Debatte um Moscheeverein

Die Ditib will ihr Image verbessern

KNA

Von KNA

Mi, 16. Januar 2019 um 21:32 Uhr

Deutschland

Der neue Vorstand des Moscheeverbands sucht das Gespräch mit Politik und Gesellschaft. Viele Bedenken bleiben jedoch.

KÖLN. Seit Jahren schon kommt der deutsch-türkische Moscheeverband Ditib aus den Negativ-Schlagzeilen nicht heraus. Der neue Vorstand will die Vergangenheit hinter sich lassen und wirbt für einen Neuanfang – laut Beobachtern ist davon aber wenig zu sehen.

"Das war eine sehr ergiebige und schöne Veranstaltung", heißt es zum Abschluss bei den Ditib-Verantwortlichen auf dem Podium. Einige der rund 50 deutschen und türkischen Journalisten kommen zu einem anderen Schluss. Für eine "Farce" halten sie die erste Pressekonferenz, zu der an diesem Mittwochvormittag der neue Ditib-Vorstand in die Kölner Zentralmoschee des deutsch-türkischen Islamverbandes geladen hat. Mit fast zwei Stunden dauert der als vertrauensbildende Maßnahme gedachte Termin fast doppelt so lang wie angesetzt. Am Ende bleiben trotzdem viele Fragen offen.

Vorwürfe der Bespitzelung von Erdogan-Gegnern auf Geheiß des türkischen Staates, eine von politischen Pannen begleitete Einweihung der Zentralmoschee und zuletzt ein europäischer Islamkongress, bei dem auch Mitglieder der radikalen Muslimbruderschaft zugegen waren: Es ist einfach zu viel passiert in den vergangenen Jahren, als dass man zur Tagesordnung übergehen könnte.

Sein Eingangsstatement nutzt der neue Ditib-Vorsitzende Kazim Türkmen zu einer Art Leistungsschau, unterstreicht die Bedeutung der Kinder- und Jugendarbeit, würdigt das Engagement von 24 000 zumeist ehrenamtlichen Gemeindemitgliedern und hebt hervor, dass sein Verband 800 000 "Menschen muslimischen Glaubens" in Deutschland unterstützt. Mit den von ihr vertretenen inzwischen mehr als 960 Moscheegemeinden ist die Ditib weiterhin der größte Islamverband hierzulande. Das Problem sind die Beziehungen zum türkischen Staat und dem Religionsamt Diyanet.

Türkmen betont, er leite die Ditib ehrenamtlich. Der 46-jährige Botschaftsrat für religiöse Angelegenheiten an der türkischen Vertretung in Berlin wurde qua Amt zum neuen Vorsitzenden bestimmt. Als sein Stellvertreter fungiert weiterhin Ahmet Dilek, der als Religionsattaché in Köln die Dossiers über Oppositionelle an die Regierung weitergeleitet haben soll. Er sitzt neben Türkmen auf dem Podium, hat aber kaum Redeanteil – ebenso wie die fünf anderen Mitglieder des neuen Vorstands.

Wie weit der Arm Ankaras tatsächlich reicht, zeigt das Beispiel des europäischen Islamkongresses. Dafür habe die Ditib Anfang des Monats nur ihre Räume in Köln zur Verfügung gestellt, so Türkmen. Die Trägerschaft und die Zusammenstellung der Gästeliste übernahm die Diyanet. Deren Chef Ali Erbas war angereist. In einer Grundsatzrede wetterte er gegen die "unmenschliche" Forderung nach einer Assimilation von Muslimen und gegen Europas "Islamfeindlichkeit".

Türkmen räumt Mängel im Krisenmanagement ein, sagt aber auch: Der Verband sei zu einer Zielscheibe polemischer Debatten geworden, was unter vielen Muslimen ein "Gefühl der Ausgrenzung" erzeuge. Die unterschiedliche Wahrnehmung zeigt sich in den Fragen der Medienvertreter. Während die deutschen Journalisten wissen wollen, wie es zu dem Chaos bei der Einweihung der Zentralmoschee mit Präsident Recep Tayyip Erdogan im vergangenen Herbst kam, bei der kein deutscher Vertreter redete, wünschen die türkischen Kollegen Informationen zur Islamfeindlichkeit in Europa.

Die Ditib steht vor einem Spagat – und muss zugleich das zerrüttete Verhältnis zur deutschen Politik sowie den Stadtoberen am Hauptsitz Köln kitten. Weiterhin strebt der Verband eine Anerkennung als Religionsgemeinschaft und Körperschaft des öffentlichen Rechts an. Dass Türkmen kaum Deutsch spricht, dürfte die Sache nicht gerade einfacher machen. Immerhin: Um einen Gesprächstermin mit der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat der seit 4. Januar amtierende Vorstand nachgesucht. Eine Antwort Rekers steht noch aus, wie es aus ihrem Büro heißt. Im Frühjahr plant die Ditib ein Straßenfest um die Zentralmoschee. Für einen Neuanfang dürfte das nicht ausreichen.