß. Das ist aber auch alles. Raymaluz hat Deutsch gelernt, arbeitet in einer Fabrik und verfolgt Projekte mit kubanischen Musikern.

Wenn sie am Dienstag im Lörracher Rathaus singt, übermittelt sie musikalische Grüße von Chuchu Valdez, dem besten Pianisten Kubas und "Vater der Musik", der ihr Lehrer war.

"Südbaden hilft" Haiti: Dienstag, 12. April, 19.30 Uhr, Rathaus; "Über Chancen und Grenzen des Wiederaufbaus in einem gescheiterten Staat" berichten Mitarbeiter von Caritas international im Gespärch mit dem stellvertretenden BZ-Chefredakteur Thomas Fricker

Autor: Barbara Ruda